Alles rausgerissen! Das haben wir gefunden und das planen wir zu renovieren
Die Wohnung ist komplett entkernt, die Tapeten sind runter und jetzt geht es ans Eingemachte: In dieser Folge nehme ich dich mit durch die leere Wohnung, zeige dir was wir beim Rausreißen vorgefunden haben und erkläre dir ganz konkret, was wir wo wie renovieren. Von der Elektroplanung über das Badezimmer bis hin zu den Fliesen und Übergängen, hier bekommst du den vollständigen Renovierungsplan für dieses Fix-and-Flip-Projekt.
Entrümpelung und erster Überblick
Bevor es in die Wohnung geht, steht erst mal der Wertstoffhof auf dem Programm. Alte Badezimmerfliesen mit leichtem Grauton, Vorhangschienen, ein elektrischer Kaminofen, eine kleine Küchenmaschine, eine durchgesessene Couch und diverse Lampen, all das landet im Container oder auf dem Wertstoffhof. Was noch einen gewissen Restwert hat, zum Beispiel ein altes Sideboard in ordentlichem Zustand, wandert auf eBay Kleinanzeigen. Selbst kleine Erlöse aus dem Verkauf ausrangierter Möbel helfen dabei, die Renovierungskosten zu drücken. Das gehört beim Fix and Flip einfach dazu.
Die Wohnung selbst ist beim Betreten bereits komplett entkernt. Mehrere Lagen Tapete wurden entfernt, die Handwerker haben die Wände eingeweicht und sauber abgezogen. Was direkt positiv auffällt: Der Balkon wurde von der Hausverwaltung auf eigene Kosten komplett neu gemacht, Boden, Wände und Putz, ohne dass wir dafür einen Euro gezahlt haben. Das ist natürlich ein Glücksfall und senkt die Gesamtinvestition spürbar.
Elektroplanung: Mehr Steckdosen, klare Struktur
Ein zentrales Thema bei dieser Renovierung ist die Elektroplanung. Viele ältere Wohnungen haben schlicht zu wenig Steckdosen und eine veraltete Sicherungsstruktur. Beides wird hier grundlegend überarbeitet.
Im Wohnzimmer bleibt die Grundstruktur weitgehend erhalten, lediglich eine zusätzliche Steckdose kommt dazu. Der alte Heizkörper wird gegen einen neuen ausgetauscht, und die hässliche Abdeckung erhält wie gewohnt eine Eichenplatte als sauberer, moderner Abschluss.
Im Schlafzimmer sieht es anders aus: An der Wand, an der das Bett stehen wird, gab es bisher überhaupt keinen Stromanschluss. Das ist ein klassisches Problem in älteren Bestandswohnungen. Dort kommen jetzt drei neue Steckdosen hin, damit künftige Bewohner dort problemlos einen Fernseher, Nachttischlampen oder ein Ladegerät betreiben können. Auf der anderen Seite des Raums werden zwei weitere Steckdosen ergänzt. Der Heizkörper wird ebenfalls erneuert, ansonsten wird alles verputzt und zweimal weiß gestrichen. Die Türrahmen bleiben erhalten und werden vom Schreiner, in diesem Fall Johannes' Bruder, weiß lackiert.
Im Flur fehlte bisher jeglicher Stromanschluss für den Abstellraum, kein Schalter, keine Steckdose, nichts. Das wird nachgerüstet: Eine Steckdose und ein Lichtschalter kommen rein. Weil die Decke aus Beton besteht und das Schlitzen der Decke aufwendig wäre, werden stattdessen Wandstrahler auf einer bestimmten Höhe montiert. Eine pragmatische Lösung, die Zeit und Geld spart.
Beim Sicherungskasten wird ebenfalls modernisiert. Früher liefen oft mehrere Räume über eine einzige Sicherung. Heute ist das nicht mehr Stand der Technik. Hier bekommt jeder Raum eine eigene Einzelsicherung. Waschmaschine und Herd werden zusätzlich separat abgesichert, so wie es in modernen Wohnungen üblich ist.
Küche: Fliesen, Starkstrom und Trockenbau
Die Küche wird komplett neu verputzt und vollständig gefließt. Dabei wird bewusst die gleiche Fliese verwendet wie im Rest der Wohnung, um ein einheitliches Bild zu erzeugen. Der Rest der Wohnung bekommt Parkett, die Nassräume und die Küche bekommen Fliesen, aber immer dieselbe.
Bei der Elektrik in der Küche gilt: mehr ist mehr. Konkret geplant sind:
- Starkstromanschluss für den Backofen unten in der Küchenzeile
- Mehrere Steckdosen auf der Arbeitsfläche für Haushaltsgeräte wie Mixer oder Wasserkocher
- Eine Steckdose, die nach oben versetzt wird, damit eine Abzugshaube sauber angeschlossen werden kann
- Neue Telefonanschlüsse und ein Sprechgerät
Eine Wand in der Küche besteht aus Holz, das sich nicht direkt verputzen lässt. Hier kommt Trockenbau drauf, der dann verputzt und gefließt wird. Der neue Heizkörper in der Küche hat ein Format von etwa 1 m auf 60 cm und wird aufrecht montiert.
Gäste-WC: Sauber und funktional, ohne Schnickschnack
Im Gäste-WC ist die Ausgangslage klar: Die Decke kann nicht abgehängt werden, weil zu wenig Höhe vorhanden ist und das Türblatt sonst Probleme macht. Stattdessen kommt ein hochwertiger Wandstrahler, der optisch trotzdem viel hermacht.
