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Fassade neu & Funktioniert Fix & Flip noch?

In dieser Folge geht Johannes zwei Fragen an, die ihn täglich erreichen: Funktioniert Fix and Flip überhaupt noch in der aktuellen Marktlage? Und wie läuft die Vermarktung seines Objekts in Sonthofen gerade wirklich? Dazu gibt es einen frischen Blick auf die neu gestrichene Fassade des aktuellen Flip-Projekts.

Die Fassade: Von Weiß auf Grün

Bevor es um die großen Fragen geht, zeigt Johannes den aktuellen Stand auf der Baustelle. Die Fassade wurde von Weiß auf Grün umgestrichen, mittlerweile zwei Mal. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wertet das Objekt optisch deutlich auf. An der Haustür wurde bewusst nicht sauber gearbeitet, weil diese sowieso noch ausgetauscht wird. Solche handwerklichen Prioritäten sind beim Fix and Flip entscheidend: Energie und Sorgfalt dort investieren, wo es am Ende zählt, und nicht dort, wo es ohnehin ersetzt wird.

Je nach weiterem Verlauf der Arbeiten könnte noch ein dritter Anstrich folgen. Das zeigt, wie iterativ ein Flip-Projekt in der Praxis abläuft: Kein Plan überlebt den ersten Kontakt mit der Baustelle unverändert.

Funktioniert Fix and Flip noch?

Das ist die Frage, die Johannes täglich über Instagram und andere Kanäle erreicht. Die klare Antwort lautet: Ja, Fix and Flip funktioniert noch. Das Grundprinzip ist nach wie vor intakt. Du kaufst eine Immobilie unter Marktwert, renovierst sie und verkaufst sie über Marktwert. Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert.

Was sich aber verändert hat, ist die Vermarktungsdauer. Objekte lassen sich aktuell nicht mehr in wenigen Wochen verkaufen. Wer das nicht in seiner Kalkulation berücksichtigt, gerät in ernsthafte Schwierigkeiten. Früher hat man zwei bis drei Monate laufende Kosten eingerechnet, heute solltest du mit mindestens sechs Monaten planen. Diese monatlichen Fixkosten umfassen:

  • Finanzierungskosten (bei variablen Darlehen mittlerweile deutlich gestiegen)
  • Hausgeld
  • Nebenkosten wie Strom und Wasser
  • Sonstige laufende Betriebskosten

Wenn du diese Kosten nicht für sechs Monate stemmen kannst, solltest du das Projekt so nicht angehen. Das ist keine Schwarzmalerei, das ist schlicht seriöse Kalkulation.

Was definitiv vorbei ist: Push-Flipping

Johannes spricht offen über eine Praxis, die er als "Push-Flipping" bezeichnet. Gemeint ist das Vorgehen, bei dem man ein paar Fliesen streicht, einen neuen Wasserhahn einbaut und die Wohnung dann für 100.000 Euro mehr auf den Markt wirft. Diese Strategie funktioniert nicht mehr, und das ist laut Johannes eine gute Sache.

Der Markt fordert jetzt wieder echte Qualität. Käufer sind kritischer, informierter und haben mehr Zeit zum Vergleichen. Wer als Investor langfristig im Fix-and-Flip-Geschäft bestehen will, muss Qualität liefern, keine Kosmetik. Das bedeutet mehr Aufwand, aber auch mehr Verlässlichkeit beim Wiederverkauf und langfristig einen besseren Ruf als Anbieter.

Vermarktung in Sonthofen: Ein konkretes Beispiel aus der Praxis

Johannes gibt einen ehrlichen Einblick in die aktuelle Vermarktungssituation seiner Wohnung in Sonthofen. Das Objekt mit dem attraktiven Industrieloft-Charakter ist trotz konkretem Interessenten noch nicht verkauft. Der potenzielle Käufer war bereits sehr weit im Prozess: Es gab Zusagen, E-Mail-Verkehr, einen vereinbarten Notartermin und sogar einen Kaufvertragsentwurf. Am Ende ist der Käufer aus gesundheitlichen Gründen abgesprungen.

Seitdem gibt es vereinzelt Besichtigungen, im Schnitt etwa eine pro Woche. Konkretes Kaufinteresse ist bislang aber nicht dabei. Das ist kein Einzelfall, sondern spiegelt den aktuellen deutschen Immobilienmarkt gut wider: weniger Nachfrage, längere Entscheidungsprozesse, mehr Absagen.

