50.000 Follower: Das exklusive Interview mit Imo Memes
Knapp 50.000 Follower, ein Logo auf einem gelben Ferrari und eine Unterlassungsklage, die fast 20.000 Euro gekostet hätte. Johannes hat sich mit dem Gründer von Imo Memes zusammengesetzt, einem der bekanntesten anonymen Instagram-Accounts der deutschen Immobilienbranche. Im Interview geht es um die Entstehungsgeschichte, das Geschäftsmodell hinter einer Meme-Seite, den Ferrari-Auftritt auf der Rennstrecke und die Pläne für die Zukunft.
Wie Imo Memes entstanden ist
Die Geschichte hinter Imo Memes ist so unwahrscheinlich, dass sie fast schon selbst Stoff für ein Meme wäre. Drei Studenten sitzen in der Vorlesung, schauen lieber Memes als zuzuhören, und fragen sich: Warum gibt es das nicht für die Immobilienwirtschaft? Zu dem Zeitpunkt existierten bereits BWL-Meme-Seiten, darunter der heute bekannte Hedgefonds-Henning mit damals rund 2.000 bis 3.000 Followern. Für den Immobilienbereich gab es aber noch nichts Vergleichbares.
Den entscheidenden Schub gab ein Vortrag von Jakob Meen an ihrer Universität, organisiert vom studentischen Verein. Die drei fanden den Vortrag so gut, dass sie spontan ein Meme über ihn erstellten. Jakob reagierte darauf, likete und kommentierte, und die Seite bekam erste Aufmerksamkeit. So begann das Wachstum von dem, was heute eine feste Institution in der deutschen Immo-Szene ist.
Ganz ohne Rückschläge lief es nicht. Die erste Seite wurde gehackt. Weil die verknüpfte Telefonnummer des Mitgründers nicht mehr existierte, ließ sich der Account nicht wiederherstellen. Die damals rund 1.000 Follower waren weg. Statt aufzugeben, starteten die drei einfach neu. Die heutige Seite, sozusagen Imo Memes 2.0, holte die verlorenen Follower innerhalb einer Woche zurück und wuchs danach sogar stärker als zuvor.
Anonym unterwegs: Warum man die Gründer nicht sieht
Wer Imo Memes folgt, weiß: Man kennt die Gesichter hinter der Seite nicht. Das hat mehrere Gründe, wie der Gründer im Interview erklärt.
- Eine Meme-Seite wirkt neutraler, wenn sie nicht sofort mit einer konkreten Person und deren politischen oder persönlichen Ansichten verknüpft wird. Das macht den Humor breiter und die Inhalte zugänglicher.
- Die Gründer arbeiten alle hauptberuflich im Corporate Real Estate, also in der institutionellen Immobilienwelt, wo es um Transaktionen in Millionenhöhe geht. Dort ist Professionalität entscheidend, und ein öffentliches Gesicht hinter provokanten Memes kann da schnell unpassend wirken.
- Das gewisse Mysterium rund um die Anonymität hat zudem seinen eigenen Charme und trägt zur Marke bei.
Völlig unsichtbar sind die Gründer trotzdem nicht. Es gibt vereinzelte Videos und Interviews, in denen sie zu sehen sind. Aber die bewusste Trennung zwischen Corporate-Job und Meme-Welt bleibt das Prinzip.
Wer folgt eigentlich einer Immobilien-Meme-Seite?
Die naheliegende Antwort wäre: Makler und Studenten der Immobilienwirtschaft. Die Realität ist differenzierter. Imo Memes ist thematisch spezifischer als allgemeine BWL-Meme-Seiten, was die Reichweite in einem engeren, aber sehr relevanten Umfeld erklärt. Der Gründer beschreibt im Interview eine Überraschung, die sich im Laufe der Zeit aufgebaut hat:
Managing Directors und CEOs großer Immobilienunternehmen folgen der Seite. Ein Student aus London, mit dem der Gründer gerade seinen Master macht, ist der Sohn eines großen Projektentwicklers mit erheblichem Privatbestand, und dieser folgt Imo Memes privat. Das zeigt, welche Player in der Branche den Humor offenbar schätzen, auch wenn sie es nach außen vielleicht nicht groß kommunizieren.