Gefliest wird hier auf einer Höhe von 120 cm, alles darüber wird verputzt und weiß gestrichen. Der Hintergrund: Früher wurde in Bädern und WCs oft komplett bis zur Decke gefließt. Das sieht heute altmodisch aus und macht den Raum optisch kleiner. Weiße Putzflächen dagegen lassen den Raum größer wirken, das ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Trick.
Hinten an der Wand kommt ein Geberit-Vorwandkasten, damit die Toilette sauber als Hänge-WC montiert werden kann. Auf der anderen Seite wird eine Klappe eingebaut, um die Wasseruhren weiterhin zugänglich zu halten. Dazu kommt ein kleines Waschbecken. Auf elektrische Abluft wird bewusst verzichtet: In vielen älteren Gebäuden dürfen die bestehenden Abzugsschächte nicht elektrisch betrieben werden, weil die Ventilatoren sonst Gerüche aus anderen Wohnungen in die eigene drücken. Ein Gitter als natürlicher Abzug ist hier die richtige Lösung.
Badezimmer: Das Herzstück der Renovierung
Das Badezimmer ist immer das Highlight eines Fix-and-Flip-Projekts, und hier ist es nicht anders. Die Planung ist durchdacht und zeigt, wie man aus einem veralteten Nassraum etwas wirklich Schönes machen kann.
Der Duschbereich wird als gefliester Podest ausgeführt, keine freistehende Wanne, keine billige Kunststoffwanne. Der Grund: Eine bodengleiche Dusche ist technisch leider nicht möglich, weil kein Estrich vorhanden ist und der Abfluss direkt im Boden sitzt. Das notwendige Gefälle für eine ebenerdige Dusche ließe sich nur über eine elektrische Pumpe lösen, aber das macht bei einem Fix-and-Flip keinen Sinn. Als Verkäufer haftest du fünf Jahre für Baumängel, und eine elektrische Pumpe im Boden ist schlicht ein Risiko, das man nicht eingehen sollte. Wenn sie irgendwann ausfällt, muss wieder alles aufgerissen werden.
Die Duschzone wird auf 80 cm Höhe gefließt, genauso die angrenzende Wand. Eine Glasscheibe mit 110 cm Breite schließt den Nassbereich ab. Der Wasseranschluss für eine Aufputz-Duschbrause wird direkt an der Wand gesetzt.
Das Waschbecken bekommt ebenfalls einen Fliesenbereich bis 120 cm Höhe, alles darüber wird verputzt. An den Wänden, die nicht im Nassbereich liegen, gibt es nur eine kleine Sockelfliese von 12 cm Höhe, alles andere bleibt weiß verputzt. Das Ergebnis: Der Raum wirkt optisch deutlich größer als mit einer Vollverkachelung.
Ein besonderes Detail ist die LED-Fliesenabschlussleiste: Dort, wo die Fliesen aufhören, kommt eine Leiste mit indirekter Beleuchtung hin. Der Spiegel wird ebenfalls indirekt beleuchtet, und eine eigene Steckdose für den Spiegel ist eingeplant. Das sind die kleinen Dinge, die am Ende den Unterschied machen und beim potenziellen Käufer Eindruck hinterlassen.
Die Decke im Bad kann leider ebenfalls kaum abgehängt werden, nur vier bis fünf Zentimeter wären möglich. Ob das gemacht wird, muss noch entschieden werden. Die gesamte Bauleitung liegt bei Familienmitgliedern, Papa und Bruder überwachen die Baustelle vor Ort, was Kosten spart und kurze Abstimmungswege ermöglicht.
Was dieses Projekt zeigt
Diese Folge macht sehr deutlich, wie wichtig eine strukturierte Vorplanung vor dem eigentlichen Renovierungsbeginn ist. Wer einfach drauflosrenoviert, ohne vorher Elektro, Fliesen, Übergänge und Grundrissdetails durchzudenken, der verliert Zeit und Geld. Beim Fix and Flip gilt: Jede Entscheidung hat direkte Auswirkung auf die Rendite.
Einige der wichtigsten Prinzipien aus dieser Planungsrunde zusammengefasst:
- Elektrik modernisieren: Einzelsicherungen pro Raum, separate Absicherung für Herd und Waschmaschine, ausreichend Steckdosen an sinnvollen Stellen
- Einheitliches Fliesenbild: Gleiche Fliese in Küche, Bad und WC schafft ein homogenes Erscheinungsbild und vereinfacht die Planung
- Weiß statt Vollverkachelung: Nur im Nassbereich fließen, den Rest verputzen und weiß streichen, das spart Kosten und lässt Räume größer wirken
- Kein unnötiges Risiko: Elektrische Pumpen im Boden oder aufwendige Deckenkonstruktionen bei zu geringer Deckenhöhe sind Gewährleistungsrisiken, die man bei einem Flip vermeiden sollte
- Details mit Wirkung: Indirekte Beleuchtung, LED-Fliesenleisten, Eichenplatten auf Heizkörpern, das sind günstige Maßnahmen, die optisch viel bringen
- Restmaterialien verwerten: Alte Möbel auf eBay Kleinanzeigen, Fliesen zum Wertstoffhof, alles was noch Wert hat, wird vermarktet
Das Projekt nimmt Form an. In den nächsten Folgen geht es in die Umsetzung. Wenn du bei diesem Fix-and-Flip-Projekt live dabei sein willst und selbst verstehen möchtest, wie Immobilien kaufen, renovieren und mit Gewinn verkaufen in der Praxis funktioniert, dann bleib dran.