← Zurück zum Blog

Bau-Chaos & Rechtsstreit: Was bei diesem Immobilien-Flip alles schiefging

Fix and Flip klingt auf dem Papier immer ordentlich und planbar. Die Realität auf der Baustelle sieht meistens anders aus. In diesem Video zeigt Johannes ganz ungeschminkt, was bei einem konkreten Flip alles schiefgelaufen ist: von einer unkontrollierten Kernsanierung vor Vertragsabschluss über schiefe Wände und Silikon-Reparaturversuche bis hin zu einem laufenden Rechtsstreit über 36.000 Euro. Dazu gibt es ehrliche Einblicke in Renovierungsstrategie, Materialwahl und den Off-Market-Vertrieb.

Wenn die Handwerker zu fleißig sind: Kernsanierung vor Kaufpreiszahlung

Einer der bemerkenswertesten Momente in diesem Video ist gleichzeitig einer der lehrreichsten. Johannes hatte beim Notartermin den Schlüssel bekommen, um die Wohnung ein bisschen vorzubereiten: Küche rausziehen, Laminat zusammenlegen, ein bisschen aufräumen. Was daraus wurde, war eine vollständige Kernsanierung, die seine Handwerker in rund vier Stunden erledigten, ohne dass der Kaufpreis überhaupt schon geflossen war.

Das Problem dabei: Die Verkäuferin, eine ältere Dame, hatte noch kein Geld gesehen und wusste von nichts. Innerhalb einer halben Stunde klingelten sämtliche Nachbarn Sturm, sowohl an der Haustür als auch am Telefon. Das Haus verwandelte sich kurzzeitig in eine Art Nachbarschaftsgericht. Die Dame selbst reagierte vergleichsweise gelassen. Johannes rief sie direkt an, erklärte die Situation und überwies eine Anzahlung, damit sie ruhig schlafen konnte. Die Nachbarn hingegen machten deutlich mehr Druck als die eigentlich Betroffene.

Was lehrt das? Kommunikation vor dem ersten Handgriff. Auch wenn du den Schlüssel schon hast, bedeutet das nicht, dass du mit Renovierungsarbeiten loslegen kannst, solange der Kaufpreis noch nicht vollständig geflossen ist und der Übergang offiziell stattgefunden hat. Gerade bei übereifrigen Handwerkern, die schnell und gut arbeiten, aber manchmal auch zu schnell, muss die Absprache glasklare Grenzen setzen.

Rechtsstreit über 36.000 Euro: Schiefe Wände und Silikon als Lösung

Ein weiterer Fall aus der Praxis, der zeigt, dass Bauprobleme nicht immer glimpflich ausgehen: Bei einem Flip wurden neue Wände errichtet, die am Ende schlicht und ergreifend schief waren. Nicht ein bisschen schief, sondern so schief, dass auf kurzer Strecke mehrere Zentimeter Differenz entstanden. Obendrauf versuchte jemand, den Spalt zwischen Türzarge und Wand mit einer ganzen Tube Silikon zu überbrücken.

Das Ergebnis ist ein aktiver Rechtsstreit über 36.000 Euro, den Johannes und sein Team nach eigener Aussage ganz sicher nicht bezahlen werden. Der Fall zeigt: Handwerksmängel, die auf den ersten Blick harmlos wirken oder an schwer sichtbaren Stellen liegen, können teuer werden, wenn man sie nicht rechtzeitig dokumentiert und einfordert. Ein kurzes Foto mit dem Handy, wie es Johannes gemacht hat, kann dabei schon der erste Schritt zur Beweissicherung sein.

Der allgemeine Grundsatz auf jeder Baustelle lautet laut Johannes: Egal wie gut du planst, egal wie viele Zettel du ausdruckst, egal wie detailliert du Fotos schickst und Anweisungen gibst, es wird immer irgendetwas kommen, bei dem du den Kopf schüttelst. Das gehört zum Fix-and-Flip-Geschäft dazu. Wer damit nicht umgehen kann oder will, sollte das früh wissen.

Off-Market-Vertrieb: Warum Bäckerei-Aushänge und Wartelisten oft besser sind als ImmoScout

Neben den Pannen zeigt Johannes auch, wie er Objekte verkauft, und zwar möglichst ohne online zu gehen. Das Prinzip dahinter ist einfach: Wer noch nicht auf ImmoScout ist, hat die stärkere Verhandlungsposition. Interessenten, die über einen Aushang in der Bäckerei, beim großen Arbeitgeber um die Ecke oder über eine interne Warteliste auf das Objekt aufmerksam werden, kommen in einem anderen Modus.

Wenn du auf einem Immobilienportal bist, kommen Interessenten mit Marktvergleichen, Preisdruck und Rabattforderungen. Wenn du noch nicht online bist und das dem Interessenten klar machst, dreht sich die Dynamik um. Der Interessent weiß: Wenn er das Objekt will, muss er jetzt ein Angebot machen. Der Verkäufer muss noch keine großen Zugeständnisse machen.

Konkret setzt Johannes folgende Werkzeuge ein:

  • A4-Aushänge in Bäckereien und bei großen Arbeitgebern in der Nachbarschaft, mit einem Foto und einem Preis
  • Eine Warteliste auf der eigenen Website, über die Interessenten benachrichtigt werden, bevor ein Objekt online geht
  • Direktansprache über das Haus selbst, zum Beispiel wenn Nachbarn oder Mieter im Haus Interesse signalisieren

Ein Beispiel aus dem Video: Eine 60-Quadratmeter-Zweizimmerwohnung, die von einer älteren Dame bewohnt worden war und entsprechend schwierige Zustände hatte, wurde gar nicht erst online gestellt. Die Nachbarin kam rein und fragte, ob sie kaufen könne. 90.000 Euro Bruttogewinn bei einer einzigen Besichtigung und ohne Immobilienportal sprechen für sich.

