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Elektro-Planung für Anfänger | Was macht Sinn? Wie gehen wir vor in unserer Wohnung?

Elektrik auf der Baustelle planen, ohne selbst Elektriker zu sein: In dieser Folge nimmt dich Johannes direkt vom Flieger auf die Baustelle mit und zeigt, wie er gemeinsam mit seinem Elektriker die gesamte Elektroplanung für eine Flip-Wohnung durchgeht. Im Mittelpunkt steht dabei eine einfache Frage: Wie machst du das möglichst clever, effizient und kostengünstig, ohne überall unnötig in Wände zu schlitzen?

Warum du die Elektroplanung selbst verstehen solltest

Viele Immobilieninvestoren beauftragen einen Generalunternehmer oder eine Elektrofirma und haben danach mit dem Thema nichts mehr zu tun. Das klingt bequem, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Wer keine Ahnung von Elektrik hat, kann auch nicht einschätzen, ob ein Angebot fair ist oder ob unnötige Arbeiten in Rechnung gestellt werden.

Johannes betont das im Video klar: Er selbst geht nie an die Elektroinstallation ran, das übernimmt immer ein Fachmann. Aber er ist bei jedem Elektriker-Termin dabei, stellt Fragen und lässt sich erklären, was gemacht wird und warum. Das schützt vor überteuerten Angeboten und gibt dir als Investor die Kontrolle über dein Projekt zurück.

Gerade beim Fix and Flip, wo jede eingesparte Stunde Handwerkerzeit direkt auf deinen Gewinn einzahlt, lohnt es sich, die Grundlagen der Elektroplanung zu kennen. Du musst kein Elektriker werden, aber du solltest verstehen, welche Arbeiten wirklich notwendig sind und welche sich durch clevere Planung vermeiden lassen.

Aktuelle Lage auf dem Elektriker-Markt

Der Elektriker auf der Baustelle hat Johannes auf eine wichtige Entwicklung hingewiesen, die Investoren kennen sollten:

  • FI-Schalter sind knapp. Laut dem Elektriker sind FI-Schalter aktuell kaum noch auf dem Markt erhältlich. Wer plant, eine Wohnung zu renovieren, sollte das frühzeitig einkalkulieren und Materialien rechtzeitig bestellen.
  • Preise haben sich verdoppelt. Die Einkaufspreise für Elektromaterial haben sich für viele Elektriker ungefähr verdoppelt. Das schlägt sich entsprechend in den Angeboten nieder, die du als Auftraggeber bekommst.
  • LED-Spots dominieren. Es werden deutlich mehr Spots und LED-Streifen verbaut als früher. Die klassische Elektroinstallation bleibt aber im Kern weitgehend unverändert.

Diese Marktlage macht es umso wichtiger, die Planung effizient anzugehen und nicht unnötige Zusatzarbeiten zu beauftragen.

Lichtschalter versetzen: Trockenbauwand als smarte Lösung

In der Wohnung wurde eine Tür versetzt. Das hat eine direkte Konsequenz: Der alte Lichtschalter sitzt jetzt an der falschen Stelle. Wer durch eine Tür reinkommt und den Schalter erst suchen muss, empfindet das als unbequem, und das kommt beim späteren Käufer oder Mieter schlecht an.

Die Lösung ist in diesem Fall denkbar einfach: An der neuen Türposition wird sowieso eine Trockenbauwand eingezogen, um die entstandene Lücke zu schließen. In diese neue Wand lässt sich die Elektro problemlos einplanen, ohne eine einzige Schlitzfräse anzusetzen. Die Kabel laufen durch die Trockenbaukonstruktion, die neue Dose sitzt genau dort, wo sie gebraucht wird.

Das ist das zentrale Prinzip, das sich durch die gesamte Planung zieht: Neue Wände sind Gold wert. Überall dort, wo du sowieso baust, kannst du Elektro günstig und sauber integrieren. Das Schlitzen in Bestandswände dagegen kostet Zeit, Geld und erzeugt Dreck und Mehrarbeit beim Verputzen.

