Australien vs. Fix & Flip: Warum mein Bruder zurückkam
In dieser Folge spricht Johannes mit seinem jüngeren Bruder Julian, der heute operativer Geschäftsführer bei Flipper Immo im Allgäu ist. Julian hat als Schreinermeister gearbeitet, war auf Work and Travel in Neuseeland und Australien, hat in Sydneys Clubszene als DJ aufgelegt und stand irgendwann vor der Frage: zurück nach Australien oder Fix and Flip mit dem großen Bruder? Das Video gibt ehrliche Einblicke in den Einstieg ins Immobilienflipping aus einer ungewohnten Perspektive.
Vom Hof in die Schreinerei: Julians Werdegang
Julian ist mit einem mittleren Bildungsabschluss gestartet und direkt in eine Schreinerausbildung gegangen. Die Leidenschaft fürs Handwerk kam vom Aufwachsen auf dem elterlichen Hof, wo Holzarbeiten und Werkeln mit dem Vater zum Alltag gehörten. Während viele seiner Mitschüler in der Ausbildung nur Baustellen fegten und Schrauben sortierten, bekam Julian früh komplette Projekte übertragen: von der Kundenberatung bis zur Rechnungsstellung. Diese eigenverantwortliche Arbeitsweise hat ihn geprägt und ist bis heute ein Merkmal seiner Art zu arbeiten.
Nach der Ausbildung folgte Auslandserfahrung. Zuerst Neuseeland, anfangs nur zum Reisen gedacht, dann aber schnell in einer Küchenschreinerei gelandet, weil das Geld beim Work and Travel irgendwann ausging. Drei Bewerbungen geschrieben, zwei Zusagen am nächsten Tag. Deutsche Handwerker sind im Ausland sehr gefragt, das hat Julian am eigenen Leib erfahren. Der Stundenlohn in Neuseeland lag bei rund 40 neuseeländischen Dollar, was bei einem einfachen Lebensstil gut funktioniert hat.
Schreinermeister mit Auszeichnung und Luxusbaustellen in Sydney
Nach dem Jahr in Neuseeland kam Julian zurück nach Deutschland und schloss in München seinen Schreinermeister ab. Dass sein Meisterstück dabei den ersten Platz in der Gestaltungswertung holte, hat er im Gespräch fast übergangen. Es passt aber zum Bild: Julian hat ein ausgeprägtes Auge für Ästhetik und Details, das sich durch seinen gesamten Werdegang zieht.
Dann kam Australien. In Sydney arbeitete Julian im hochpreisigen Innenausbauprojekte-Segment. Sein dortiger Chef war im Prinzip ein Generalunternehmer, der Renovierungen in einem sehr engen, familiären Netzwerk abwickelte. Julian war für die Möbelproduktion und den Innenausbau zuständig, gemeinsam mit einem weiteren Kollegen und einer eigenen Werkstatt vor Ort. Die Projekte bewegten sich in einer anderen Dimension als das, was man aus deutschen Altbauwohnungen kennt:
- Villen ab 15 Millionen australischen Dollar aufwärts
- Eigenem Bootsliegeplatz direkt am Wasser
- In den natürlichen Stein gebaute Duschen in Hanglage
- Direkter Meerblick und Küstenlage
- Veröffentlichungen in Inneneinrichtungsmagazinen
Nebenbei entdeckte Julian in Sydney die Musik für sich neu, produzierte eigene Tracks und legte als DJ in Clubs auf. Johannes hat ihn dabei sogar per Livestream aus Deutschland beobachtet. Das kreative Element zieht sich offensichtlich durch alles, was Julian anfasst.
Die Entscheidung: Australien oder Fix and Flip im Allgäu?
2023 kam Julian zurück nach Deutschland. Zu dem Zeitpunkt war Flipper Immo bereits im dritten Jahr des aktiven Flippens, hatte mehrere GmbHs im Konstrukt, einen YouTube-Kanal mit drei Jahren Laufzeit und Johannes war operativ schon nicht mehr ausschließlich auf der Baustelle, sondern auch in Medien, Beratung und Unternehmensaufbau unterwegs.
