Flipper News (15.09.2026) - EZB-Wende, Baupreise +5 %, Zwangsversteigerungen auf Rekordhoch
EZB zieht nach – der Markt war längst schneller
Die EZB hat offiziell nachgezogen, die neuen Sätze gelten seit heute. Doch die Bauzinsen haben die Entscheidung schon vorher eingepreist. Baupreise ziehen wieder kräftig an, das Angebot wächst, und Zwangsversteigerungen erreichen ein Rekordniveau. Was das für deine Kalkulation bedeutet – hier der Überblick.
| EURIBOR 12M | 3,11 % ↗ | Flip-Zins ca. 4,6–5,1 % |
| EZB Leitzins | 2,65 % ↗ | +0,25 Pp. / 10.09. |
| Inflation DE | 2,9 % ↗ | Aug. 2026, Destatis |
| Baupreise | +5,0 % YoY ↗ | Mai 2026, Destatis |
| ETW Ø DE /m² | 3.451 €/m² ↗ | Jun. 2026, Europace |
Markt & Preise
Angebot wächst, Wohnungsnot bleibt: Was der Postbank Wohnatlas wirklich sagt
Das Angebot an Eigentumswohnungen ist zuletzt gewachsen. Laut Postbank Wohnatlas 2026 kommen in den sieben größten Städten im Schnitt 6,8 angebotene ETWs auf 1.000 Einwohner – 13 Prozent mehr als 2024. Bundesweit sind es 3,5 Wohnungen je 1.000 Einwohner, rund acht Prozent mehr als im Vorjahr.
Klingt nach Entspannung, aber Vorsicht ist geboten: Laut Pestel-Institut fehlen in Deutschland nach wie vor 1,4 Millionen Wohnungen. Mehr Angebot in Inseratsportalen heißt nicht weniger Wohnungsnot. Für den Flip bedeutet das: längere Vermarktungszeiten in schwachen Lagen, aber weiter starke Nachfrage in Ballungsräumen. Wer seinen Flip-Exit gezielt plant, hat derzeit trotzdem realistische Chancen.
Quelle: immowelt impuls
Europace-Index: ETW-Preise geben im August leicht nach
Der Europace Hauspreisindex (EPX) zeigte im August 2026 im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg bei den Kaufpreisen für Neubau- und Bestandshäuser. Bei Eigentumswohnungen gab es hingegen einen leichten Preisrückgang. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichneten Neubauhäuser mit einem Plus von 2,82 Prozent den höchsten Anstieg.
Für Flipper ist das interessant: Der kurze ETW-Dip im August schafft möglicherweise einen etwas entspannteren Einkauf, während das Verkaufsniveau mittelfristig stabil bleibt. Dr. Klein erwartet für 2026 im gesamtdeutschen Durchschnitt eine Preissteigerung von 3 Prozent bei Wohnimmobilien. Das Fenster ist da, aber es ist schmal.
Quelle: Schwäbisch Hall
Zwangsversteigerungen 2026: Mehr als 15.000 Objekte erwartet
Argetra erwartet für 2026 mehr als 15.000 zwangsversteigerte Objekte und Verkehrswerte auf Rekordhoch. Damit bietet der Markt Investoren 2026 ungewöhnlich viele Einstiegschancen – trotz oder gerade wegen der Insolvenzkrise.
Das ist ein Segment, das für Fix-&-Flip-Profis direkt relevant ist. Wer Geduld und Liquidität mitbringt und die Bieterdynamik versteht, findet hier Preise unter Markt. Aber Vorsicht: Zwangsversteigerungen sind selten ohne Renovierungsüberraschungen.
Quelle: Haufe
Renovierung & Bau
Baupreise ziehen wieder an: Mai 2026 bringt satte fünf Prozent
Die Entspannung bei den Baupreisen ist endgültig vorbei. Im zweiten Quartal 2026 lag die Steigerung der Baupreise im Vergleich zum Vorjahresquartal bei fünf Prozent. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für den Wohnungs-Neubau in Deutschland im Mai 2026 im Vergleich zum Mai 2025 um 5,0 Prozent gestiegen.
Die Kostentreiber: Ausbauarbeiten verteuerten sich um 5,1 Prozent, Rohbauarbeiten um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer Reno-Budgets auf dem Stand von Februar kalkuliert hat, muss jetzt nachjustieren. Elektro und Heizung sind besonders teuer geworden – das trifft Fix-&-Flip-Projekte direkt in der Marge.