Raum teilen, Licht neu denken

Ein großer Raum wird durch eine neue Wand in zwei separate Bereiche aufgeteilt. Das klingt erst mal simpel, hat aber direkte Auswirkungen auf die Elektrik: Der ursprüngliche Lichtschalter hat den gesamten Raum bedient. Jetzt brauchen beide Bereiche jeweils eine eigene Lösung.

Die Vorgehensweise hier:

  • Von der vorhandenen alten Lampenleitung wird durch die Decke in die neue Trockenbauwand gefahren.
  • In der neuen Wand kommen frische Lichtschalter direkt neben der Tür an, damit man das Licht beim Betreten des Raums sofort erreicht.
  • Zusätzlich werden Wandstrahler in die neue Wand integriert, um die Seite des neuen Flurbereichs sauber zu beleuchten.

Auch hier gilt: Die neue Wand macht es möglich, die Elektro ohne große Eingriffe in den Bestand zu verlegen. Wer stattdessen versuchen würde, alles über die Betonwand zu lösen, würde deutlich mehr Aufwand produzieren für das gleiche Ergebnis.

Aufputz-Steckdosen loswerden, ohne zu schlitzen

In der Wohnung gibt es noch Aufputz-Steckdosen und einen Aufputz-Fernsehanschluss, also Installationen, die aus der Wand herausstehen statt bündig eingebaut zu sein. Das war früher gängige Praxis, wirkt heute aber unfertig und billig. Für eine Flip-Wohnung, die optisch überzeugen soll, ist das keine Option.

Das Problem: Diese Anschlüsse in ordentliche Unterputz-Installationen umzuwandeln würde normalerweise bedeuten, in Bestandswände zu schlitzen. Das vermeidet Johannes, indem er die Elektro in die sowieso neu entstehende Wand verlagert:

  • In der neuen Trockenbauwand wird eine dreifache Unterputzdose eingebaut, zweimal Steckdose, einmal Fernsehanschluss beziehungsweise Internetanschluss.
  • Die alte Aufputz-Steckdose im hinteren Bereich wird mit der neuen Antennendose verbunden, indem das Kabel unter dem Parkettboden entlang geführt wird. Kein Schlitz, kein Aufwand, das Kabel verschwindet beim Verlegen des neuen Bodens.

Das Ergebnis: Die Wohnung sieht sauber aus, alle Anschlüsse sind ordentlich unterputz verbaut, und der Aufwand dafür ist minimal.

Küche planen ohne eingebaute Küche

Eine besondere Herausforderung beim Flip ist die Küche, wenn du keine fertige Einbauküche mitlieferst. Du musst trotzdem die Elektrik so vorbereiten, dass ein späterer Käufer oder Mieter seine Küche sinnvoll einrichten kann. Das erfordert etwas Vorstellungsvermögen: Wo wird der Herd stehen? Wo der Kühlschrank? Wo braucht man Steckdosen?

In diesem Fall hilft wieder die bauliche Situation: Es gibt eine abgehängte Decke, und eine neue Wand entsteht sowieso. Vom Verteilerkasten wird in die abgehängte Decke hochgefahren, dort können Leitungen und Trafos versteckt werden. Von der Decke geht es in die neue Wand runter. So entsteht eine sauber integrierte Steckdosen- und Schaltergruppe genau dort, wo man sie beim Betreten der Küche erwartet.

Auch der Thermostat für die Fußbodenheizung wird in diese neue Wand integriert, direkt im Eingangsbereich der Küche, praktisch und optisch sauber gelöst.

Wann auf einen Komfortschalter verzichten und wann nicht

Im Wohnzimmer wäre es schön gewesen, einen Lichtschalter direkt neben dem Eingang zu haben. Komfortabel, logisch, praktisch. Aber dafür hätte man eine Bestandswand komplett schlitzen müssen, Kabel verlegen, verputzen, streichen. Der Aufwand steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen.

