Flipper News (03.09.2026) - EZB-Sitzung, Bauzinsen, BGH-Urteil zur WEG und steigende Baupreise
Die Märkte ruckeln, die Zinsen jucken – was du jetzt wissen musst
Die nächste EZB-Sitzung steht in einer Woche an, die Bauzinsen ziehen weiter an, und aus der Rechtsprechung kommen zwei Urteile, die für Flipper direkt relevant sind. Hier ist alles im Überblick.
| Indikator | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| EURIBOR 12M | 2,94 % ↗ | Flip-Zins ca. 4,4–4,9 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % ↗ | stabil seit 17.06.2026 |
| Inflation DE | 2,9 % ↗ | Aug. 2026, Destatis |
| Baupreise | +5,0 % (Mai) ↗ | Neubau YoY, Destatis |
| ETW Ø DE /m² | 3.286 €/m² ↗ | Sept. 2026, immowelt |
Markt & Preise
Klimaanlage gesucht: Der Markt für kühle Wohnungen explodiert
Kleines Randthema, große Chance: Laut Kleinanzeigen stieg die Nachfrage nach klimatisierten Immobilien im Juni und Juli auf 34.700 Suchanfragen – aber kaum Wohnungen oder Häuser mit diesem Ausstattungsmerkmal sind inseriert. Das Angebot fehlt also massiv. Wer renoviert und dabei eine Split-Klimaanlage einbaut, hat beim Verkauf ein echtes Differenzierungsmerkmal. Kosten überschaubar, Wirkung auf Kaufpreis und Vermarktungszeit nicht zu unterschätzen.
Quelle: Haufe Immobilien
Baugenehmigungen H1 2026: Der Boden scheint erreicht
Endlich mal ein paar grüne Zahlen aus dem Wohnungsbau. Die Baugenehmigungen im Neubau lagen im ersten Halbjahr 2026 deutlich über dem Vorjahr: Wohnungen in Wohngebäuden insgesamt +15,8 Prozent, Zweifamilienhäuser sogar +27,3 Prozent. Das klingt gut, hat aber einen Haken: Der deutliche Anstieg hängt auch damit zusammen, dass die Zahl der Baugenehmigungen im Sommer 2025 extrem niedrig war. Basiseffekt also. Trotzdem: Der Markt dreht sich langsam. Für Flipper bedeutet das, dass der Bestand heute noch das knappe Gut ist, morgen aber mehr Konkurrenz durch Neubau droht.
Quelle: Schwäbisch Hall Ratgeber
Renovierung & Bau
Neubau-Preise klettern weiter: +5 Prozent im Mai
Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland sind im Mai 2026 gegenüber Mai 2025 um 5,0 Prozent gestiegen. Im Februar 2026 hatte der Preisanstieg noch 3,3 Prozent betragen. Die Baupreise stiegen im Mai 2026 gegenüber Februar 2026 um weitere 2,4 Prozent. Für Flipper gilt: Neubau ist teuer und wird teurer. Bestandsankauf und Sanierung bleibt der deutlich attraktivere Weg, solange die Einkaufspreise im Bestand moderat bleiben. Aber auch bei der Sanierung ziehen die Kosten an:
- Ausbauarbeiten: +3,8 Prozent (2024/2025)
- Heizungsanlagen und Warmwasser: +4,4 Prozent
- Elektro und Sicherheitstechnik: +5,4 Prozent
Quelle: Destatis
BGH schafft Drei-Angebote-Pflicht in der WEG ab
Wer schon mal in einer Eigentümerversammlung saß und betteln musste, endlich einen Handwerker beauftragen zu dürfen, kann aufatmen. Viele Instanzgerichte hatten die sogenannte Drei-Angebote-Regel als Ausprägung ordnungsmäßiger Verwaltung behandelt und Beschlüsse ohne vorherige Angebotseinholung für anfechtbar gehalten. Der BGH hat mit Urteil vom 27. März 2026 dieser Praxis nun eine klare Absage erteilt. Langjährige Erfahrungen mit bekannten Handwerksbetrieben können dabei wertvoller sein als ein bloßer Preisvergleich – das Gericht bestätigte ausdrücklich, dass die Beauftragung bewährter Firmen ohne Angebotsvergleich ordnungsmäßiger Verwaltung entsprechen kann. Praktisch relevant bei Teilsanierungen im Gemeinschaftseigentum. Entscheidungen müssen aber trotzdem dokumentiert und nachvollziehbar begründet werden.