Falls sich in den nächsten zwei Wochen kein Käufer findet, will Johannes das Objekt vom Markt nehmen, eine Pause einlegen und dann mit einem überarbeiteten Ansatz neu starten. Das erfordert Geduld und vor allem ausreichend Liquiditätspuffer.

Was laufende Kosten in der Praxis bedeuten

Johannes rechnet konkret vor: Für das Objekt in Sonthofen fallen monatlich rund 1.800 bis 2.000 Euro an laufenden Kosten an. Hausgeld und Finanzierungsrate zusammen ergeben diesen Betrag. Da die Finanzierung variabel verzinst ist, haben die gestiegenen Zinsen die monatliche Belastung zusätzlich erhöht.

Über fünf Monate summiert sich das auf über 10.000 Euro, die einfach nur für das Halten des Objekts anfallen, ohne dass irgendeine Renovierungsleistung damit bezahlt wird. Wer diese Reserve nicht hat oder nicht eingeplant hat, gerät unter Druck und trifft schlechte Entscheidungen. Johannes betont deshalb: Diesen Puffer sollte man haben, bevor man anfängt, nicht erst wenn es eng wird.

Worauf Johannes beim Ankauf jetzt besonders achtet

Die veränderte Marktlage hat auch den Ankaufsprozess verändert. Johannes nennt drei Kriterien, die er jetzt in dieser Reihenfolge bewertet:

  • Lage: Nach wie vor der wichtigste Faktor für den Wiederverkauf.
  • Heizungsanlage: Mittlerweile fast der erste Punkt, nach dem Käufer aktiv fragen. Energieeffizienz ist kein Nischenthema mehr.
  • Zustand: Der allgemeine Renovierungsbedarf und was realistisch zu leisten ist.

Beim Thema Heizung setzt Johannes eine klare Grenze: Energieeffizienzklasse A bis C, C+ ist noch akzeptabel. Alles darunter kauft er aktuell nicht an. Vor zwei Jahren hat die Heizungsanlage bei Kaufentscheidungen kaum eine Rolle gespielt. Heute ist sie oft das erste, wonach Interessenten fragen. Wer das als Investor ignoriert, kauft sich Probleme ein, die sich später nur schwer lösen lassen.

Langfristige Perspektive und neue Projekte

Trotz aller Herausforderungen bleibt Johannes zuversichtlich und kauft weiterhin an. Er betont die langfristige Sichtweise: Auf einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet spielt es keine entscheidende Rolle, ob ein einzelnes Objekt einen Monat länger im Verkauf hängt als geplant. Diese Ruhe im Kopf kommt aus einer soliden Planung und ausreichend Eigenkapital.

Neben dem laufenden Fix-and-Flip-Geschäft arbeitet Johannes an einem deutschlandweiten Partnerschaftssystem. Ziel ist es, Menschen mit etwas Bonität und dem nötigen Ehrgeiz die Möglichkeit zu geben, gemeinsam zu flippen. Wer Interesse daran hat, kann sich direkt über Instagram bei ihm melden.

Außerdem ist eine Neuausrichtung des YouTube-Kanals geplant, inklusive höherer Produktionsqualität und möglicherweise einem festen Mitarbeiter für die Videoproduktion. Das zeigt: Fix and Flip ist für Johannes kein Hobby, sondern ein ernsthaftes Geschäftsmodell, das er konsequent weiterentwickelt.

Fazit: Fix and Flip 2024 braucht Substanz statt Spekulation

Fix and Flip funktioniert, aber nicht mehr für jeden und nicht mehr mit minimalem Aufwand. Der Markt hat sich bereinigt. Wer heute erfolgreich flippen will, braucht eine realistische Kalkulation mit großzügigen Puffern, ein gutes Gespür für die Heizungssituation eines Objekts, echte Renovierungsqualität statt oberflächlicher Kosmetik und genug Liquidität, um auch eine längere Haltezeit zu überbrücken. Das klingt nach mehr Aufwand, und das ist es auch. Aber wer diese Grundlagen beherrscht, hat in einem Markt mit weniger Wettbewerb durch opportunistische Käufer gerade jetzt gute Chancen.