Julian stand vor einer echten Weggabelung. In Australien hätte er ein Sponsoring-Visum bekommen, also einen deutlich erleichterten Zugang als die meisten anderen. Die Schreinerei hätte ihm alles gestellt. Auf der anderen Seite: Familie im Allgäu, Kempton, die Wurzeln. Er selbst nennt es mit einem Lachen "Midlife Crisis", aber die Entscheidung war alles andere als leichtfertig. Rund ein halbes Jahr hat er gebraucht, um wirklich zu wissen, wo er hinwill. Erst als er seine Freundin kennenlernte und schrittweise mehr Besichtigungen mit Johannes mitgemacht hat, hat sich der Weg in Richtung Fix and Flip herauskristallisiert.
Wichtig in diesem Zusammenhang: Julian wollte sich nicht einfach ins gemachte Nest setzen. Dieses Zögern war kein Desinteresse, sondern Haltung. Johannes sieht das klar: Wer das Nest geteilt hat, hat keinen Nachteil, und gemeinsam haben sie schon mehr erreicht als alleine. Die Frage, wer etwas aufgebaut hat, spielt dabei keine Rolle.
Der Einstieg ins Fix and Flip: Learning by doing
Am Anfang hat Johannes Julian in die Akquise geworfen, ohne große Einweisung. Makler anrufen, Follow-up in Trello pflegen, dranbleiben. Das war für Julian anfangs eine echte Hürde. Nicht weil er es nicht konnte, sondern weil das konsistente, manchmal ergebnislose Besplielen von Quellen und Netzwerken eine ganz andere Geduld erfordert als handwerkliche Arbeit, bei der man sofort sieht, was man tut.
Julian hat aber einen zentralen Mechanismus der Akquise verstanden: Dranbleiben funktioniert. Ein konkretes Beispiel aus dem Gespräch: Eine Wohnung, bei der beide Seiten 120.000 Euro auseinanderlagen, hat am Ende funktioniert, weil Julian einfach drangeblieben ist. Das Objekt war nicht unter der Hand, sondern offen auf dem Markt. Die meisten haben das Potenzial nicht erkannt oder haben nach dem ersten Nein aufgehört.
Der entscheidende Wendepunkt im Einstieg war aber ein anderer. Julian kam zu Johannes und sagte: Gib mir eine komplette Baustelle. Er wollte nicht mehr nur einzelne Teile übernehmen, sondern von der Übergabe bis zur Fertigstellung alles selbst steuern. Als Schreiner kannte er bislang immer nur das Ende einer Baustelle: Parkett liegt, Wände sind verputzt, er kommt mit den Türen oder Möbeln rein. Was vorher passiert, war für ihn eine Blackbox.
Diese Feuertaufe war laut beiden der beste Einstieg, den man sich vorstellen kann. Julian hat dabei gelernt:
- Wie man Handwerker verschiedener Gewerke koordiniert, ohne selbst Experte in jedem Bereich zu sein
- Dass man die richtigen Fragen stellt: Wann kommst du? Was brauchst du von mir? Welche Vorlaufzeiten hast du?
- Dass man den Fachleuten vertrauen und loslassen muss
- Dass Qualität bei der Auswahl der Handwerker langfristig günstiger ist als der billigste Anbieter
Handwerker führen: Augenhöhe statt Bauherren-Auftreten
Einer der stärksten Punkte im Gespräch ist Julians Perspektive auf den Umgang mit Handwerkern auf der Baustelle. Er spricht aus doppelter Erfahrung: als ehemaliger Handwerker selbst und als heutiger Projektleiter. Seine Beobachtung ist klar: Wer auf der Baustelle mit Sakko auftaucht, am Meterstab klopft und Kritik verteilt, hat früher oder später ein Problem.
Was stattdessen funktioniert: auf Augenhöhe kommunizieren. Mal in der Arbeiterhose erscheinen. Mit den Handwerkern Mittagessen gehen. Einen lockeren Ton pflegen. Julian beschreibt es so: Du bist dann ein Kollege, kein Bauherr. Und das macht einen spürbaren Unterschied darin, wie die Arbeit abläuft, wie kurzfristig jemand einspringt und wie sorgfältig gearbeitet wird.
Dazu kommt eine klare Haltung zur Qualität: Flipper Immo hat in fünf Jahren kaum Gewährleistungsansprüche hinten raus produziert, weil von Anfang an auf ordentliche Ausführung geachtet wird, nicht auf den letzten gesparten Euro bei der Handwerkerauswahl. Wer billig kauft, kauft zweimal, das gilt auf der Baustelle genauso wie beim Objekteinkauf.
