Diese Tools brauchst du für Fix & Flip!
Wer mit Fix and Flip startet, denkt zuerst an Objekte, Renovierungskosten und Rendite. Dabei ist das richtige Setup aus digitalen und analogen Tools genauso wichtig wie die Immobilie selbst. In diesem Video erklärt Johannes, welche Tools er wirklich für seinen Fix-and-Flip-Trichter nutzt, was davon kostenlos ist und was ein echter Gamechanger auf der Baustelle war.
Nur zwei Dinge brauchst du wirklich am Anfang
Das Setup für Fix and Flip ist weniger komplex, als viele denken. Im Kern reichen am Anfang zwei Dinge: eine E-Mail-Adresse und ein Handy. Alles andere ist nützlich, aber kein Muss für den Start.
Zur E-Mail: Leg dir eine separate Adresse an, die du ausschließlich für Immobilienthemen nutzt. Es muss keine schicke Business-Adresse sein, einfach dein Name oder deine Initialen reichen. Der Grund ist simpel: Du willst, dass Maklerkommunikation, Suchaufträge und Angebotsanfragen nicht zwischen Amazon-Bestellungen und privaten Mails verschwinden. Eine saubere Trennung hilft dir, den Überblick zu behalten und professioneller zu wirken.
Was du außerdem mit dieser Mailadresse tun solltest: den Morning Briefing Newsletter von Immo World abonnieren. Kurz, knackig, täglich. Dazu Handelsblatt und die Immobilienzeitung im Blick behalten. So weißt du, was gerade im Immobilienmarkt Deutschland passiert, was die EZB macht und kannst mit Maklern auf Augenhöhe smalltalken. Das wird unterschätzt.
Eine zweite Handynummer brauchst du nicht. In der Praxis vermischen sich die Nummern sowieso, weil du irgendwann aus Versehen vom falschen Gerät schreibst. Die meisten erfahrenen Fix-and-Flip-Investoren laufen nur mit einer Nummer.
Kostenlose digitale Tools, die du sofort nutzen kannst
Beim digitalen Setup hält sich der Aufwand in Grenzen. Die folgenden Tools kosten nichts und sind sofort einsatzbereit:
- ImmoScout24-App und ähnliche Plattformen: Pflicht für die Objektsuche. Richte Suchaufträge ein und lass dich bei neuen Angeboten benachrichtigen.
- Dropbox oder Google Drive: Für die zentrale Ablage aller Exposés, Kalkulationen und Dokumente rund um deine Objekte. Johannes ist großer Fan davon, alles an einem Ort zu haben.
- Chrome Extension "Rote Kapsel": Ein echtes Geheimtipp-Tool, das direkt im Browser auf ImmoScout und Immo Welt funktioniert. Sobald du ein Inserat öffnest, zeigt dir eine kleine rote Markierung die komplette Preishistorie des Objekts. War es schon früher inseriert? Wie oft? Wurde der Preis reduziert? Das sind Informationen, die dich beim Verhandeln in eine deutlich stärkere Position bringen. Kostet nichts, ist im Chrome Browser als Extension verfügbar.
Besonders die Rote Kapsel ist ein Tool, das viele Fix-and-Flip-Einsteiger nicht kennen. Wenn du siehst, dass ein Objekt schon fünfmal inseriert war und der Preis bereits zweimal gesenkt wurde, weißt du, dass der Verkäufer unter Druck steht. Das ist wertvolle Information, bevor du auch nur einen Anruf machst.
Der digitale Akquise-Trichter mit Trello
Der wichtigste Teil des digitalen Setups ist ein funktionierender Akquise-Funnel. Johannes nennt es "Online-Akquise 2.0" und baut ihn mit Trello nach, einem kostenlosen Tool, das Aufgaben in Spalten organisiert. Alternativ funktionieren auch Asana oder Notion genauso gut.
Der Trichter besteht aus diesen Spalten:
- Objekte angefragt
- Besichtigung geplant
- Angebot abgegeben
- Follow-up
- Ankauf
- Papierkorb
- Verkauft
Jedes Objekt wird als Karte angelegt und wandert durch diese Spalten. Und hier wird das System richtig stark: Du kannst automatische Regeln hinterlegen. Sobald du eine Karte in die Spalte "Angebot abgegeben" verschiebst, setzt das System automatisch eine Erinnerung nach 48 Stunden: nochmal anrufen, nachfassen. Landet ein Deal im Follow-up, weil der Verkäufer nicht sofort zusagt, erinnert dich das System alle zwei Wochen daran, nachzufragen.
Das klingt simpel, ist aber in der Praxis ein riesiger Vorteil. Wer gleichzeitig 20 bis 30 Objekte im Blick hat, verliert ohne ein solches System den Überblick, wer was gesagt hat, welcher Makler auf welches Angebot gewartet hat und wann der letzte Kontakt war.
