Firma kaufen und verkaufen: Firmenflipping im Podcast bei MRD Immobilien
In dieser Podcast-Episode bei MRD Immobilien spricht Johannes von Flipper Immo über seine aktuelle unternehmerische Entwicklung: vom reinen Fix-and-Flip-Investor zum Unternehmer mit zehn Mitarbeitern, drei aktiven Firmen und einem wachsenden Interesse am Kauf und Verkauf ganzer Unternehmen. Das Gespräch dreht sich um Mitarbeiteraufbau, Firmenstrukturen, Gesellschaftskonstrukte und die Frage, warum der Kauf bestehender Firmen der nächste logische Schritt nach der Immobilieninvestition sein kann.
Von null Mitarbeitern auf zehn: Warum Johannes seine Meinung geändert hat
Wer Johannes schon länger verfolgt, weiß, dass er lange klar dagegen war, eigene Mitarbeiter einzustellen. Flexibilität war ihm wichtig, feste monatliche Kosten waren ihm ein Dorn im Auge. Gut ein Jahr nach einer ersten Podcast-Episode bei MRD Immobilien hat er nun den zehnten Mitarbeiter eingestellt. Was hat sich geändert?
Der Auslöser war simpel: Externe Dienstleister, ob Marketingagentur, Videografen oder andere Freelancer, wurden ab einem bestimmten Umsatzniveau schlicht zu teuer und zu unkontrollierbar. Eine Marketingagentur hat zeitweise 15.000 Euro im Monat gekostet. Einzelne Eventtage mit externem Videografen schlugen mit 12.000 Euro pro Tag zu Buche. Gleichzeitig liefen Werbekampagnen, die nicht performten, einfach weiter, weil es eben nicht das Geld der Agentur war.
Die Entscheidung, Leistungen in-house zu holen, kam also nicht aus einer Philosophie, sondern aus knallharter wirtschaftlicher Logik. Wenn du ohnehin laufende Fixkosten hast, kannst du genauso gut eigene Mitarbeiter beschäftigen, die du kontrollieren und entwickeln kannst.
Mitarbeiter gefunden hat Johannes nicht über klassische Jobbörsen, sondern über seine Social-Media-Präsenz. Facebook Ads auf den eigenen Kanal, Empfehlungen aus dem Netzwerk, und die Tatsache, dass potenzielle Bewerber sich vorab durch Hunderte von Videos, Podcasts und Instagram-Posts ein vollständiges Bild von Johannes und seinem Unternehmen machen können. Ein Videograf, der heute hinter der Kamera sitzt, hat sich beworben, nachdem er wochenlang Content geschaut hatte. Auch für Mitarbeitergewinnung gilt also: Personal Brand ist ein echter Hebel.
Drei Firmen, eine Vision: Was Johannes heute operativ macht
Die Struktur von Johannes ist inzwischen auf drei aktive Firmen verteilt:
- Homara (homara.de): Die ursprüngliche Fix-and-Flip-Firma im Allgäu, jetzt mit Bruder und Vater als familiäres Konstrukt. Der Bruder, gelernter Schreinermeister mit Erfahrung in Australien und Neuseeland, ist mit eingestiegen. Hier liegt Johannes' emotionale Heimat: Baustelle, Umbau, Parkettlegen.
- Flipper Immo als Marke: Seminare, 1-zu-1-Betreuung, Coaching für andere Investoren quer durch Deutschland, dazu der Content-Bereich mit zwei Vlogs pro Woche und einer monatlichen Reichweite von über einer Million Menschen auf Instagram und YouTube.
- Leverage Immobilien GmbH: Ein Software-Startup, gegründet Januar 2024, das den Immobilien-Ankaufsprozess digitalisiert. Statt fragmentierter Tools auf verschiedenen Plattformen soll Leverage alles in einem Schritt bündeln: Immobilie finden, mit KI bewerten, finanzieren.
