Flipper News (01.08.2026) - Inflation, Bauzinsen, Baupreise und Jung kauft Alt
| EURIBOR 12M | 2,69 % ↗ | Flip-Zins ca. 4,2–4,7 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % → | Zinspause 23.07. |
| Inflation DE | 2,8 % ↗ | Juli 2026 Destatis |
| Baupreise | +5,0 % ↗ | Mai 2026 Destatis |
| ETW Ø DE /qm | 3.451 €/m² ↗ | Bestand, Juni Europace |
Die erste Augustwoche beginnt, und es ist Zeit für den Blick zurück. Eine Woche mit echtem Substanzgehalt: Inflation, Bauzinsen und Förderung haben sich alle gleichzeitig bewegt. Hier kommt die Einordnung.
Was diese Woche wirklich zählte
Inflation springt auf 2,8 % – Energie dreht auf
Die schöne Entspannung bei der Inflation? War leider kurz. Die Inflationsrate in Deutschland wird im Juli 2026 voraussichtlich 2,8 % betragen. Die Verbraucherpreise steigen gegenüber Juni 2026 um 0,8 %. Der Schuldige ist bekannt: Die Preise für Energie steigen gegenüber dem Vorjahresmonat voraussichtlich um 8,3 %. Damit nimmt die Teuerung für Energie im Juli wieder deutlich zu – nach 3,4 % im Juni und 6,6 % im Mai. Kurz: Der Iran-Krieg bleibt der Preistreiber Nummer eins. Und die Kerninflation macht es nicht besser: Sie stieg von 2,5 % auf 2,6 %. Das ist das Gegenteil von Entwarnung.
Quelle: Destatis
EZB hält – aber September ist heiß
Die EZB hat am 23. Juli 2026 eine Zinspause eingelegt. Der Einlagensatz bleibt bei 2,25 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 %. Klingt beruhigend. Ist es aber nur halb. EZB-Präsidentin Christine Lagarde schloss auf der Pressekonferenz eine Zinserhöhung im September nicht aus. Und mit einer Inflation von 2,8 % in Deutschland ist das kein leeres Gerede. Bis Ende 2026 rechnen Analysten noch mit zwei weiteren Zinserhöhungen der EZB auf einen Einlagensatz von 2,75 %. Für Flipper bedeutet das: Die aktuelle Finanzierungspause ist ein Fenster, kein Freifahrtschein.
Quelle: Dr. Klein
Bauzinsen: Fest um die 4 % – und kein Weg zurück nach unten in Sicht
Die Bauzinsen liegen aktuell bei rund 3,6 bis 3,8 % für zehnjährige Zinsbindungen und bewegen sich seit April weitgehend seitwärts. Aber die Bauzinsen haben im Juni 2026 den Aufwärtstrend fortgesetzt. Nach Daten von Baufi24 lag der durchschnittliche Zinssatz für ein Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung bei effektiv 4,06 %. Je nach Beleihungsquote und Bonität geht es schnell über die 4 %. Experten gehen davon aus, dass sich die Bauzinsen im weiteren Verlauf des Jahres 2026 in einem Korridor zwischen 3,8 und 4,0 % bewegen werden. Kein Crash. Aber auch keine Erleichterung. Für die Flip-Kalkulation bleibt das ein harter Gegner auf der Kostenseite.
Quelle: Haufe
Baupreise: +5 % im Mai – die Kehrtwende nach oben
Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude sind im Mai 2026 gegenüber Mai 2025 um 5,0 % gestiegen. Im Februar 2026 hatte der Preisanstieg im Vorjahresvergleich noch 3,3 % betragen. Die Baupreise erhöhten sich im Mai 2026 gegenüber Februar 2026 um 2,4 %. Das ist ein deutlicher Sprung innerhalb weniger Monate. Besonders für Flipper relevant: Die Preise für Ausbauarbeiten lagen im Mai 2026 um 5,1 % über denen des Vorjahresmonats. Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen verteuerten sich um 5,0 %. Wer jetzt Handwerker beauftragt, zahlt spürbar mehr als noch vor einem Jahr. Die Renovierungskalkulation muss das abbilden.
