Flipper News (18.09.2026) - Weniger Transaktionen, steigende Bauzinsen, schlechteres Klima
Eine Woche, die es in sich hatte
GEWOS hat frische Transaktionszahlen veröffentlicht, die Bauzinsen drücken wieder auf die 4,25-Prozent-Marke und das Immobilienklima zeigt, was alle schon gefühlt haben. Hier ist die Lage.
| Indikator | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| EURIBOR 12M | 3,31 % ↗ | Flip-Zins ca. 4,8–5,3 % |
| EZB Leitzins | 2,65 % ↗ | +0,25 Pp. / 10.09. |
| Inflation DE | 2,9 % ↗ | Aug. 2026, Destatis |
| Baupreise | +5 % Q2 2026 ↗ | BBSR-Prog. 2,7 % p.a. |
| ETW Ø DE/qm | ca. 3.286 €/qm ↗ | Aug. 2026, immowelt |
Markt & Preise
GEWOS zählt durch: 612.000 Käufe, aber mit Dämpfer
Das Hamburger Forschungsinstitut GEWOS hat seine Jahresprognose für den deutschen Wohnimmobilienmarkt veröffentlicht. Ergebnis: 612.000 Wohnimmobilienkäufe in 2026, das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr, und der Umsatz dürfte um 2,0 Prozent auf knapp 211 Milliarden Euro fallen. Als Hauptgründe nennt GEWOS steigende Baupreise, die allgemeine Teuerung und eine etwas strengere Kreditvergabe der Banken, dazu Sorgen über Kriege und Zollkonflikte.
Interessant für Flipper: Mehrfamilienhäuser könnten dabei leicht zulegen, denn Investoren profitieren von steigenden Mieten. Weniger Käufer im Markt bedeutet weniger Konkurrenz beim Einkauf. Wer jetzt mit Köpfchen einkauft, sitzt beim Verkauf wieder besser da.
Quelle: NWZ Online / dpa (GEWOS-Institut)
Immobilienklima im September: Schlechter als vor einem Jahr
Die Deutsche Hypo ermittelte für September 2026 in ihrer monatlichen Expertenbefragung einen Rückgang des Immobilienklimaindex um 1,1 Prozent auf 80,5 Punkte, was einem Minus von 16,6 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Das Stimmungsbarometer der Branche zeigt klar: Die Profis sind vorsichtig. Das Ertragsklima sank auf 86,6 Punkte, das Investmentklima gab auf 74,6 Punkte nach.
Für Flipper heißt das: Der Markt ist vorsichtiger, Verhandlungsspielräume beim Einkauf werden größer. Wer gute Objekte findet und schnell handeln kann, hat gerade Heimvorteil gegenüber zögernden Großinvestoren.
Quelle: Haufe.de (Deutsche Hypo Immobilienklima)
Erbschaftsteuer und Eigenheim: Ein Urteil, das man kennen muss
Das Finanzgericht Düsseldorf hat entschieden: Für die Erbschaftsteuerbefreiung eines Familienheims reicht die bloße Absicht, eine Immobilie künftig selbst zu bewohnen, nicht aus. Im konkreten Fall hatte ein Ehepaar eine vermietete Eigentumswohnung als späteren Alterssitz vorgesehen. Der Ehemann starb vor dem geplanten Umzug. Die Witwe kündigte wegen Eigenbedarfs und zog selbst ein. Das Gericht versagte trotzdem die Steuerbefreiung.
Maßgeblich sind die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Erbfalls. Der Erblasser muss die Wohnung tatsächlich selbst genutzt haben oder aus zwingenden Gründen daran gehindert gewesen sein. Für alle, die im Bestand auch mit Erbfällen oder Nachlassobjekten zu tun haben: Dieses Urteil lohnt sich zu kennen.
Quelle: Immowelt Impuls (Morning Briefing, 18.09.2026)
Renovierung & Bau
Baugenehmigungen auf Erholungskurs, aber Preise ziehen mit hoch
Die gute Nachricht zuerst: Im Juni 2026 wurden in Deutschland 21.600 Wohnungen zum Bau freigegeben, das entspricht einem Zuwachs von 13,8 Prozent. Die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen legte um 14,1 Prozent zu.
