5 Jahre später: Unternehmer, Makler und Immobilienhändler - Interview mit Matthias
In diesem Interview spricht Johannes mit Matthias aus dem Allgäu, der mit 28 Jahren einen kompletten Karrierewechsel gewagt und sich in die Immobilienbranche vorgearbeitet hat. Matthias erzählt, wie er vom Industriemechaniker über den Außendienst zum Fix-and-Flip-Investor und Makler wurde, welche Fehler er auf dem Weg gemacht hat und wie er gemeinsam mit Maximilian Wolf den Maklerstandort Bricks and Mortar Immobilien Allgäu aufgebaut hat.
Vom Industriemechaniker zum Immobilieninvestor
Matthias ist im Allgäu aufgewachsen, kommt aus einer selbständigen Familie und hat trotzdem zunächst den klassischen Weg eingeschlagen. Ausbildung zum Industriemechaniker, Arbeit an der Maschine. Nach einer Woche war klar: Das ist nichts für ihn. Er hat seinen Chef direkt angesprochen und einen Wechsel eingefordert. Was folgte, war eine Umschulung zum Techniker Maschinenbau, die er berufsbegleitend absolvierte. Vollzeit arbeiten, abends und am Wochenende lernen, Prüfungen am Sonntag. Ein hartes Programm, das ihm aber eines beigebracht hat: Disziplin und die Erkenntnis, was man leisten kann, wenn man konsequent bleibt.
Parallel zur Weiterbildung kam Matthias über Kollegen im Außendienst in Kontakt mit dem klassischen B2B-Vertrieb. Werkzeugverkauf an große Industriebetriebe wie ZF und andere Konzerne im Allgäu. Was ihn daran gereizt hat, war die Freiheit und der Kontakt zu Menschen. Er war nie der Typ, der hinter einer Maschine steht. Verkaufen, Türen öffnen, Netzwerke aufbauen: Das war sein Ding.
Der Denkwechsel: Vertriebsoffensive 2017
2017 hat Matthias ein Seminar der Vertriebsoffensive besucht. Das war für ihn der erste echte Wendepunkt. Er hat dort verstanden, dass Verkaufen nichts Schlechtes ist, wenn man dem Kunden wirklich hilft. Wer das richtige Produkt zum richtigen Menschen bringt, muss nichts aufschwatzen. Die Erkenntnis klingt simpel, hat Matthias aber nachhaltig geprägt.
Das Problem in seiner damaligen Vertriebsstelle: Er hat für eine Firma verkauft, deren Produkt er irgendwann nicht mehr mit gutem Gewissen vertreten konnte. Produktfehler, die beim Kunden ankamen, wurden ihm als Vertriebler angelastet, obwohl er keinen Einfluss auf die Qualität hatte. Genau dieser Punkt hat in ihm den Wunsch ausgelöst, sein eigenes Produkt zu sein. Ein Fehler, den er selbst gemacht hat, kann er auch selbst beheben. Verantwortung übernehmen für etwas, das wirklich in den eigenen Händen liegt.
Einstieg ins Immobiliengeschäft mit 28
Der Austausch mit seinem Bruder war der entscheidende Impuls. Der Bruder hatte bereits Kontakt zu Bauträgern und hatte selbst eine Wohnung in Weilheim geflippt. Das Ergebnis war gut: Günstig eingekauft, solide saniert, gut verkauft. Matthias hat genau beobachtet, was da passiert, und war sofort Feuer und Flamme.
2019, mit 28 Jahren, hat Matthias die Kündigung eingereicht und gleichzeitig zwei Dinge in die Wege geleitet:
- Die erste eigene Immobilienvermittlung als Makler
- Den ersten gemeinsamen Flip mit seinem Bruder in Markt Oberdorf
Die Wohnung in Markt Oberdorf lag in einem Hochhaus, gute Lage, aber optisch wenig einladend. Der Verkauf war entsprechend herausfordernd. Wer über Google Maps schaut und das Gebäude sieht, springt schnell ab. Trotzdem hat sein Bruder einen Käufer gefunden und der erste Flip war abgeschlossen.
Pandemie, Disziplin und der Aufbau des eigenen Unternehmens
Anfang 2020 hat die Welt bekanntlich stillgestanden. Matthias konnte im Außendienst nicht mehr arbeiten, Besichtigungen waren kaum möglich, die Unsicherheit war groß. Für ihn war das trotzdem eine produktive Zeit. Er hat den erzwungenen Rückzug genutzt, um sein Business systematisch aufzubauen. Wissen aneignen, Strukturen entwickeln, Netzwerke pflegen.
Als Sportler hat Matthias gelernt, diszipliniert zu arbeiten, auch wenn es unbequem ist. Keiner gewinnt einen Wettkampf, wenn er sich am Vorabend gar nicht vorbereitet. Diese Mentalität hat er auf sein Unternehmertum übertragen.
In dieser Phase ist er auf Maximilian Wolf und dessen Coaching-Programm gestoßen. Knapp 10.000 Euro für ein Jahr Betreuung rund um die Themen Unternehmensstruktur, Holding-GmbH, Kalkulationstools für Fix and Flip und strategischen Aufbau. Matthias sagt selbst, das Coaching war für das Geld fast zu günstig. Die Grundlagen, die er dort gelernt hat, prägen bis heute seine Arbeitsweise.
Fix and Flip im Allgäu: Was wirklich dahintersteckt
Matthias hat nach dem ersten Flip konsequent weitergemacht. Wohnung suchen, kalkulieren, ankaufen, renovieren, verkaufen. Klingt im Kopf nach zwei bis drei Monaten Arbeit. Die Realität sieht anders aus.
