Elektro-Planung für Anfänger | Was macht Sinn? Wie gehen wir vor in unserer Wohnung?
Elektrik auf der Baustelle kostet Zeit und Geld, und wer dabei nicht clever vorgeht, verbrennt beides unnötig. In dieser Folge zeigt Johannes direkt vor Ort, wie er gemeinsam mit seinem Elektriker die Elektroplanung für eine Flip-Wohnung durchgeht, wo sich Schlitzen lohnt und wo nicht, und wie man neue Wände und abgehängte Decken geschickt nutzt, um Leitungen günstig zu verlegen. Dazu gibt es einen ersten Ausblick auf das geplante LED-Lichtkonzept im Wohnzimmer.
Warum Elektroplanung beim Fix and Flip so wichtig ist
Wer eine Immobilie kauft, renoviert und weiterverkauft, denkt zuerst an Grundriss, Bodenbelag und Bad. Die Elektrik landet oft hinten an, dabei entscheidet sie massgeblich darüber, wie teuer und aufwendig eine Sanierung wirklich wird. Schlitze in Betonwände fräsen, Kabel komplett neu verlegen, Dosen versetzen: Das klingt nach Kleinigkeiten, summiert sich aber schnell zu mehreren tausend Euro, wenn man es nicht vorausschauend plant.
Das Grundprinzip beim Fix and Flip lautet: Nutze das, was schon da ist, so weit wie möglich. Neue Wände, abgehängte Decken und neue Fußböden bieten natürliche Möglichkeiten, Kabel zu verstecken, ohne aufwendig in Bestandswände einzugreifen. Wer das beherzigt, spart echtes Geld bei den Handwerkerkosten und hält gleichzeitig den Zeitplan auf der Baustelle ein.
Aktuelle Lage auf dem Elektriker-Markt
Ein kurzer, aber wichtiger Hinweis aus dem Gespräch mit dem Elektriker vor Ort: FI-Schalter sind derzeit kaum verfügbar. Der Markt ist leergefegt, die Preise für Elektromaterial haben sich für Fachbetriebe teilweise verdoppelt. Das ist kein lokales Problem, sondern zieht sich durch den gesamten deutschen Markt. Was das konkret bedeutet:
- Frühzeitig mit dem Elektriker sprechen und Material rechtzeitig bestellen.
- Angebote nicht blind vergleichen, sondern nachfragen, ob Materialengpässe einkalkuliert sind.
- Puffer im Budget einplanen, denn gestiegene Materialkosten treffen jeden Betrieb und werden weitergegeben.
Abgesehen davon ist die Elektrik im Wohnungsbau weitgehend klassisch geblieben. Was sich verändert hat: LED-Spots und Lichtstreifen werden deutlich häufiger verbaut als noch vor wenigen Jahren. Das spiegelt sich auch in der Planung dieser Wohnung wider.
Lichtschalter versetzen ohne aufwendiges Schlitzen
In der Wohnung wurde eine Tür versetzt. Was simpel klingt, zieht eine Kettenreaktion nach sich: Der bisherige Lichtschalter sitzt jetzt an der falschen Stelle. Wer durch eine Tür tritt und den Schalter erst suchen muss, hat ein schlechtes Wohngefühl, das sich beim späteren Verkauf oder der Vermietung bemerkbar macht.
Die Lösung hier ist elegant und kostengünstig: An der entsprechenden Stelle wird ohnehin eine Trockenbauwand eingezogen, um eine bauliche Lücke zu schliessen. Statt nun aufwendig in die Betonwand zu schlitzen, wird der Schalter einfach in der neuen Trockenbauwand positioniert. Neue Dose, neues Kabel durch die Hohlwand, fertig. Der Aufwand ist minimal, das Ergebnis funktional.
Dasselbe Prinzip gilt für einen Raum, der durch eine neue Wand in zwei separate Bereiche aufgeteilt wird. Der bisherige Lichtschalter bediente den gesamten Raum. Jetzt braucht der neue Flurbereich ein eigenes Licht. Die Lösung: Von der vorhandenen Deckenlampe wird durch die Decke in die neue Trockenbauwand gefahren. Dort kommen neue Lichtschalter neben die Tür, ausserdem Wandstrahler für die Flurbeleuchtung. Kein einziger Schlitz in eine Bestandswand.
