Flipper News (02.10.2026) - EXPO REAL Stimmungstief, KfW-Topf fast leer, BGH zur Maklerprovision
Marktskepsis, leere Fördertöpfe und ein frisches BGH-Urteil
Zum Wochenabschluss geht es heute quer durch den Garten: Stimmungsbarometer auf Tiefstand, Fördergelder fast weg, ein frisches BGH-Urteil zur Maklerprovision und eine Zahl zur Wärmepumpe, die so manchen Vorwand wegräumt.
| EURIBOR 12M | 3,33 % ↗ | Flip-Zins ca. 4,8–5,3 % |
| EZB Leitzins | 2,65 % ↗ | +0,25 Pp. / 16.09. |
| Inflation DE | 3,3 % ↗ | Sept. 2026, Destatis |
| Baupreise | +3,3 % p.a. ↗ | BBSR-Prognose 2026 |
| ETW Ø DE /m² | 3.288 €/m² ↗ | Bestand DE, Okt. 2026 |
Markt & Preise
EXPO REAL Trendindex: Die Branche schaut skeptisch ins Quartal
Auf der EXPO REAL ist die Stimmung spürbar abgekühlt. Der aktuelle Trendindex zeigt: 40 Prozent der Befragten bewerten die Marktlage als zurückhaltend oder sehr zurückhaltend. 2025 lag dieser Anteil noch bei 22 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Optimisten von 44 auf 25 Prozent. Kurz gesagt: Die Branche traut dem Braten noch nicht. Wer als Flipper einkauft, hat damit weiter ein gutes Argument für Preisverhandlungen.
Quelle: immowelt impuls
Berlin: Teurer Wohnraum in Überangebot, günstige Wohnungen knapp wie nie
Neue Zahlen aus dem IBB-Wohnungsmarktbericht: In Berlin sind Wohnungen mit niedrigen und mittleren Mieten weiter Mangelware. Die teuren Wohnungen ab 20 Euro pro Quadratmeter gehen inzwischen über die Nachfrage hinaus, vor allem im Bezirk Mitte. Das läuft im Flipper-Kontext eindeutig in eine Richtung: Sanierter Bestand in mittlerer Lage und mittlerem Preissegment ist gefragt. Premium in Toplage? Heiß umkämpft auf der Verkäuferseite.
Quelle: Immobilien Zeitung
Renovierung & Bau
Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: 80 Prozent könnten, wenn man sie lässt
Ein verbreitetes Argument gegen Wärmepumpen in alten Mehrfamilienhäusern war bisher: „Geht technisch nicht." Das stimmt nur noch bedingt. Laut einer Auswertung von Wärmedaten aus 1,1 Millionen Wohnungen eignen sich rund 40 Prozent des deutschen Mehrfamilienhausbestands bereits ohne Heizkörpertausch für Niedertemperatursysteme. Werden Heizkörper ersetzt, steigt der Anteil auf rund 80 Prozent. Mit speziellen Niedertemperaturheizkörpern mit Gebläse sieht die Analyse sogar bei rund 90 Prozent der Gebäude technisches Potenzial.
Für Flipp-Projekte heißt das: Die technische Machbarkeit ist oft keine Ausrede mehr. Die Frage ist meistens nur noch: Was kostet es und was bringt es beim Verkauf?
Quelle: Deutsche Handwerks-Zeitung
Verfassungsbeschwerde gegen Heizungsgesetz: Das GEG kommt vor Gericht
Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz hat jetzt rechtlichen Gegenwind. Die Deutsche Umwelthilfe und vier Mieter haben Verfassungsbeschwerde eingelegt. Im Zentrum stehen der weitere Einbau von Öl- und Gasheizungen sowie die langfristige Planungssicherheit bei Brennstoffkosten. Die Beschwerdeführer berufen sich unter anderem auf Artikel 20a des Grundgesetzes.