Wahrgenommener Wert schlägt tatsächlichen Materialpreis

Ein Thema, das Johannes immer wieder anspricht und das im Fix-and-Flip-Bereich extrem relevant ist: der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Wert einer Renovierung und dem, was Käufer wahrnehmen. Diese beiden Dinge sind selten identisch.

Ein konkretes Beispiel aus dem Video ist der Bodenbelag. Wenn du zehn Menschen fragst, ob sie Vinyl oder Parkett bevorzugen, werden fast alle Parkett sagen. Das Holz fühlt sich besser an, es sieht hochwertiger aus, es hat eine andere Wirkung im Raum. Gleichzeitig kostet gutes Vinyl mittlerweile auch 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Der wahrgenommene Unterschied ist größer als der Preisunterschied.

Noch deutlicher wird es beim Fliesenbeispiel: Johannes zeigt zwei verschiedene Badezimmer. Links eine Fliese für 114 Euro, rechts eine Fliese für 35 Euro. Die günstigere Fliese wirkt auf viele Betrachter modern und hochwertig. Die teurere ist objektiv teurer, wird aber nicht zwingend als schöner wahrgenommen. Der Punkt ist: Stil entsteht nicht automatisch durch höheren Preis.

Für Fix-and-Flip bedeutet das: Du musst bei der Renovierung zwei Ebenen im Kopf behalten.

  • Funktion: Was muss technisch einwandfrei sein, was muss dauerhaft halten, was sind Mindeststandards?
  • Emotion: Was löst beim Käufer ein gutes Gefühl aus, was lässt die Wohnung hochwertig wirken, was bringt den Kaufentschluss?

Wer beide Ebenen richtig bespielt, gibt kein Geld für Materialien aus, die niemand sieht oder schätzt, und investiert gezielt dort, wo der wahrgenommene Wert steigt.

Wandqualität: Wann Q3 oder Q4 Sinn ergibt und wann nicht

Ein praktischer Hinweis aus dem Video betrifft die Putzqualität bei Wänden. In München ist eine glatte Wand, also Q3 oder Q4, schlicht Marktstandard. Wer dort eine Wohnung verkauft, muss das liefern. In anderen Regionen, zum Beispiel Nürnberg oder kleineren Städten, ist das anders.

Dort reicht oft eine normale Q2-Wand mit feiner Körnung, die einmal glatt gezogen wird, damit keine groben Steinchen rausstehen. Der Unterschied zur wirklich glatten Wand ist in der Wahrnehmung eines normalen Käufers kaum spürbar. Der Kostenunterschied auf der Baustelle ist dagegen deutlich. Wer in jeder Wohnung immer alles auf Q4 bringt, ohne den Markt zu kennen, versenkt Geld.

Dazu gibt Johannes einen praktischen Rechentrick für die Kostenschätzung: Die Wohnfläche in Quadratmetern mit dem Faktor 3,75 bis 3,8 multiplizieren, um eine grobe Schätzung der gesamten Wand- und Deckenfläche zu bekommen. Diesen Wert kannst du dann direkt an Verputzer oder Maler weitergeben, um eine erste realistische Kosteneinschätzung zu erhalten.

Was 20 Minuten vor der Besichtigung schiefgehen kann

Kurz vor einer Besichtigung hatte jemand auf der Baustelle die Heizung aufgedreht. Der Heizkörper war zu dem Zeitpunkt bereits ausgebaut. Was herauskam, beschreibt Johannes so, dass man es sich vorstellen kann. Die Wand sah aus, als hätte jemand dort eine Katastrophe hinterlassen. Zwanzig Minuten vor der Besichtigung.

Was machst du in so einem Moment? Du erklärst es dem Interessenten, du streichst es danach über. Du nimmst es als das, was es ist: ein Problem, das passiert ist, und das du löst. Vollständige Schadensvermeidung ist auf einer aktiven Baustelle schlicht nicht möglich. Wer im Fix-and-Flip unterwegs ist, braucht die Fähigkeit, solche Situationen ruhig zu managen, ohne den Kopf zu verlieren oder den Interessenten zu verlieren.

Fazit: Fix and Flip ist kein reibungsloser Prozess

Das Video ist eine ehrliche Bestandsaufnahme davon, was im Immobilien-Flip-Geschäft passiert, wenn man nicht mehr auf dem Papier plant, sondern tatsächlich auf der Baustelle steht. Ungeplante Kernsanierungen, Nachbarschaftsdrama, schiefe Wände, laufende Rechtsstreitigkeiten, Wasserprobleme kurz vor der Besichtigung: Das alles ist kein Ausnahmefall. Es ist der Alltag.

Gleichzeitig zeigt das Video, dass man mit dem richtigen Einkauf, einer klaren Renovierungsstrategie und einem cleveren Off-Market-Vertrieb trotzdem sehr gute Ergebnisse erzielen kann. 90.000 Euro Bruttogewinn bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung, die nie online war und von einer einzigen Nachbarin gekauft wurde, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von vier Jahren Erfahrung, einem eingespielten Team und dem Mut, auch in Wohnungen zu gehen, die andere meiden.

Wer selbst Fix and Flip umsetzen will, sollte sich von den Pannen in diesem Video nicht abschrecken lassen, sondern sie als Lernmaterial sehen. Informationen hat heute jeder. Was fehlt, ist der Schritt ins Handeln.