Quelle: Schwäbisch Hall / Destatis
Am Bau läuft es besser, aber die Branche glaubt es kaum
Am Bau geht es bei Umsatz und Aufträgen deutlich nach oben – das spiegelt sich auch in der Belegschaft. Doch die Branche zweifelt, ob sich schon eine echte Trendwende abzeichnet.
Was bedeutet das in der Praxis? Handwerker sind grundsätzlich mehr ausgelastet, aber die Skepsis hält Kapazitäten noch etwas offen. Wer jetzt Handwerker für sein Projekt buchen will, tut das besser früher als später. Das Fenster schließt sich langsam.
Quelle: Handelsblatt
Finanzen, Recht & Steuern
Bauzinsen nach EZB-Entscheid: Der Markt war schneller als Frankfurt
Interessant ist nicht die EZB-Entscheidung selbst – die war erwartet. Interessant ist, was danach passiert. „Die Zinsen sind spürbar gestiegen. Die Top-Kondition für zehn Jahre lag Ende August bei 3,74 Prozent und liegt jetzt bei 4,06 Prozent – das sind 0,32 Prozentpunkte in zwei Wochen. Noch haben nicht alle Banken nachgezogen."
Der Markt hat die EZB also bereits eingepreist, bevor die entschieden hat. Für zehnjährige Zinsbindungen ist in den nächsten 90 Tagen eine Spanne von 4,0 bis 4,4 Prozent effektiv realistisch (bei 60 Prozent Beleihung). Für Flipper mit variablen Brückenfinanzierungen heißt das: Die Kondition von letzter Woche ist heute schon Geschichte. Wer gerade verhandelt, sollte fixieren.
Quelle: Baufivergleich.de
Interhyp September-Update: 4,2 Prozent und Unsicherheit bis Jahresende
Das Interhyp-Bankenpanel macht keinen Hehl draus: Die Prognosen für den Jahresendspurt sind gespalten. Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen liegen aktuell bei knapp 4,2 Prozent.
Kurzfristig bestimmt weiterhin die Lage im Nahen Osten die Zinsentwicklung. Die Konjunkturstimmung hat sich im September weiter verbessert und die Sorgen vor einer Rezession werden trotz erhöhter Energiepreise zurückgedrängt. Für den Flip heißt das konkret: Geopolitik bestimmt den Zinspfad mehr als jede EZB-Pressekonferenz. Wer Anschlussfinanzierungen oder neue Deals plant, braucht einen Puffer in der Kalkulation.
Quelle: Interhyp / finanznachrichten.de
EZB-Pause wahrscheinlich: Mehrheit der Ökonomen erwartet Stillstand bis Mitte 2027
Nach zwei Erhöhungen in Folge dürfte erstmal Ruhe einkehren. Die aktuellen Marktprognosen deuten darauf hin, dass die EZB nach der Zinserhöhung im September 2026 in eine längere Pause gehen könnte. Eine Umfrage unter Volkswirten zeigt, dass die Mehrheit davon ausgeht, dass der Einlagezins bis Mitte 2027 bei 2,50 Prozent gehalten wird.
Für Immobilienkäufer und Flipper ist das eine bedingt gute Nachricht: Was die EZB nicht weiter dreht, treiben die Anleihemärkte. Die Stabilität der Zinsen könnte den Druck auf die Bauzinsen verringern. Wer wartet, wettet auf einen Inflation-Rückgang.
Quelle: Dr. Klein Zinskommentar / finanz-echo.de
Fazit
Der heutige Dienstag ist ein Wendepunkt: Die neuen EZB-Sätze gelten offiziell, der Markt hat aber schon längst reagiert. Baupreise ziehen bei 5 Prozent wieder kräftig an, die Finanzierungsseite wird teurer. Trotzdem gibt es echte Chancen: Das Angebot wächst, Zwangsversteigerungen nehmen zu und einzelne Verkäufer stehen unter Druck. Wer sauber kalkuliert – mit aktuellen Baupreisen (nicht denen vom Frühjahr) und realistischen Finanzierungskosten von 4,0 bis 4,4 Prozent – findet im Herbst 2026 gute Einstiegsgelegenheiten. Wer auf günstigere Zinsen wartet, riskiert, dass die Objekte weg sind, bevor die Konditionen besser werden.