Flipper News (02.09.2026) - Fertigstellungsstau, EZB-Zinserhöhung und BGH-Urteile
Der September startet mit klaren Ansagen
Der September startet mit einer klaren Ansage: Die Inflation bleibt stur, die EZB tagt in acht Tagen und der Markt rechnet fest mit der nächsten Zinserhöhung. Kein gemütlicher Kaffeemorgen heute, aber ein informativer.
| EURIBOR 12M | 2,91 % ↗ | Flip-Zins ca. 4,4–4,9 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % ↗ | seit 17.06. / Sitzung 10.09. |
| Inflation DE | 2,9 % ↗ | Aug. 2026 / Destatis vorläufig |
| Baupreise | +5,0 % p.a. ↗ | Mai 2026 / Destatis |
| ETW Ø DE /m² | 3.286 €/m² ↗ | Sept. 2026 / Immowelt |
Markt & Preise
760.000 Wohnungen warten: Fertigstellungsstau als Flipper-Chance
Mehr als 760.000 Wohnungen waren Ende 2025 in Deutschland genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt. Das ist eine gigantische Zahl. Und sie erklärt, warum der Bestandsmarkt so stabil bleibt: Wer eine fertige Wohnung kaufen will, konkurriert nicht mit Neubau, der einfach nicht kommt. Für Flipper bedeutet das: Wer schnell saniert und schnell verkauft, trifft auf kaufbereite Käufer, die lange gewartet haben. Der Stau arbeitet für euch.
Quelle: Handelsblatt
BGH-Urteil: Hausverwaltung kassiert keine Provision mehr beim Neuvermieten
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Hausverwaltungen dürfen in der Regel keine Provision verlangen, wenn sie eine Wohnung neu vermieten. Das klingt erstmal nach Mietrecht. Für Flipper ist es aber relevant, wenn nach dem Verkauf eine Hausverwaltung eingesetzt wird oder wenn ihr Objekte mit Bestandsverwaltung kauft und neu aufstellt. Wer solche Verträge hat oder plant, sollte jetzt prüfen lassen, ob da Provisionen zurückgefordert werden könnten.
Quelle: Handelsblatt
Zwangsversteigerungen 2026: Rekordhoch bei Verkehrswerten
Argetra erwartet für 2026 mehr als 15.000 zwangsversteigerte Objekte, und die Verkehrswerte liegen auf Rekordhoch. Das klingt paradox, ist es aber nicht: Steigende Zinsen und Insolvenzen spülen immer mehr Objekte in die Versteigerung, gleichzeitig sind die Immobilienwerte nicht eingebrochen. Für informierte Flipper ist das ein ungewöhnlich breites Einstiegsfenster – mit überschaubarer Konkurrenz, wenn man weiß, was man tut.
Quelle: Haufe
Offene Immobilienfonds unter Druck: Liquiditätsprobleme nehmen zu
Milliarden fließen aus offenen Immobilienfonds ab, erste Fonds mussten die Anteilsrücknahme aussetzen. Die Zinswende legt alte Schwächen dieser Anlageklasse offen. Was das für Flipper bedeutet: Wer auf Distressed Assets aus aufgelösten Fonds-Portfolios schielt, könnte in den nächsten Monaten interessante Angebote sehen. Institutioneller Verkaufsdruck schafft Einkaufspreise, die vor zwei Jahren undenkbar gewesen wären.
Quelle: Haufe
Renovierung & Bau
Baupreise Neubau: Plus 5 Prozent im Mai, Ausbau zieht besonders an
Die Preise für den Wohnungsneubau sind laut Destatis im Mai 2026 um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das ist deutlich mehr als die BBSR-Jahresprognose von plus 2,7 Prozent. Der Teufel steckt im Detail: Ausbauarbeiten steigen schneller als der Rohbau, Heizungsanlagen und Elektro-Sicherheitstechnik sind die teuersten Posten. Wer Objekte mit größerem Ausbauanteil kalkuliert, sollte die Kostenplanung für das zweite Halbjahr nochmals schärfen.
Quelle: Destatis
GEIG-Novelle ab 2027: Ladeinfrastruktur wird Pflicht für Bestand und Neubau
Ab dem 1. Januar 2027 verschärft die Novelle des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes die Pflichten für Ladeinfrastruktur an Gebäuden. Das betrifft Bestand, Neubau und Sanierung. Wer heute ein Mehrfamilienhaus kauft und 2027 oder später verkauft, wird bei der Überprüfung durch Käufer und Finanzierer darauf angesprochen. Besser jetzt in der Kalkulation berücksichtigen als beim Verkauf verhandeln müssen.
Quelle: Haufe
Finanzen, Recht & Steuern
EZB-Sitzung 10. September: Nächste Zinserhöhung so gut wie sicher
In acht Tagen tagt die EZB, und der Markt preist eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte mit 98 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Der Iran-Konflikt hält die Energiepreise hoch, die Inflation in Deutschland ist im August auf 2,9 Prozent gestiegen, Energie allein um 10,5 Prozent. EZB-Direktorin Schnabel hält weitere Straffung für „erforderlich". Für Flipper heißt das konkret: Wer jetzt noch eine Finanzierung abschließen will, hat möglicherweise das letzte Fenster vor dem nächsten Anstieg der Bauzinsen. Nach dem 10. September könnte es enger werden.
Quelle: Haufe
Makler-Provision beim Doppelmandat: BGH zieht klare Linie
Ein frisches BGH-Urteil klärt eine wichtige Frage: Widerruft beim Doppelmakler eine Partei ihren Vertrag, verliert der Makler nicht automatisch auch den Provisionsanspruch gegenüber der anderen Seite. Konkret: Hat ein Makler Provision von Käufer und Verkäufer vereinbart und der Verkäufer widerruft wirksam, muss der Käufer trotzdem zahlen. Relevant für alle, die Objekte über Doppelmakler kaufen oder verkaufen – und für Makler, die mit Flippern zusammenarbeiten.
Quelle: Immowelt Impuls
Immobilienfonds dürfen künftig leichter in Erneuerbare investieren
Der Bundesrat hat das Standortfördergesetz (StoFöG) gebilligt. Immobilienfonds können damit künftig einfacher in erneuerbare Energien investieren. Auf den ersten Blick kein Flipper-Thema – auf den zweiten aber schon: Wenn institutionelle Investoren Bestandsobjekte mit Solaranlage oder Wärmepumpe bevorzugen, weil es ihre Fonds-Strategie erleichtert, steigt die Nachfrage nach energetisch sanierten Objekten weiter. Energieeffizienz als Verkaufsargument wird noch stärker.
Quelle: Haufe
Fazit
Der Markt läuft weiter, aber die Rahmenbedingungen ziehen an. Bauzinsen bei 3,8 bis 4,4 Prozent plus Aufschlag bedeuten für Flipper aktuell etwa 4,5 bis 5 Prozent Finanzierungskosten – je nach Objekt und Bonität. Das lässt sich mit der richtigen Einkaufsstrategie rechnen, aber der Spielraum ist kleiner als vor zwei Jahren. Wer jetzt kauft, sollte sauber kalkulieren, schnell sanieren und nicht auf Preisanstiege beim Verkauf hoffen, sondern auf Qualität und Marktgerechtigkeit setzen. Die Leute, die kaufen wollen, sind da. Der Stau bei den Fertigstellungen sorgt dafür.