FlippɘrNews (13.08.2026) - Baupreise, Zinsen und Wärmepumpen
Der Markt dreht sich – auf zwei Ebenen gleichzeitig
Kaufpreise ziehen moderat an, Bau- und Renovierungskosten aber deutlich schneller. Das drückt die Marge, wenn man nicht sauber einkauft. Hier sind die wichtigsten Entwicklungen, die du für dein nächstes Projekt auf dem Schirm haben solltest.
Markt & Preise
Finanzamt schätzt geerbte Immobilien oft zu hoch: So wehrst du dich
Wer eine sanierungsbedürftige Immobilie erbt, erlebt manchmal eine böse Überraschung: Das Finanzamt greift bei der Bewertung auf ältere Vergleichsdaten zurück und setzt den Steuerwert weit über den realen Marktwert. Renovierungsbedarf wird dabei oft schlicht ignoriert. Nach Bekanntgabe des Bescheids bleibt ein Monat für den Einspruch.
Ein Verkehrswertgutachten eines vereidigten Sachverständigen kostet zwar 0,5 bis 1,5 Prozent des ermittelten Marktwerts, kann aber Tausende Euro Erbschaftsteuer sparen. Der BFH hatte zuletzt klargestellt, dass externe Verkehrswertgutachten die Finanzamt-Bewertung ersetzen können. Ein Kurzgutachten eines Maklers hilft dabei, den Steuerwert vorab einzuschätzen.
Für Flipper relevant: Das gilt natürlich auch dann, wenn ihr selbst erbt oder als Tippgeber handelt. Besonders bei sanierungsbedürftigen Häusern unterschätzen Standardverfahren den Abschlag regelmäßig.
Quelle: immowelt impuls
Angebotsmieten: Köln und Hamburg ziehen an, das Bild wird uneinheitlicher
Die Angebotsmieten in deutschen Städten haben im zweiten Quartal 2026 meist nur noch leicht zugelegt. Abseits der Metropolen gibt es jedoch Ausnahmen nach oben. In einigen Großstädten legen die Mieten stark zu, während sie in anderen schon wieder sinken.
Für den Flip ist das relevant: Steigende Mieten in einer Region bedeuten, dass Käufer dort bereit sind, mehr zu zahlen. Wer verkauft, sollte genau prüfen, wohin der lokale Mietmarkt zeigt.
Quelle: Handelsblatt
Renovierung & Bau
Wärmepumpe überholt Gasheizung: Was das für deine Kalkulation bedeutet
Frische Zahlen vom BDH: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 352.000 Heizungen verkauft – 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Bemerkenswerte: Erstmals wurden mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft.
- 194.500 Wärmepumpen – Plus 40 Prozent gegenüber Vorjahr
- 134.000 Gasthermen – Plus nur 1 Prozent gegenüber Vorjahr
Für Fix & Flip heißt das: Wer beim nächsten Objekt in eine Wärmepumpe investiert, kauft nicht nur Energieeffizienz, sondern auch Marktfähigkeit. Käufer fragen gezielt danach. Das GModG schafft jetzt den klaren Rechtsrahmen, auf den viele gewartet haben.
Quelle: si-shk.de / BDH
Baupreise Mai 2026: Plus 5 Prozent – Realität, nicht Prognose
Die aktuellsten Destatis-Daten (Berichtsmonat Mai 2026) zeigen: Die Baupreise für konventionell gefertigte Wohngebäude sind um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist deutlich mehr als die BBSR-Prognose von 2,7 Prozent für das Gesamtjahr. Seit Februar 2026 legten die Baupreise nochmals um 2,4 Prozent zu.
Für Flipper besonders hart: Ausbauarbeiten verteuern sich überproportional.
- Elektro- und Sicherheitstechnik: über 5 Prozent teurer
- Heizanlagen: über 4 Prozent teurer
- Instandhaltungsarbeiten: 4,1 Prozent teurer als im Vorjahr
Kurzum: Wer heute ein Objekt kalkuliert, braucht aktuelle Handwerkerpreise und darf sich nicht auf Zahlen aus dem letzten Halbjahr verlassen.
Quelle: Destatis
Finanzen, Recht & Steuern
Bauzinsen August 2026: Knapp unter 4 %, September bleibt der Gradmesser
Die Bauzinsen zeigen sich im August auf erhöhtem Niveau stabil. Der Topzins für 10-jährige Darlehen liegt bei rund 3,70 bis 3,93 Prozent effektiv, der Bundesbank-Marktdurchschnitt lag Ende Juli bei 3,74 Prozent.
Seit Beginn des Iran-Krieges stiegen die Zinsen um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte. Im Juli legten sie nochmals 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte zu. Laut Dr. Klein erscheint ein Rückfall unter 3,5 Prozent bis Ende August unwahrscheinlich – aber auch ein Sprung deutlich über 4 Prozent wäre nur bei weiterer Eskalation der Lage im Nahen Osten zu erwarten.
Die nächste EZB-Sitzung am 10. September wird zum entscheidenden Moment. Wer ein konkretes Objekt in der Pipeline hat, sichert jetzt ab. Wer noch sucht, bleibt entspannt und kalkuliert konservativ.
Fazit
Der Markt dreht sich auf zwei Ebenen gleichzeitig: Kaufpreise steigen moderat, Bau- und Renovierungskosten aber deutlich schneller. Wer jetzt ein Objekt kalkuliert, sollte Baupreise aus dem Mai 2026 als Basis nehmen – nicht die aus dem letzten Herbst.
Die Finanzierungsseite bleibt das zweite Nadelöhr. Knapp unter 4 Prozent klingt stabil, aber September steht vor der Tür und die EZB lässt sich alle Optionen offen. Konditionen vergleichen, Angebote zeitnah sichern – und konservativ kalkulieren.