Bei Leverage hat Johannes bewusst auf externes Kapital verzichtet. Eine geplante Finanzierungsrunde über eine Million Euro gegen 20 Prozent Anteile wurde nicht umgesetzt. Im Nachhinein die richtige Entscheidung: Das Startup trägt sich heute aus dem eigenen Cashflow, ohne externe Investoren. Fehler wurden gemacht, Features gebaut, die niemand nutzte, aber das Lernen aus eigenen Mitteln hat das Team stabiler und reifer werden lassen.
Projektleitung in der Fläche: So skaliert Johannes Fix and Flip
Ein konkretes Modell, das Johannes gerade aufbaut, ist die geografische Skalierung durch Projektleiter vor Ort. Konkret: Ein Mitarbeiter in Münster übernimmt genau das, was Johannes in Kempten macht, also Ankauf, Handwerkersuche, Baustellenkontrolle, Homestaging, Verkauf. Er hat sich, wie Johannes es nennt, faktisch verdoppelt, ohne selbst an einem zweiten Standort präsent zu sein.
Entscheidend dabei ist die Vergütungsstruktur. Johannes betont, dass eine reine Festgehalt-Lösung für jemanden, der für dich eine halbe Million Gewinn hebelt, auf Dauer nicht funktioniert. Die Person sieht, was sie erwirtschaftet. Wenn die Beteiligung nicht stimmt, geht sie. Eine faire prozentuale Beteiligung am Ergebnis hält die Symbiose intakt, ohne dass der Projektleiter 80 Prozent des Gewinns erhält.
Gesellschaftsstrukturen und Partnerschaften: Was oft schief geht
Ein Thema, das im Gespräch mehrfach auftaucht, ist die Frage, wie man Partnerschaften im Immobilien- und Unternehmensbereich richtig aufsetzt. Johannes und sein Gesprächspartner bei MRD Immobilien sind sich einig: In der Immobilienbranche wird zu häufig zu schnell gegründet.
Vier Leute kaufen gemeinsam ein Mehrfamilienhaus, gründen schnell eine GbR oder GmbH, ohne sich ernsthaft mit den Worst-Case-Szenarien auseinanderzusetzen. Was passiert, wenn einer der Partner stirbt? Was, wenn das persönliche Verhältnis zerbricht? Der Notar von Johannes bringt es auf den Punkt: Macht den Vertrag so, als würde einer von euch morgen sterben oder als würde einer von euch die Frau des anderen ansprechen. Das klingt drastisch, ist aber das einzig vernünftige Vorgehen.
Menschen entwickeln sich weiter, Meinungen ändern sich. Was heute passt, muss in drei oder fünf Jahren nicht mehr passen. Wer das bei der Gründung nicht einpreist, riskiert später teure und nervenaufreibende Trennungen, während gleichzeitig Schulden im Raum stehen.
Firmen kaufen und verkaufen: Der nächste Schritt nach der Immobilie
Der spannendste Teil des Gesprächs dreht sich um ein Thema, das im deutschsprachigen Internet noch weitgehend unterrepräsentiert ist: den Kauf und Verkauf ganzer Unternehmen, auch bekannt als Firmenkauf oder, in größerem Maßstab, Private Equity.
Der Ausgangspunkt ist eine klare Beobachtung: Die meisten Millionäre sind durch Immobilien reich geworden. Wer aber in Richtung neunstelliger oder zehnstelliger Vermögen denkt, der landet fast immer bei Private Equity, also bei Leuten, die Firmen kaufen, entwickeln und weiterverkaufen. Immobilien sind das Praktikum. Der Firmenkauf ist die Königsdisziplin.
Konkret sieht das Modell von MRD Immobilien so aus: Sie kaufen bestehende Firmen, aktuell im Bereich Maschinenbau in Bayern und Baden-Württemberg, Unternehmen mit Umsätzen zwischen 500.000 und 10 Millionen Euro, verbessern sie durch Marketing, Digitalisierung und bessere Strukturen und bündeln sie langfristig zu einer Gruppe.
Für Johannes ergibt sich daraus eine naheliegende Chance: Er bringt handwerkliches Verständnis mit, kennt Baustellen, versteht Prozesse, und er hat genau die Kompetenzen, die vielen dieser mittelständischen Handwerksbetriebe fehlen: Marketing, Mitarbeitergewinnung, digitale Sichtbarkeit.