Johannes macht das im Video transparent: Er sieht den Aufwand, rechnet ihn gegen den Gewinn und entscheidet sich dagegen. Ein Schalter etwas weiter weg im Raum erfüllt denselben Zweck. Niemand, der die Wohnung kauft oder mietet, wird das als wesentlichen Nachteil empfinden. Was als Nachteil sehr wohl wahrgenommen wird: ein überhöhter Kaufpreis oder eine schlechtere Ausstattung an anderen, wichtigeren Stellen.

Diese Denke ist zentral für das Fix-and-Flip-Modell: Nicht jede Verbesserung, die technisch möglich ist, lohnt sich auch wirtschaftlich. Du musst lernen, zu unterscheiden, wo eine Investition in Qualität und Komfort den Verkaufspreis oder die Vermietbarkeit tatsächlich verbessert, und wo sie einfach nur Geld kostet, ohne etwas zurückzugeben.

LED-Streifen in der abgehängten Decke: das I-Tüpfelchen

Ein Highlight der Planung sind die LED-Leisten in der abgehängten Decke des Wohnzimmers. Die Funktionsweise ist dabei einfacher als viele denken:

  • Eine abgehängte Decke hat eine Unterkonstruktion aus Aluprofilen.
  • In diese Profile wird die LED-Schiene eingesetzt, bevor die Trockenbauplatten befestigt werden.
  • Die Platten werden dann links und rechts der Schiene eingepasst. Die Schiene sitzt also immer vor den Platten da, nicht umgekehrt.

Das LED-Licht selbst wird so geplant, dass es an der Decke beginnt, ungefähr zwei Drittel des Raums entlang läuft, dann einen Knick macht und an der Wand herunterführt, bis etwa auf Brusthöhe. Kein symmetrischer Abschluss auf halber Wandhöhe, sondern ein bewusstes Designelement bei etwa 60 Prozent der Wandhöhe.

Das wirkt, ohne viel zu kosten. Die Gesamtkosten für LED-Streifen, Schiene und Einbau liegen im Bereich einiger hundert Euro, vielleicht etwas mehr. Dafür entsteht ein Raumeindruck, den die meisten Bestandswohnungen in vergleichbarer Lage nicht bieten. Genau das ist der Punkt beim Flip: Mit überschaubarem Zusatzaufwand ein Ergebnis schaffen, das aus der Masse heraussticht, besonders dann, wenn der Markt schwieriger wird und Käufer wählerischer sind.

Was du als Investor aus dieser Planung mitnehmen kannst

Die Elektroplanung in dieser Flip-Wohnung folgt einem klaren Grundprinzip, das du auf jedes deiner Projekte übertragen kannst:

  • Nutze neue Wände und abgehängte Decken für die Elektroführung. Dort sparst du dir das Schlitzen in Bestandswände komplett.
  • Verlege Kabel unter dem neuen Bodenbelag, wenn es sich anbietet. Das ist oft die einfachste und günstigste Lösung, um zwei Punkte zu verbinden.
  • Verzichte auf Aufputz-Installationen. Sie sind optisch ein Rückschritt und lassen sich in den meisten Fällen mit minimalem Aufwand durch saubere Unterputz-Lösungen ersetzen.
  • Sei dabei, wenn der Elektriker kommt. Lass dir alles erklären, stell Fragen, versteh die Planung. Das schützt vor überteuerten Angeboten und gibt dir Kontrolle.
  • Rechne Aufwand gegen Nutzen. Nicht jede technisch mögliche Verbesserung ist wirtschaftlich sinnvoll. Entscheide bewusst, wo du Geld investierst und wo nicht.
  • Plane frühzeitig und bestelle Material rechtzeitig, gerade bei knappen Komponenten wie FI-Schaltern.

Elektrik ist eines der Themen, bei dem Investoren am häufigsten zu viel bezahlen, weil sie nicht wissen, was wirklich nötig ist. Wer die Grundlagen kennt, kann besser einschätzen, was ein Elektriker vorschlägt, und gezielt nachfragen, wenn etwas unnötig aufwendig geplant wirkt. Das ist kein Misstrauen gegenüber dem Handwerker, sondern einfach professionelles Projektmanagement.