Ein besonders krasses Beispiel aus seiner Geschichte: Eine Wohnung, die er Ende 2021 verkauft hatte, wurde erst Ende 2023 im Grundbuch umgeschrieben. Zwischenzeitlich wurden Matthias weiterhin die Grundsteuer abgebucht, Behörden haben ihn als Eigentümer kontaktiert, obwohl die Wohnung schon seit zwei Jahren beim Käufer war. Solche Erfahrungen mit Behörden und Grundbuchämtern sind unangenehm, aber Teil der Realität im deutschen Immobilienmarkt.
Was er beim Ankauf gelernt hat: Der konstante Dealflow kommt nicht von Flyern oder Zeitungsanzeigen. Matthias kauft als Investor selbst dann, wenn er gleichzeitig Makler ist, rund 90 Prozent seiner Objekte über Makler. Der Grund ist simpel. Wer auf einen konstanten Strom von Kaufgelegenheiten angewiesen ist, braucht Menschen, die ihm Deals aktiv weitergeben. Insolvenzverwalter, befreundete Makler, ein gepflegtes Netzwerk. Ein einzelner Akquisekanal, egal wie kreativ, liefert keinen verlässlichen Rhythmus.
Matthias formuliert es klar:
- Ohne Netzwerk gibt es keinen planbaren Dealflow
- Off-Market-Objekte sind selten und nicht systematisch skalierbar
- Wer ein Objekt pro Monat drehen will, braucht echte Beziehungen zu Menschen, die Zugang zu Deals haben
Bricks and Mortar Immobilien Allgäu: Das Maklerunternehmen
2022 hat Matthias gemeinsam mit Maximilian Wolf die Bricks and Mortar Immobilien Allgäu GmbH gegründet. Der Hintergrund war pragmatisch: Beim Verkauf der eigenen Flip-Objekte hat Matthias gemerkt, dass professionelle Maklerstrukturen nicht nur den Verkaufsprozess erleichtern, sondern auch die Qualität der Kundenbetreuung massiv verbessern.
2022 war kein einfaches Jahr für den Einstieg. Zinsanstieg, Krieg in der Ukraine, Nachwehen der Pandemie. Der Immobilienmarkt hat sich in kürzester Zeit gedreht. Provisionen wurden teils ein halbes Jahr lang nicht gezahlt. Verkäufe sind geplatzt. Matthias spricht offen darüber, dass es ein hartes Jahr mit vielen Downs war.
Heute ist das Unternehmen solide aufgestellt. Was Matthias besonders betont, ist der Unterschied zwischen einem klassischen Einzelkämpfer-Makler und einem strukturierten Unternehmen:
- Ein Makler, der alles alleine macht, Buchhaltung, Akquise, Besichtigungen, Verkauf, kann keine gleichbleibende Qualität liefern
- Bei Bricks and Mortar hat jeder Mitarbeiter eine klare Rolle und fokussiert sich auf das, was er am besten kann
- Interessenten werden konsequent nachverfolgt, alle Unterlagen werden zeitnah zugeschickt, Anfragen werden aktiv beantwortet
- KPIs werden einmal bis zweimal pro Woche gemeinsam durchgegangen, um planbaren Umsatz zu erzeugen
Matthias nutzt Pipedrive als CRM-System, um den gesamten Verkaufsprozess im Blick zu behalten. Nichts geht unter, niemand wird vergessen. Das klingt nach Standard, ist aber in der Praxis bei vielen Maklerbüros alles andere als selbstverständlich.
Was viele Makler falsch machen
Matthias schildert ein Bild, das viele Immobilieninvestoren kennen: Man fragt ein Objekt an, klickt auf das Exposé, wartet, und hört dann schlicht nichts mehr. Keine Rückmeldung, kein Anruf, nur eine automatische No-Reply-E-Mail. Das passiert, weil viele Maklerbüros reaktiv arbeiten statt proaktiv.
Die Mitarbeiterin in seinem Büro ist aus seiner Sicht eine der wenigen Personen im gesamten Allgäu, die konsequent nachfasst. Wer eine Anfrage stellt, wird angerufen. Wer sich eine Woche nicht meldet, wird nochmal kontaktiert. Dieses einfache Prinzip macht den Unterschied zwischen einem zufälligen Umsatz und einem planbaren Geschäft.
Wachstum und Ausblick
Matthias hat zuletzt eine Zwei-Zimmerwohnung in Sonthofen angekauft. Der nächste Flip läuft bereits an. Für das laufende Jahr plant er, das Team weiter auszubauen. Das Allgäu ist groß genug, es gibt genug Markt für alle, die professionell arbeiten.
Wer im Allgäu im Immobilienbereich neu einsteigen will, kann sich direkt bei Matthias und seinem Team melden. Bricks and Mortar bietet eine eigene Inhouse-Akademie, strukturierte Prozesse und die Möglichkeit, sich als Makler auf das zu konzentrieren, was Geld bringt: den Verkauf. Marketing, Systeme und Strukturen sind bereits vorhanden.
Was man aus diesem Interview mitnehmen kann: Ein erfolgreicher Einstieg ins Immobiliengeschäft braucht keine perfekte Ausgangssituation, aber er braucht Disziplin, ein ehrliches Netzwerk und die Bereitschaft, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Matthias hat genau das getan, über fünf Jahre, mit allen Ups and Downs, die dazugehören.