Was Julian am Flippen mag und was nicht
Johannes fragt seinen Bruder direkt: Was machst du gerne, was nervt dich? Die Antworten sind ehrlich.
Besonders schätzt Julian die Flexibilität des Berufsalltags. Mal morgens ausschlafen und in Ruhe einen Kaffee trinken, dafür am Wochenende eine Besichtigung machen, wenn es passt. Das ist für ihn echter Luxus im Vergleich zu allem, was er vorher gemacht hat. Was ihm darüber hinaus Freude macht, ist der gestalterische Teil: Inspirationen finden, überlegen, wie man sie in einem konkreten Objekt umsetzt. Das Endergebnis zu sehen, wenn man den Vorher-Zustand noch genau vor Augen hat, ist laut Julian eines der befriedigendsten Dinge in diesem Beruf.
Was er weniger mag: Verhandlungsphasen. Johannes ist da genau das Gegenteil, ihm machen Preisverhandlungen Spaß. Das ist eine gesunde Arbeitsteilung im Bruder-Gespann.
Was beide nicht mögen: die bürokratische Seite. Mit mehreren Gesellschaften im Konstrukt ist die Buchhaltung und das Papiergedöns in Deutschland ein echter Zeitfresser. Julian formuliert es sachlich: Der deutsche Staat ist kein freundlicher Unterstützer von Selbständigen und Unternehmern. Aber es gehört zum Spiel, wenn man ein größeres Gebäude aufbaut.
Traumobjekte, Designvisionen und der Weg in Richtung Mehrfamilienhäuser
Johannes fragt, welches Projekt Julian unbedingt noch realisieren will. Die Antwort kommt ohne Zögern: ein hochwertiges Penthouse. Große Räume, offenes Raumkonzept, indirekte Beleuchtung, Unterputzarmaturen, Schreinermöbel, vielleicht sogar Gemeinschaftsbereiche wie eine Sauna. Materialien, die man anfassen will, zum Beispiel Holzfenster. Und irgendwann auch mal ein kleines Projekt in Italien.
Stilistisch hat Julian klare Vorstellungen für die Weiterentwicklung des Flipper-Immo-Stils:
- Warme, natürliche Farbtöne statt reinem Weiß, zum Beispiel ein cremiges Off-White
- Stuck an hohen Decken als gestalterisches Element
- Stäbchenfliesen in gedämpften Farben, zum Beispiel Dunkelgrün
- Kombination aus verschiedenen Fliesenformaten
- Lichtkonzepte als unterschätztes Werkzeug: Richtige Beleuchtung erzeugt Raumgefühl und Emotion mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz
Auf Unternehmensebene sieht Johannes aktuell die Expansion in Richtung Mehrfamilienhäuser als nächsten logischen Schritt. Der Vorteil: Beim Einkauf gibt es einen Mengeneffekt, und Prozesse wie Akquise und Baustellenorganisation lassen sich besser automatisieren und skalieren. Neubau ist zwar ein Thema, das Julian reizt, aber für Johannes kommt da erst dann ran, wenn das bestehende Modell wirklich sitzt.
Was Fix and Flip so besonders macht
Am Ende des Gesprächs dreht Julian den Spieß um und fragt Johannes, was ihm am Flippen am meisten gefällt. Die Antwort trifft den Kern des Geschäftsmodells: Aus einer Idee mit Energie und Fleiß ein Produkt zu schaffen, das für alle Beteiligten funktioniert. Der Käufer freut sich über seine neue Wohnung. Der Makler hat eine saubere Transaktion begleitet. Der Notar hat seinen Abschluss. Die Handwerker wurden fair bezahlt. Und Johannes und Julian haben ein Objekt transformiert, das vorher niemandem etwas genutzt hat.
Das ist kein Selbstbetrug und keine Hochglanz-Erzählung. Es ist das, was Fix and Flip als Geschäftsmodell von vielen anderen unterscheidet: Es entsteht echte Substanz, sichtbar für jeden, der die Wohnung vorher und nachher kennt. Und genau dieses Gefühl, so Julian, hat er in keinem anderen Beruf so direkt erlebt.