Warum der Nachfolgemangel eine Chance ist
Deutschland hat ein massives Nachfolgeproblem. Von rund 50 Handwerksunternehmen, die einen Nachfolger suchen, finden statistisch nur etwa sieben einen. Die Generation, die den deutschen Mittelstand in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat, geht in Rente. Ihre Kinder wollen die Verantwortung oft nicht übernehmen. Sie kennen das Unternehmerleben ihrer Eltern, haben gesehen, wie viel Arbeit dahintersteckt, und sind schlicht nicht motiviert, dasselbe zu tun.
Das Ergebnis: Unternehmen mit jahrelanger Geschichte, stabilen Kunden, guten Margen und funktionierenden Teams werden einfach abgewickelt. Lagerbestände verkauft, Firmenwagen abgestoßen, Schluss. Das ist nicht nur volkswirtschaftlich ein Problem, es ist auch eine Investitionsgelegenheit.
Wer als junger Unternehmer mit Fähigkeiten in Marketing, Digitalisierung und Prozessoptimierung in einen solchen Betrieb einsteigt, bringt genau das mit, was diese Firmen brauchen und nie hatten. Die Firma läuft bereits, hat Stammkunden, ausgebildete Mitarbeiter und Marktkenntnis. Was fehlt, ist jemand, der sie in die nächste Dekade führt.
So funktioniert die Finanzierung beim Firmenkauf
Firmenkäufe finanzieren sich grundsätzlich anders als Immobilien. Ein paar wichtige Punkte:
- Kaufpreise richten sich nach dem Gewinn (EBIT). Der sogenannte Multiple beschreibt, wie oft der Jahresgewinn vor Steuern als Kaufpreis bezahlt wird. Für klassische mittelständische Betriebe liegt dieser Multiple typischerweise bei drei bis fünf.
- Banken finanzieren Firmenkäufe zurückhaltender als Immobilien. Von zehn Banken, die du mit einem Immobilienfinanzierungsgesuch anschreibst, antworten neun. Beim Firmenkauf vielleicht eine. Das liegt daran, dass eine Firma kein standardisiertes, beleihbares Asset ist.
- Eigenkapital zwischen 20 und 30 Prozent ist in der Regel notwendig, kann aber auch über ein Verkäuferdarlehen oder über Beteiligungsgesellschaften der Sparkassen dargestellt werden.
- Tilgungszeiträume sind kürzer. Während Immobilienfinanzierungen über 25 Jahre laufen, werden Firmenkredite auf sieben bis zehn Jahre befristet. Die monatliche Tilgungsrate ist also deutlich höher, was bedeutet, dass vom Gewinn in den ersten Jahren weniger übrig bleibt.
- Die KfW und regionale Bürgschaftsbanken bieten spezifische Förderprogramme für Firmenkäufe an, gerade für Privatpersonen ohne bestehende GmbH-Struktur.
- Sparkassen-Beteiligungsgesellschaften können als Eigenkapitalersatz einspringen und werden von der Bank als 100 Prozent Eigenkapital gewertet, was die Finanzierung deutlich erleichtert.
Ein weiteres, häufig genutztes Konstrukt ist die Zwischenholding: Statt die Zielfirma direkt zu kaufen, gründet man eine neue Holding, die dann die GmbH erwirbt. Das schafft einen Haftungswall zu anderen bestehenden Firmenbeteiligungen und ermöglicht über einen Ergebnisabführungsvertrag eine steuerlich optimierte Gewinnausschüttung vor Steuer an die Muttergesellschaft.
Due Diligence: Was du beim Firmenkauf wirklich prüfen musst
Beim Kauf einer Firma ist die Prüfung vor Vertragsabschluss, die sogenannte Due Diligence, komplexer als bei einer Immobilie. Ein paar kritische Punkte:
- BWA-Manipulation: Kaufpreise richten sich nach dem Gewinn. Wer seine Firma verkaufen will, hat einen Anreiz, kurzfristig den Gewinn zu schönigen, etwa durch das Reduzieren von Materialkäufen kurz vor dem Verkauf.