Neue Wände als Elektro-Backbone nutzen
Eine neue Wand ist auf der Baustelle ein echter Vorteil, wenn man sie elektrisch nutzt. Alles ist offen, Kabel lassen sich problemlos einlegen, Dosen können exakt dort gesetzt werden, wo sie funktional Sinn ergeben. Das sollte jeder Investor und jede Investorin beim Grundrissumbau im Hinterkopf behalten.
In dieser Wohnung hing hinter einer Wand ein alter Aufputz-Fernsehanschluss kombiniert mit einer Aufputz-Steckdose. Aufputz bedeutet: Die Dose steht aus der Wand raus, ist nicht bündig eingelassen. Das war früher üblich, sieht heute einfach nicht mehr gut aus und wirkt sofort billig. Käufer und Mieter nehmen sowas wahr.
Statt die alte Betonwand aufzuschlitzen und die Dosen einzulassen, wird der Anschluss in die neue Trockenbauwand verlegt. Dort entsteht eine dreifach Steckdose mit zwei normalen Steckdosen und einem kombinierten Fernseh- bzw. Internetanschluss. Günstig, sauber, modern. Keine Schlitzarbeiten, kein Wiederverputzen der alten Wand, kein unnötiger Aufwand.
Kabel unter dem Boden verlegen: einfache Alternative zum Schlitzen
Nicht immer gibt es eine neue Wand, die man nutzen kann. Manchmal müssen Kabel von A nach B, ohne dass eine Trockenbauwand in der Nähe ist. Hier kommt eine weitere einfache Methode ins Spiel: Verlegung unter dem Bodenbelag.
In einem Raum gab es einen alten Antennenanschluss an einer Stelle, wo er nicht mehr gebraucht wird. Der Anschluss läuft zur Rückseite durch. Die Lösung: Das Kabel wird einfach unterm Parkettboden entlanggeführt, die alte Stelle wird geschlossen, und vorne entsteht die neue, bündige Dose. Kein Schlitz, kein Staub, kein aufwendiger Wiederaufbau. Der neue Bodenbelag deckt alles ab.
Elektroplanung in der Küche ohne eingebaute Küche
Eine besondere Herausforderung beim Fix and Flip: Wenn keine Küche eingebaut wird, muss man trotzdem sinnvoll planen, wo Herd, Kühlschrank und Arbeitsfläche später stehen könnten. Zu wenige Steckdosen am falschen Ort frustrieren spätere Bewohner und machen die Wohnung weniger attraktiv.
In dieser Wohnung hilft eine abgehängte Decke in der Küche. Sie erlaubt es, vom Verteilerkasten nach oben in den Deckenhohlraum zu fahren und Kabel dort zu verstecken. Transformatoren, neue Leitungen, der Thermostat für die Fußbodenheizung: Alles verschwindet in der abgehängten Decke. Von dort aus geht es in die neue Wand runter, am Boden entlang, und wieder hoch zur neuen Dose und zum neuen Lichtschalter direkt am Kücheneingang.
Wer als Investor eine Wohnung ohne Einbauküche verkauft, sollte mindestens folgende Punkte elektrisch vorbereiten:
- Herdanschluss an einer logischen Stelle, in der Regel an der Hauptwand gegenüber dem Fenster.
- Mehrere Steckdosen auf Arbeitshöhe, verteilt über die voraussichtliche Küchenzeile.
- Lichtschalter direkt am Eingang, damit man nicht im Dunkeln suchen muss.
- Vorbereitung für Dunstabzug und Kühlschrank an sinnvollen Positionen.