In jeder Karte selbst hält Johannes folgende Informationen fest:
- Den Inserat-Titel von ImmoScout als Überschrift
- Den Link zum Exposé
- Zusätzlich ein PDF des Exposés, weil der Link nach wenigen Tagen oft nicht mehr funktioniert, sobald die Anzeige offline geht
- Seine eigene Bewertung des Objekts
- Im Kommentarfeld eine chronologische Historie: wann hat er mit wem telefoniert, welche Infos wurden genannt, welches inoffizielle Kaufpreisangebot wurde am Telefon erwähnt
Dieses Kommentarfeld dient also als internes Gesprächsprotokoll. Wer hinter dem Verkauf steckt, ob es eine Erbengemeinschaft ist, wie viele Personen beteiligt sind. All diese Details sind entscheidend, wenn du Monate später nochmal nachfasst.
Offline-Tools für die Baustelle
Neben den digitalen Helfern gibt es drei analoge Tools, die sich in der Praxis bewährt haben:
- Lasermessgerät: Kostet rund 60 Euro und spart dir bei jeder Besichtigung Zeit. Flächen abmessen, Raumgrößen prüfen, Renovierungsaufwand einschätzen. Pflicht.
- Feuchtigkeitsmesser: Optional, aber sinnvoll. Besonders wenn ein Keller modrig riecht oder Wände verdächtig aussehen, ist ein kurzes Nachmessen wertvoll. Wichtig: Nicht wie ein Gutachter durch jede Ecke laufen und an jede Wand tippen. Das wirkt unprofessionell und nervt Makler. Gezielt einsetzen, wenn es konkrete Hinweise gibt.
- Schlüsselbox: Das ist laut Johannes der unterschätzte Gamechanger, den er viel zu spät entdeckt hat. Auf jeder Baustelle gibt es das Problem mit dem Schlüssel. Handwerker nehmen ihn mit nach Hause, verlieren ihn, der nächste Gewerk kann nicht rein. Eine Schlüsselbox wie bei Airbnb, an einem diskreten Ort angebracht, löst dieses Problem dauerhaft. Einmal den Baustellenschlüssel rein, Code an alle Beteiligten per WhatsApp schicken, fertig. Der Elektriker kann morgens rein, der Banker kann sich die Wohnung ansehen, ohne dass du dabei sein musst. Kostet etwa 14 Euro und spart auf jeder Baustelle bares Geld durch vermiedene Leerfahrten.
Leverage: die All-in-one-Plattform für Immobilieninvestoren
Johannes hat sein eigenes Startup vorgestellt: Leverage, inkorporiert in Dresden, mit dem Ziel, für die Immobilienbranche das zu tun, was Trade Republic für die Aktienwelt getan hat. Eine Plattform, die alles bündelt, was Immobilieninvestoren sonst auf acht verschiedenen Tools erledigen müssen.
Was Leverage kann:
- Objektsuche: Ähnlich wie Portale, aber direkt integriert. Objekte lassen sich per Klick anlegen, entweder als Buy-and-Hold oder als Fix-and-Flip-Objekt.
- Automatische Kalkulation: Ein Klick auf ein Objekt, und Leverage baut dir eine vollständige Kalkulation mit Renovierungskosten (per Schieberegler einstellbar), Finanzierung und KI-gestützter Bewertung.
- Professionelle Gutachten: Du kannst direkt in der Plattform eine echte Bewertung kaufen, gespeist aus Daten von Price Hubble oder Sprengnetter. Inklusive Energieklassen-Ausweisung, für 30 bis 60 Euro je nach Paket. Das ist ein Format, das auch Banken akzeptieren.
- Teilen mit der Bank: Deine Kalkulation kannst du per Link teilen. Die Bank kann sie einsehen, aber nicht verändern und muss sich nirgendwo einloggen. Banken dürfen in der Regel nicht auf private Cloud-Laufwerke wie Dropbox oder Google Drive zugreifen, dieses Problem umgeht Leverage elegant.
- PDF-Import: Ein Exposé als PDF von der Sparkasse oder vom Makler? Einfach in Leverage hochladen, und das System baut dir automatisch die vollständige Kalkulation daraus.
Dazu gibt es eine Chrome Extension namens Levi, die auf allen gängigen Plattformen wie ImmoScout oder Kleinanzeigen funktioniert. Rechts oben erscheint ein kleines Symbol, du klickst drauf, und das Objekt wird sofort komplett durchkalkuliert. Wer tiefer einsteigen will, übernimmt die Daten direkt in Leverage.
Zum Zeitpunkt des Videos hatte Leverage rund 450 Nutzer, war zu dritt gebaut worden, ohne externe Investoren, und wurde als Fintech des Jahres ausgezeichnet. Der technische Hauptgründer Christoph hat zuvor bereits ein Startup mit dreistelligem Millionenvolumen aufgebaut. Das erklärt, warum das Produkt trotz minimalem Budget schon so weit ist.
Fazit: Wenig Tools, klares System
Du brauchst für Fix and Flip kein kompliziertes Setup. Eine saubere E-Mail, ein Handy, die Rote Kapsel im Browser, Trello als digitaler Akquise-Trichter, eine Schlüsselbox für die Baustelle und ein Lasermessgerät. Das reicht für den Anfang vollständig aus. Wer tiefer kalkulieren und professioneller auftreten will, schaut sich Leverage an. Der entscheidende Punkt ist nicht, welches Tool du nutzt, sondern dass du überhaupt ein System hast, das für dich mitdenkt, dich an Follow-ups erinnert und dir bei 20 parallelen Objekten den Überblick bewahrt.