- Quoten beobachten: Hat sich der Materialaufwand oder der Personalaufwand im Verhältnis zum Umsatz plötzlich stark verändert? Das sollte eine Erklärung haben.
- Inhaberabhängigkeit: Läuft die Firma nur, weil der Chef persönlich alle Kundenbeziehungen hält? Das senkt den Wert erheblich und macht die Übernahme riskanter.
- Rahmenverträge und Kundenbindungen: Langfristige Verträge mit Kunden, die unabhängig vom Inhaber bestehen, steigern den Wert.
- Lagerbestand und Maschinenpark: Sind werthaltige Assets vorhanden, die als Sicherheit genutzt werden können und den realen Wert der Firma mitbestimmen?
Gleichzeitig gilt: Nicht in der Prüfung versinken. Jede Due Diligence kostet Geld und Zeit, und wenn du zu lange prüfst, ist der Deal weg.
Handwerker-Holding: Johannes' nächster Schritt
Johannes macht keinen Hehl daraus, dass er konkrete Pläne hat, in absehbarer Zeit erste Handwerksbetriebe zu kaufen. Sein Interesse gilt sogenannten asset-light-Firmen, also Unternehmen ohne riesige Lagerbestände oder komplexe Maschinenparks. Betriebe, bei denen der Hauptwert in den Kundenbeziehungen, dem Team und dem Know-how liegt.
Der Hebel ist klar: Ein Handwerksbetrieb, der seit 20 Jahren ohne Social Media, ohne professionelle Website und ohne strukturierte Mitarbeitergewinnung läuft, hat erhebliches Wachstumspotenzial. Wer genau diese Kompetenzen mitbringt, kann den Betrieb in kurzer Zeit deutlich profitabler machen, ohne das eigentliche Produkt oder die Belegschaft zu verändern.
Hinzu kommt ein Aspekt, den Johannes selbst hervorhebt: Hochwertige Renovierungen, wie sie bei seinen Fix-and-Flip-Projekten entstehen, können direkt als Referenz für den Handwerksbetrieb genutzt werden. Ein Badezimmer, das in einem geflippten Objekt verbaut wird, ist gleichzeitig Werbematerial für den Betrieb, der es gebaut hat. Wer Kunden zeigt, was möglich ist, und dann aktiv nachfragt, ob sie das auch möchten, generiert Aufträge. Das kostet kein zusätzliches Marketingbudget, nur einen konsequenten Umgang mit dem, was ohnehin entsteht.
Immobilien als Fundament, Firmenkauf als nächste Stufe
Am Ende des Gesprächs wird ein übergeordnetes Bild deutlich: Immobilien sind für Johannes und die MRD-Gründer nicht das Ziel, sondern das Fundament. Vermietete Objekte laufen im Hintergrund, erzeugen monatliche Einnahmen, kämpfen gegen die Inflation und ermöglichen den Aufbau von Eigenkapital ohne täglichen Aufwand.
Auf diesem Fundament baut sich die nächste Ebene auf: der Kauf, die Entwicklung und der strategische Weiterverkauf von Unternehmen. Der Zeithorizont ist länger, die Komplexität höher, aber der Hebel ist größer. Und der Spaßfaktor, das sagen beide im Gespräch, ist mindestens genauso hoch wie beim Renovieren und Weiterverkaufen von Wohnungen.
Wer sich für diesen Weg interessiert, sollte sich mit folgenden Einstiegspunkten beschäftigen: Plattformen wie DealCircle oder Amber, auf denen M&A-Makler Firmen listen. Den Bundesanzeiger für direkte Kaltakquise bei interessanten Betrieben. Und Seminare von erfahrenen Firmenkäufern, die zeigen, wie man Beiräte aus Senioren mit Branchenerfahrung aufbaut, um teure externe Prüfkosten zu umgehen.
Der Firmenkauf ist kein Thema für Ungeduldige und kein Thema für Leute, die nach schnellen Gewinnen suchen. Aber er ist ein Thema für Unternehmer, die gelernt haben, wie Wertschöpfung funktioniert, und die bereit sind, das nächste Level anzugehen.