Die Seite versteht sich dabei selbst zunehmend als eine Art Satire-Zeitung für die Immobilienwirtschaft auf Instagram. Aktuelle Schlagzeilen, Brancheninsolvenzen, Klischees vom Makler-Lifestyle oder politische Themen rund um den Immobilienmarkt werden aufgegriffen und mit Humor verarbeitet. Wer Signa-Pleiten, Zinsentwicklungen oder den FDP-Finanzminister kennt, versteht die Witze. Wer es nicht tut, scrollt einfach weiter.
Das Geschäftsmodell: Merch, Sponsoring und Reichweite
Eine Meme-Seite mit knapp 50.000 Followern in einer Nische kann durchaus Geld generieren. Imo Memes hat dabei auf verschiedene Wege gesetzt:
- Merch-Store: Die bekannteste Produktkategorie sind die Tassen mit Immobilien-Sprüchen. Laut dem Gründer wurden im Laufe der Zeit tausende Stück verkauft, einzelne Bestellungen umfassten bis zu 60 oder 70 Tassen auf einmal. Die Tassen tauchen mittlerweile nicht nur im Büro auf, sondern auch beim Champagner-Trinken im Club oder auf Yachten, wo Follower Fotos posten und die Seite damit zusätzliche organische Reichweite bekommt. Die Margen sind bei Merchandise naturgemäß gering, aber der Community-Effekt ist spürbar.
- Werbeschaltungen: Gelegentlich haben Unternehmen die Reichweite der Seite genutzt, um Objekte zu vermarkten, Stellenangebote zu schalten oder sich bekannter zu machen. Wichtig war dem Team dabei immer, dass die Werbung zur Zielgruppe passt und nicht überhandnimmt. Eine Seite, die hauptsächlich Werbung zeigt, verliert ihren Charme, das sieht der Gründer klar.
- Indirekter Nutzen: Der vielleicht wichtigste Wert ist die Reichweite selbst. Aus der Community heraus haben die Gründer ein weiteres Unternehmen aufgebaut, das inzwischen eigenständig funktioniert. Dieses Projekt wurde im Interview bewusst nicht namentlich genannt, weil es die Verbindung zu den anonymen Gründern zu direkt herstellen würde.
Zum Vergleich nennt der Gründer Hedgefonds-Henning, der mit seiner BWL-Meme-Seite einen Vertrag mit dem öffentlich-rechtlichen Content-Netzwerk Funk geschlossen hat und Kurzvideos produziert. Das zeigt, dass sich das Modell professionalisieren lässt, wenn man die Zeit und den Willen dazu hat.
Die Unterlassungsklage: Was passiert, wenn Humor zu weit geht
Eine Episode aus der Geschichte von Imo Memes zeigt, wo die Grenzen liegen, auch wenn man es nicht böse meint. Ein Mitgründer fotografierte zufällig zwei Mülleimer vor dem Büro eines Finanzdienstleisters und versah das Bild mit dem Schriftzug "Verwechselungsgefahr", da das Logo des Unternehmens sichtbar war. Das Meme war als Witz gemeint, der Finanzdienstleister sah das erwartungsgemäß anders.
Innerhalb von drei Tagen kam die Unterlassungsklage. Das Unternehmen, dessen Geschäftsmodell stark auf Mundpropaganda und persönlichen Empfehlungen basiert, hatte ein Team, das solche Fälle schnell bearbeitete. Die geforderte Summe lag zunächst bei rund 20.000 Euro.
Die Geschichte hat eine unerwartete Wendung. Der YouTuber David Döbele, der das Unternehmen zuvor in einem Video kritisiert hatte, war vom selben Anwalt der selben Firma verklagt worden, bei ihm mit einer Forderung von angeblich rund 150.000 Euro. Als Döbele erfuhr, dass Imo Memes denselben juristischen Gegner hatte, gab es eine gewisse Verbundenheit.
Imo Memes fand einen Anwalt, der den Fall übernahm. Das Besondere: Der Anwalt fand die Sache so absurd und witzig, dass er die Seite kostenlos rausbockte. Seine Gegenleistung war eine Kiste Merch. Die Gesamtkosten für Imo Memes beliefen sich am Ende auf rund 200 Euro Anwaltsgebühren. Das Ergebnis: Sie unterschrieben, das Unternehmen nicht mehr mit Müll in Verbindung zu bringen, und das war es. Eine Lektion, die die Gründer gelernt haben und seitdem konsequent umsetzen: Humor ja, aber niemanden in ein schlechtes Licht rücken, das man rechtlich nicht vertreten kann.