Wann man auf zusätzliche Schalter verzichtet
Es gibt eine Frage, die auf jeder Baustelle irgendwann kommt: Macht ein zusätzlicher Schalter an der Tür Sinn, auch wenn es aufwendig wird? Johannes beantwortet das ehrlich: Komfortgewinn und Aufwand müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
Im Wohnzimmer wäre es theoretisch schön gewesen, direkt am neuen Fensterelement einen Lichtschalter zu haben. Praktisch hätte das bedeutet: Wand schlitzen, runterfahren, wieder hochfahren, verputzen, streichen. Stunden an Arbeit, mehr Materialkosten, und am Ende ist der Unterschied für die meisten Mieter und Käufer marginal. Der bestehende Schalter bleibt, wo er ist, und funktioniert einwandfrei.
Das ist kein Qualitätsverlust, das ist effizientes Bauen. Investoren, die Fix and Flip betreiben, müssen immer abwägen: Was bringt einer Immobilie echten Mehrwert beim Verkauf, und was ist ein nettes Extra, das niemand bezahlt? Die Antwort ist fast immer: Funktion schlägt Perfektion, solange die Basics stimmen.
LED-Lichtleisten in der abgehängten Decke: das Designelement mit Wirkung
Hier wird es interessant für alle, die ihre Immobilie nicht nur funktional, sondern auch optisch aus der Masse herausheben wollen. Im Wohnzimmer kommt eine abgehängte Decke mit integrierter LED-Leiste. Das Prinzip ist simpel, das Ergebnis aber deutlich wirkungsvoller als eine schlichte Deckenlampe.
So funktioniert der Aufbau technisch:
- Die abgehängte Decke hat eine Unterkonstruktion aus Aluprofilen.
- In diese Profile wird eine Lichtschiene eingesetzt, bevor die Trockenbauplatten kommen.
- Die Platten werden links und rechts der Schiene eingepasst, nicht nachträglich aufgeschlitzt.
- Der LED-Streifen wird in die Schiene eingelegt und beleuchtet indirekt den Raum.
In dieser Wohnung läuft der LED-Streifen nicht einfach gerade durch. Er startet an der Decke, fährt etwa zwei Drittel des Raumes entlang, macht dann einen Knick an die Wand und läuft dort bis auf ungefähr Brusthöhe runter. Kein halber Raum, kein symmetrisches Ende, sondern ein bewusstes Designelement, das den Blick führt und dem Raum Tiefe gibt.
Die Kosten für dieses Feature liegen im Bereich einiger hundert Euro inklusive Einbau. Für eine Wohnung, die sich auf dem Markt abheben soll, ist das ein sehr überschaubarer Aufwand, der auf Fotos und bei Besichtigungen sofort auffällt. Gerade in einem Markt, in dem Käufer vorsichtiger geworden sind und mehr Auswahl haben, können solche Details den Unterschied machen.
Das Wichtigste für Investoren: Verstehe, was der Elektriker macht
Johannes betont einen Punkt, der über die reine Handwerkerplanung hinausgeht: Als Investor musst du verstehen, was auf deiner Baustelle passiert. Du musst kein Elektriker sein. Du musst keine Kabel selbst legen. Aber du solltest wissen, was ein normaler Aufwand ist, was eine Dose kostet, warum jemand schlitzen muss oder eben nicht.
Wer das nicht weiss, ist angreifbar. Handwerker, die unseriös arbeiten, erkennen sofort, wenn jemand keine Ahnung hat, und kalkulieren entsprechend. Wer aber gezielt nachfragt, wer versteht warum eine Leitung so und nicht anders verlegt wird, der signalisiert: Hier bin ich informiert. Das wirkt sich direkt auf Angebote und Preise aus.
Praktische Tipps für den Elektriker-Termin:
- Mitgehen auf der Baustelle und den Elektriker durch jeden Raum begleiten.
- Fragen stellen: Warum hier? Warum nicht dort? Was wäre die Alternative?
- Aufputz gegen Unterputz abwägen: Was sieht gut aus, was kostet es extra?
- Neue Wände und abgehängte Decken als Leitungsweg mitdenken, bevor Trockenbauer und Elektriker getrennt planen.
- Materialengpässe früh ansprechen und Lieferzeiten klären.
Elektrik ist kein Hexenwerk, aber sie braucht vorausschauende Planung. Wer das einmal verstanden hat, spart auf jeder weiteren Baustelle Zeit, Geld und Nerven.