Die weniger gute Nachricht: Im zweiten Quartal 2026 lag die Steigerung der Baupreise im Vergleich zum Vorjahresquartal bei fünf Prozent. Mehr Bautätigkeit und steigende Baupreise gehen gerade Hand in Hand.
- Ausbauarbeiten: +3,8 Prozent
- Heizungsanlagen und Wassererwärmungsanlagen: +4,4 Prozent
Für die Renovierungskalkulation bedeutet das: Puffer einkalkulieren und Handwerkerpreise aktuell einholen, nicht auf alten Angeboten ausruhen.
Quelle: Schwäbisch Hall Ratgeber (Destatis)
Finanzen, Recht & Steuern
Bauzins bei 4,25 %: Interhyp und FMH sehen weiteren Aufwärtsdruck
Die Bauzinsen haben nach der EZB-Erhöhung weiter angezogen. Laut Interhyp liegen die Bauzinsen bei einer zehnjährigen Sollzinsbindung aktuell bei 4,25 Prozent – das ist über dem Hochpunkt des Jahres 2023. Wer kurzfristige Flip-Finanzierungen nutzt, orientiert sich am EURIBOR 12M plus Aufschlag: Das landet aktuell bei rund 4,8 bis 5,3 Prozent.
Die Experten des Interhyp-Bankenpanels sind unentschieden: 50 Prozent rechnen mit weiter steigenden Notierungen, die anderen 50 Prozent mit einer Seitwärtsbewegung. Die FMH-Finanzberatung erwartet sogar eine Annäherung der Bauzinsen an mögliche 4,5 Prozent.
Wer gerade eine Flip-Finanzierung braucht: Konditionen aktiv verhandeln und Banken gegeneinander ausspielen.
Quelle: Interhyp
Mietpreisbremse wird schärfer: Was auf Vermieter zukommt
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will die Mietpreisbremse verschärfen. Vermieter sollen künftig nicht nur Miete zurückerstatten, sondern auch Bußgelder zahlen. Eine Expertengruppe bereitet den Gesetzentwurf vor, Frist ist der 31. Dezember 2026.
Für den klassischen Flip, bei dem nach der Renovierung verkauft wird, ist das nur indirekt relevant. Aber für alle, die Objekte auch zwischendurch vermieten oder einen temporären Mietüberbrückungsplan haben: Das wird ein Thema. Was genau aus dem Entwurf wird, bleibt abzuwarten, aber die Richtung ist klar.
Quelle: Haufe.de
Offene Immobilienfonds unter Druck: Anleiherenditen treiben die Kosten
Steigende Anleiherenditen und Mittelabflüsse setzen offene Immobilienfonds zunehmend unter Druck. Neben der steigenden Bundesschuldenaufnahme und geopolitischen Inflationsrisiken belasten auch Neufestsetzungen für Altkredite nach Ablauf zehn- bis 15-jähriger Zinsbindungen den Markt.
Was das für aktive Investoren bedeutet: Wer in großen Fonds Geld geparkt hatte, sucht jetzt Alternativen. Direkte Immobilieninvestitionen wie Fix & Flip werden für manche wieder interessanter, weil die Renditeerwartungen bei Fonds sinken.
Quelle: Ad-hoc-News (Marktübersicht September 2026)
Fazit
Der Markt sendet ein klares Signal: Weniger Transaktionen, schlechteres Klima, höhere Finanzierungskosten. Das klingt erstmal düster, ist für gut aufgestellte Flipper aber eine echte Chance. Weniger Käufer bedeutet weniger Bieterwettbewerb beim Einkauf. Wer sauber kalkuliert, die gestiegenen Baukosten realistisch einpreist und beim Verkauf auf energieeffizienten, sanierten Bestand setzt, steht auf der richtigen Seite des Marktes. Das Umfeld zieht die Schwachen raus und lässt die Strukturierten ran.