Der gelbe Ferrari: Wenn ein Immobilien-Mogul dein Logo auf die Rennstrecke bringt
Eine der kuriosesten Aktionen in der Geschichte von Imo Memes hat direkt mit einem bekannten Immobilieninvestor aus dem Osten Deutschlands zu tun: Matthias Bärbaum aus Jena. Bärbaum ist Autofan und nahm mit seinem gelben Ferrari an Rennstrecken-Events teil. Bei einem gemeinsamen Abendessen in Stuttgart schlug er dem Imo-Memes-Team vor, ob sie Lust hätten, ihr Logo und einen eigenen Spruch auf dem Ferrari zu platzieren, der dann auf der Rennstrecke gefilmt werden sollte.
Das Angebot war klar: Ja. Mehrere Designvorschläge wurden entwickelt, von denen einige sich grafisch nicht gut aufs Auto übertragen ließen. Am Ende entschied man sich für Name und Logo in klarer Form. Bärbaum zog es durch, das Imo-Memes-Logo klebte auf dem gelben Ferrari auf der Rennstrecke. Laut dem Gründer gewann Bärbaum dort sogar einen Wettbewerb, und das Siegerauto trug das Logo der Meme-Seite.
Für Imo Memes war das natürlich Content-Gold: Ein Immobilien-Investor auf einer Rennstrecke mit einem Ferrari, auf dem groß ihre Marke steht. Das Videomaterial soll noch verarbeitet werden.
Ähnliche Erlebnisse beschreibt der Gründer auch für andere Kooperationen. Über die Reichweite der Seite wurden sie von Gerald Hörhan auf eine gecharterte Yacht nach Mallorca eingeladen, wo sie einen Tag mit ihm und Roland Strano verbrachten. Das Imocations-Festival lud sie kostenlos mit Übernachtung und VIP-Zugang ein. Die Meme-Seite wurde zum Türöffner in Kreise, in die man ohne die Reichweite in dem Alter kaum gelangt wäre.
Pläne für die Zukunft
Der Gründer macht im Interview klar, dass Imo Memes nicht aufgegeben wird, auch wenn Zeit und Kapazitäten durch Masterstudium in London und Corporate Jobs begrenzt sind. Die konkreten Vorhaben klingen solide:
- Der Merch-Store soll professionalisiert und erweitert werden. Eine Kooperation mit Hedgefonds-Henning wird angedacht, bei der beide Seiten ihren Merch über eine gemeinsame Plattform anbieten würden, so dass BWLer Immo-Merch finden und umgekehrt.
- Reels sollen mehr in den Fokus rücken, da das Format auf Instagram derzeit einer der stärksten Wachstumstreiber ist. Dafür will der Gründer sich tiefer in Videobearbeitung einarbeiten, sobald die Masterprüfungen abgeschlossen sind.
- Das Design soll einheitlicher werden, mit stärkerem Wiedererkennungswert, ähnlich wie es Im Off Market vorgemacht hat, eine Seite, die Imo Memes in puncto Follower inzwischen überholt hat.
- Eine Idee, die im Gespräch kurz aufpoppt: Ein YouTube-Format, in dem Immobilieninvestoren mit Maske anonym über ihre größten Fehler und Fuckups reden. Die Ausschnitte würden dann als Reels auf Instagram ausgespielt.
- Community-Events wie Partys, die es früher schon gab und die sehr gut ankamen, sollen wieder häufiger stattfinden.
Was die Gründer mit ihrer Reichweite auch zeigen: Aufmerksamkeit ist in jeder Branche eine Währung, auch in der oft als trocken geltenden Immobilienwelt. Wer eine engagierte Community aufbaut und authentisch bleibt, öffnet Türen, die mit klassischen Wegen so nicht erreichbar wären. Das gilt für Meme-Seiten genauso wie für Immobilienkanäle, Blogs oder YouTube-Formate.
Wenn du die Seite noch nicht kennst, schau mal bei Imo Memes auf Instagram vorbei. Und wenn du schon Follower bist, weißt du ohnehin: Der nächste Schmunzler über den Immobilienmarkt kommt bestimmt.