Quelle: Destatis
„Jung kauft Alt" wird ab Montag kräftig aufgepeppt
Die neuen Förderbedingungen gelten ab dem 3. August 2026. Wie die KfW und das Ministerium mitteilen, erhöhen sich die Kreditbeträge:
- Familien mit einem Kind: Förderhöchstbetrag auf 140.000 Euro (bisher: 100.000 Euro)
- Familien mit zwei Kindern: auf 160.000 Euro (bisher: 125.000 Euro)
- Familien mit drei und mehr Kindern: auf 180.000 Euro (bisher: 150.000 Euro)
Dazu gibt es Flexibilität bei der Sanierung: Bisher galt die Vorgabe, das ganze Haus auf das Niveau Effizienzhaus 85 EE zu sanieren. Nun haben Familien die Wahl zwischen dem ganzen Haus oder energetischen Einzelmaßnahmen. Und der Zinssatz ist absurd günstig: Ende Juli 2026 lagen die Zinsen für ein gefördertes Darlehen mit 35 Jahren Laufzeit und 10 Jahren Zinsbindung bei 0,53 %. Für Flipper kein direktes Instrument – aber ein wichtiges Signal: Bestandsimmobilien der Klassen F, G, H bekommen frischen Zulauf an Käufern. Das belebt Nachfrage und Preise in genau dem Segment, in dem Flipper oft einkaufen.
Quelle: Deutsche Handwerks-Zeitung
Investmentmarkt: Stimmung hellt sich auf, Volumen erholt sich
Das Immobilienklima hat sich im Juli 2026 deutlich erholt. In der Monatsbefragung unter rund 1.000 Immobilienexpertinnen und -experten steigt das Deutsche Hypo Immobilienklima gegenüber dem Vormonat um 9,1 % auf 86,6 Punkte. Auch die Transaktionen legen wieder zu: CBRE berichtet für das erste Halbjahr 2026 ein Investmenttransaktionsvolumen in Deutschland von 16,2 Mrd. Euro – ein Plus von 13 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Trotzdem bleibt Vorsicht angebracht: Maklerhäuser beobachten seit Jahresbeginn eine schrittweise Stabilisierung des Investmentmarktes und eine langsam steigende Transaktionsbereitschaft. Gleichzeitig bleibt die Marktliquidität begrenzt, und die Erholung verläuft deutlich langsamer als in früheren Marktzyklen. Besser als nichts. Aber kein Boom.
Quelle: Deutsche Hypo
Mieten: Metropolen ziehen an, aber das Bild ist gemischt
Die Preise für Angebotsmieten in deutschen Städten haben im zweiten Quartal 2026 meist nur noch leicht zugelegt. Doch es gibt Ausnahmen, vor allem abseits der Metropolen. Nach dem vdp-Immobilienpreisindex sind die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal 2026 um 2,2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Neuvertragsmieten für Mehrfamilienhäuser legten im selben Zeitraum mit 3,0 % noch stärker zu – und wuchsen damit spürbar schneller als die Kaufpreise. Mieten steigen schneller als Kaufpreise: Das verbessert die Mietrendite für alle, die jetzt kaufen. Und es erhöht die Attraktivität sanierter Objekte beim Verkauf.
Quelle: Handelsblatt
Fazit
Diese Woche hat das Bild für 2026 noch klarer gemacht: Inflation und Baupreise ziehen an, Bauzinsen bleiben hoch, und der nächste EZB-Schritt im September ist alles andere als ausgeschlossen. Das heißt für Einkauf und Kalkulation: Puffer einbauen, Renovierungskosten realistisch ansetzen und nichts schönrechnen. Die gute Gegenbewegung: Stimmung und Transaktionsvolumen erholen sich, Mieten steigen schneller als Kaufpreise, und „Jung kauft Alt" holt ab Montag neue Käufer für Bestandsobjekte in die Klassen F bis H. Wer in diesem Segment einkauft und sauber saniert, hat strukturellen Rückenwind. Der Markt belohnt Qualität, nicht Masse.