Das machen wir nicht (eigentlich): Küche einbauen beim Fix and Flip
Küche einbauen beim Fix and Flip, das ist eigentlich nicht unser Job. In diesem Video zeigt Johannes an einem konkreten abgeschlossenen Projekt, warum er trotzdem eine Küche aufgebaut hat, wie der Aufbau abgelaufen ist und warum die Entscheidung am Ende für alle Beteiligten die richtige war.
Warum haben wir überhaupt eine Küche eingebaut?
Beim Fix and Flip ist die Sache eigentlich klar: Du renovierst, du verkaufst, du bist raus. Was nach dem Notartermin passiert, ist grundsätzlich nicht dein Problem, abgesehen von der gesetzlichen Gewährleistung. Eine Küche zu kaufen, zu liefern und aufzubauen gehört normalerweise nicht zum Leistungsumfang eines Flippers.
In diesem konkreten Fall war die Situation aber eine andere. Der neue Besitzer hatte sich seinen Küchenlieferanten selbst ausgesucht, doch es gab Lieferengpässe beim Zulieferer. Das bedeutete: Die Küche wäre nicht rechtzeitig geliefert worden, der Einzug hätte sich verzögert, und der Aufbauprozess allein hätte noch mal rund einen Monat in Anspruch genommen, weil kein Handwerker kurzfristig Zeit gehabt hätte. Das ist zwar streng genommen nicht das Problem des Verkäufers, aber es war ein Problem, das man mit etwas Pragmatismus lösen konnte.
Die Lösung war eine saubere Verhandlung: Der Käufer kauft die Küche selbst, Johannes begleitet ihn zur Konfiguration im Küchenhaus, damit das Modell auch optisch zur bereits fertig renovierten Wohnung passt. Im Gegenzug übernimmt das Flipper-Team Lieferung und Montage, stellt dafür eine Rechnung und der neue Besitzer kann deutlich früher einziehen. Mehrere Probleme auf einmal gelöst, und alle Seiten profitieren davon.
Voraussetzung: Das passende Gewerk muss angemeldet sein
Wer so etwas plant, muss einen wichtigen Punkt im Kopf haben: Du kannst Montagearbeiten nicht einfach so in Rechnung stellen, wenn du dafür kein entsprechendes Gewerk angemeldet hast. Im Fall von Johannes war das kein Problem, weil sein Vater einen Montageservice betreibt. Damit war die rechtliche Grundlage gegeben, die Arbeit offiziell abzurechnen.
Wenn du als Flipper ähnliche Zusatzleistungen anbieten möchtest, prüf vorher genau, was du gewerblich anmelden musst. Das klingt bürokratisch, ist aber elementar, damit dir das Finanzamt oder Handwerkskammer später keine Probleme machen.
Wie lief der Küchenaufbau konkret ab?
Die Küche selbst war vom Design her überschaubar: eine weiße L-Form, eingebaut in eine Nische mit den Maßen 280 x 170 cm. Dazu drei Oberschränke und eine innenliegende Dunstabzugshaube. Klingt simpel, und im Vergleich zu einer komplexen Einbauküche ist es das auch. Trotzdem steckt in einem solchen Aufbau mehr Arbeit als viele denken.
Der Ablauf war folgender:
- Zuerst wurden vorhandene Elemente ausgebaut und die Nische vorbereitet.
- Dann wurden die Unterschränke von rechts nach links gesetzt, auf Level gebracht und fest verschraubt.
- Anschließend kam die Arbeitsplatte, die aufgelegt und ausgerichtet wurde.
- Der anspruchsvollste Schritt: Die Platte musste für das Cerankochfeld und das Waschbecken ausgesägt werden. Diese Ausschnitte sind nicht ab Werk vorhanden, sondern müssen vor Ort mit einer Stichsäge exakt angezeichnet und ausgeschnitten werden.