Nach Einschätzung des beteiligten Rechtsanwalts könnte das Verfahren bis zu zwei Jahre dauern. Für Flipper bedeutet das: Die Heizungsfrage bleibt ein Dauerthema in der Kalkulation, aber die Rechtslage bleibt vorerst stabil. Kein unmittelbarer Handlungsbedarf.
Quelle: immowelt Impuls / T-Online
Finanzen, Recht & Steuern
KfW-Förderung für 50.000 Wohnungen fast aufgezehrt
Das Förderprogramm zum Abbau des Bauüberhangs läuft auf dem Zahnfleisch. Seit Dezember 2025 hat das Bundesbauministerium 50.000 Wohnungen gefördert, die vorrangig den Bauüberhang verringern sollen. Von der ursprünglichen Fördersumme von 800 Millionen Euro sind noch rund 69 Millionen Euro übrig. Eine Aufstockung der Mittel sei nicht mehr vorgesehen.
Wer ein genehmigtes Projekt in der Schublade hat, das noch nicht gebaut ist: Jetzt prüfen, ob eine Förderung noch möglich ist. Danach ist der Topf leer.
Quelle: Handelsblatt
BGH zum Halbteilungsgrundsatz: Wann muss der Makler die Provision teilen?
Ein frisches BGH-Urteil klärt eine Frage, die in der Praxis regelmäßig zu Streit führt. Entscheidend ist, ob spätestens beim Abschluss des Maklervertrags erkennbar war, dass der Käufer ein Mehrfamilienhaus als Einfamilienhaus nutzen wollte. Ist eine solche Absicht aus den objektiven Gegebenheiten nicht ersichtlich, darf sich der Makler auf die erkennbare Objektart verlassen. Eine erst später geäußerte oder umgesetzte Nutzungsabsicht führt nicht automatisch zur Anwendung des Halbteilungsgrundsatzes.
Für Flipper, die Mehrfamilienhäuser kaufen und umnutzen wollen: Wenn ihr das plant, solltet ihr das früh und klar kommunizieren. Sonst tragt ihr die volle Provision.
Quelle: immowelt impuls / BGH
Finanzierungsklima in der Wohnungswirtschaft: Neuer Tiefstand
Die institutionelle Seite des Marktes kämpft: Der WOWI-GIX für das Finanzierungs- und Investitionsklima der deutschen Wohnungswirtschaft sinkt im vierten Quartal 2026 von 43,9 auf 41,7 Punkte – der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung. Der WOWI-FKX fällt von 39 auf 36,5 Punkte. Als Belastungen nennt die Erhebung steigende Zinsen, Inflationsrisiken, strengere Anforderungen der Banken, unsichere Förderbedingungen und regulatorischen Druck.
Besonders kritisch bewerten Wohnungsunternehmen Investitionen in den Neubau. Die Investitionsbereitschaft im Bestand zeigt sich dagegen vergleichsweise stabil. Institutionelle zögern, Neubau ist heiß umkämpft und schwer zu finanzieren. Für Fix-and-Flip im Bestand klingt das paradoxerweise gar nicht schlecht: weniger Konkurrenz, mehr Spielraum beim Einkauf.
Quelle: immowelt impuls / WOWI
Fazit
Der Freitag bringt ein klares Bild: Die Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll, aber das ist kein neues Thema. EURIBOR über 3,3 Prozent, Inflation wieder auf dem Weg Richtung 3,5 Prozent, EZB mit dem Finger am Abzug. Wer beim Einkauf sorgfältig kalkuliert und die Finanzierung frühzeitig klärt, bleibt handlungsfähig.
Interessant für Flipper: Institutionelle ziehen sich aus dem Neubau zurück, und auch die Stimmung auf der EXPO REAL ist vorsichtig. Das schafft Raum für schnelle, flexible Akteure im Bestand. Das KfW-Fördergeld ist fast weg, die Wärmepumpen-Karte wird im Bestand immer stärker spielbar. Wer jetzt noch einen Blick auf laufende Förderanträge wirft, könnte die letzten 69 Millionen Euro mitnehmen.