Quelle: anwalt.de
Giebelwand freigelegt, Schimmel beim Nachbarn: Haftung ohne eigenes Verschulden
Ein Urteil, das Flipper und Abreißer kennen sollten. Wer bei Bau- oder Abrissarbeiten eine gemeinsame Hauswand freilegt, muss sie ausreichend vor Regen schützen. Entstehen wegen fehlenden Schutzes Feuchtigkeits- und Schimmelschäden am Nachbarhaus, kann der Bauherr dafür auch ohne eigenes Verschulden haften – so das OLG Düsseldorf vom 20. Juli 2026. Im konkreten Fall: Die Eigentümer einer Doppelhaushälfte ließen ihr Gebäude abreißen und anschließend ein neues Einfamilienhaus errichten. Dabei wurde die gemeinsame Giebelwand zum Nachbarhaus freigelegt und während eines rund fünfwöchigen Baustopps nicht vor der Witterung geschützt. Konsequenz: Schimmel beim Nachbarn, vier Wochen Baustopp und eine Rechnung über 8.700 Euro. Merke: Vor jedem Abriss mit Giebelwand eine Witterungsschutz-Plane einplanen – und das schriftlich beauftragen.
Quelle: HaustechnikDialog
Finanzen, Recht & Steuern
EZB-Sitzung in 7 Tagen: 98 Prozent Wahrscheinlichkeit für die nächste Erhöhung
Die nächste Sitzung der EZB findet am 10. September 2026 statt. Der Markt macht keinen Hehl daraus, was er erwartet. Laut ecb-watch.eu beträgt die Chance für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte 98 Prozent. Hintergrund: Im Juni 2026 hob die EZB die Leitzinsen überraschend um jeweils 25 Basispunkte an (Einlagenzins neu: 2,25 %), ausgelöst durch einen erneuten Inflationsschub im Euroraum auf aktuell 3,20 Prozent durch geopolitische Verwerfungen im Nahen Osten und stark steigende Energiepreise. Eine weitere Erhöhung im September würde den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent treiben. Das drückt auf Bauzinsen, die ohnehin schon steigen.
Quelle: LBBW
Bauzinsen August: 4,15 Prozent für 10 Jahre, Tendenz weiter oben
Die Zinsluft wird dünner. Laut Baufi24 stieg der durchschnittliche Zins für zehnjährige Darlehen im August von 4,03 auf 4,15 Prozent. Gleichzeitig sank das durchschnittliche Darlehensvolumen erstmals seit Mai 2025 wieder unter 300.000 Euro. Das heißt: Käufer kaufen kleinere Objekte oder strecken das Eigenkapital weiter. Kurzfristige Fix-&-Flip-Finanzierungen auf variablem EURIBOR-Basis bleiben damit weiter unter Druck. Wer noch nicht fixiert hat, sollte das in den nächsten Tagen ernsthaft prüfen.
Quelle: immowelt impuls, Morning Briefing 03.09.2026
Bargeld-Verbot beim Immobilienkauf: Was gilt seit 2023 und was viele noch falsch machen
Nicht neu, aber immer wieder ein Stolperstein. Seit 2023 gelten für die Bezahlung von Immobilien strenge Vorgaben. Wer Bargeld oder andere unzulässige Zahlungsmittel nutzt, kann den Eigentumsübergang verzögern und weitere rechtliche Folgen auslösen. In der Praxis taucht das Problem vor allem bei privaten Verkäufern auf, die Anzahlungen bar entgegennehmen wollen oder glauben, eine Notargebühr „bar regeln" zu können. Das geht nicht mehr. Kaufpreis, Maklerprovision, Nebenkosten: alles muss bankseitig nachvollziehbar fließen. Wer das beim Einkauf nicht im Blick hat, riskiert Verzögerungen beim Grundbucheintrag.
Quelle: immowelt impuls, Morning Briefing 03.09.2026
Fazit
Die nächste Woche ist zinspolitisch entscheidend. Wenn die EZB am 10. September wie erwartet nochmals anhebt, werden Bauzinsen über 4,5 Prozent für 10-jährige Laufzeiten zum neuen Normal. Das trifft die Käuferseite, ist aber für Flipper mit schnellem Exit noch handhabbar, solange die ETW-Preise stabil bis leicht steigen. Kalkuliere mit realistischen Finanzierungskosten – und nicht mit dem Hoffnungswert vom Frühjahr.