- Dann folgten die Oberschränke, bei denen besonders auf die Rückwandhöhe geachtet werden musste. Die Oberschränke sollten idealerweise knapp oberhalb der Arbeitsplatte beginnen, mit nur minimalem Abstand, was ein sauberes Aufmessen von unten nach oben erfordert.
- Zum Abschluss wurde alles verfugt und am nächsten Tag vom Sanitär geprüft, der die Anschlüsse abnahm und weitere Arbeiten in der Wohnung erledigte.
Werkzeug, das dabei unverzichtbar ist: Meterstab, Laser, Bleistift und Wasserwaage. Wer handwerkliches Grundverständnis mitbringt und keine zwei linken Hände hat, kann so einen Aufbau meistern. Der Aufwand lag in diesem Fall bei rund eineinhalb bis zwei Tagen, weil man sich die Zeit genommen hat, sich vorher genau einzulesen. Ein geübtes Zweier-Team macht dasselbe wahrscheinlich in unter acht Stunden.
Qualität vor Geschwindigkeit
Ein Grundsatz, den Johannes hier nochmal unterstreicht: Je schneller man etwas tun will, das man nicht vollständig beherrscht, desto mehr Fehler passieren. Lieber einen halben Tag länger planen und alles beim ersten Mal richtig machen, als nachher mit Gewährleistungsansprüchen konfrontiert werden oder Dinge nochmal aufmachen müssen.
Das gilt nicht nur beim Küchenaufbau, sondern ist eine Grundhaltung, die beim Flippen generell zählt. Handwerker, die im Akkord arbeiten, ohne auf Details zu achten, kosten am Ende mehr als sie einsparen. Das zieht sich durch jedes Gewerk, von der Bodenverlegung bis eben zum Küchenaufbau.
Das Ergebnis und der persönliche Blickwinkel
Optisch war die Küche nicht Johannes' erste Wahl. Die Eichenplatte im Rückenbereich ist Geschmackssache, und er gibt offen zu, dass er sich das selbst wahrscheinlich anders ausgesucht hätte. Aber: Das Ergebnis ist gut. Die Küche passt in die Nische, der neue Besitzer war zufrieden, und die Wohnung wirkt als Gesamtbild stimmig.
Was er aber auch anspricht: Solche handwerklichen Arbeiten tun ihm gut. Wer Vollzeit flippt, kennt den Alltag. Es gibt E-Mails, Papierkram, Abstimmungen, Notartermine, Banken, Steuerberater, und man ist ständig in einer Hochfrequenzumgebung. Mal einen Podcast reinzuwerfen und anderthalb Tage eine Küche aufzubauen, das ist eine Art Entschleunigung, die er bewusst schätzt.
Das ist kein Widerspruch zum professionellen Flippen, sondern eher ein ehrlicher Einblick in das, was den Alltag ausmacht und was dabei hilft, langfristig die Energie zu halten.
Win-win-win: So sollte Flippen funktionieren
Der wichtigste Gedanke, den Johannes aus diesem Beispiel mitnimmt, ist das Prinzip des dreifachen Gewinns. Der Käufer konnte früher einziehen und hat eine fertig eingebaute Küche. Das Flipper-Team hat eine sinnvolle Zusatzleistung erbracht und dafür eine Rechnung gestellt. Und alle Beteiligten konnten die Übergabe mit einem guten Gefühl abschließen.
Flippen bedeutet nicht, den Käufer mit möglichst wenig Aufwand abzuspeisen und dann möglichst schnell zu verschwinden. Wer ein gutes Netzwerk, die richtigen Gewerke und handwerkliches Geschick mitbringt, kann solche Situationen als Chance sehen, echten Mehrwert zu schaffen und dabei auch wirtschaftlich zu profitieren. Das ist kein Widerspruch, das ist gutes Unternehmertum.
Wenn du verstehen willst, wie ein kompletter Flip von A bis Z funktioniert, also von der Objektsuche über die Kalkulation bis zum Verkauf, dann schau dir die weiteren Videos auf dem Kanal an oder informiere dich über die Live-Seminare von Flipper Immo.