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Flipper News (11.07.2026) - Bestandspreise +3,9 %, EZB-Entscheid am 23. Juli, Baupreisausreißer im Handwerk

Stabilität mit Rissen: Der Immobilienmarkt in der Woche vom 7.–11. Juli 2026

Wer diese Woche die Schlagzeilen gelesen hat, sah auf den ersten Blick wenig Dramatik. Immobilienpreise seitwärts, Bauzinsen leicht gefallen, Inflation weiter rückläufig. Klingt entspannt. Aber unter der Oberfläche brodelt es: Die EZB hat vor einem Monat erstmals seit 2023 die Zinsen erhöht, der Markt rechnet mit weiteren Schritten im Juli, und wer jetzt finanziert, zahlt 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im Frühjahr. Das ist kein Rauschen, das ist ein neuer Trend.

Quelle: Dr. Klein

Markt & Preise

Bestandswohnungen auf Erholungskurs: 3,9 % mehr als letztes Jahr

Der ImmoScout24 WohnBarometer für Q2 2026 bringt frische Zahlen: Bestandswohnungen haben im Jahresvergleich um 3,9 % zugelegt – das ist der zweithöchste Jahresanstieg seit der Zinswende 2022. Der bundesweite Angebotspreis liegt jetzt bei rund 2.645 Euro pro Quadratmeter. In Hamburg und München zogen die Preise am stärksten an, Berlin und Düsseldorf blieben etwas ruhiger. Das Muster bleibt: Wo Menschen hinwollen, steigen die Preise. Für Flipper bedeutet das: Der Exit wird leichter, sofern das Objekt stimmt.

Quelle: asscompact.de / ImmoScout24 WohnBarometer Q2 2026

EPX-Daten für Juni: Kleine Delle, kein Einbruch

Der Europace-Hauspreisindex (EPX) für Juni zeigt ein etwas nüchterneres Bild: Eigentumswohnungen sind im Monatsvergleich leicht gefallen, Bestandshäuser ebenfalls minimal. Europace-Vorstand Stefan Münter spricht trotzdem von „bemerkenswerter Stabilität" und „Seitwärtsentwicklung in nahezu allen Segmenten". Dr. Klein bestätigt: Immobilienpreise im Juni auf Vormonatsniveau, keine Trendumkehr, aber auch kein weiterer Schub. Für Flipper heißt das: Kalkulation mit aktuellen Marktpreisen ist gerade solide planbar.

Quelle: Dr. Klein Immobilienpreise, Juli 2026

Finanzierung & Zinsen

Bauzinsen: Leicht gefallen, aber keine Entwarnung

Nach den Sprüngen durch den Iran-Krieg im Frühjahr haben sich die Bauzinsen in dieser Woche etwas beruhigt. Für 10-jährige Zinsbindungen liegt der Top-Zins aktuell bei rund 3,66 % (Stand 10.07.). Seit Jahresbeginn sind die Zinsen aber insgesamt um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Für Flipper, die in der Regel kürzere Laufzeiten brauchen, gilt: Der Flip-Zins bewegt sich grob zwischen 4,2 und 4,7 %, je nach Bonität und Beleihung. Der Dr. Klein Expertenrat erwartet mittelfristig einen Korridor von 3,3 bis 3,9 % für 10-jährige Kredite – also keine Explosion, aber auch keine Erleichterung in Sicht.

Quelle: Dr. Klein Aktuelle Bauzinsen, 10.07.2026

Nächste EZB-Sitzung: 23. Juli, und alle schauen hin

Am 23. Juli tagt der EZB-Rat das nächste Mal. Ob es eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte gibt, hängt davon ab, wie sich die Inflationsdaten bis dahin entwickeln. Die LBBW rechnet bis Ende 2026 mit zwei weiteren Zinsschritten – also Einlagensatz potenziell auf 2,75 %. Das wäre für Flipper nicht schön, aber auch kein Weltuntergang. Entscheidend ist, ob die Hormus-Entspannung hält oder der Iran-Konflikt erneut eskaliert. Geopolitik bleibt der größte Unsicherheitsfaktor.

Quelle: LBBW Zinsentscheid-Analyse

Inflation & Konjunktur

Inflation auf 2,3 %: Gute Nachricht, aber Kerninflation stört die Party

Destatis hat die finalen Zahlen für Juni 2026 geliefert: Inflation bei 2,3 %, nach 2,6 % im Mai und 2,9 % im April. Der Trend stimmt also. Aber die Kerninflation – also ohne Energie und Lebensmittel – klebt weiter bei 2,5 %. Das ist das Problem: Die Energie-Entspannung dämpft die Gesamtzahl, aber die EZB schaut auf die hartnäckige Basis. Für den Immobilienmarkt bedeutet das: Noch kein Signal für eine Zinssenkung, eher das Gegenteil.

Quelle: Destatis, Inflationsrate Juni 2026, 10.07.2026

Bau & Handwerk

Baupreisindex Q1 2026: Plus 3,3 % zum Vorjahr – Gewerk-Ausreißer beachten

Frische Destatis-Daten aus dem ersten Quartal 2026 zeigen: Der Baupreisindex für den Neubau von Wohngebäuden liegt 3,3 % über dem Vorjahr. Gegenüber 2021 sind Baupreise rund ein Drittel teurer. Besonders teuer geworden sind:

  • Elektro- und Sicherheitstechnik: +5,4 %
  • Zimmer- und Holzbauarbeiten: +5,5 %
  • Heizanlagen inkl. Wärmepumpen: +4,2 %

Für Fix & Flip Kalkulationen bei Renovierungsprojekten gilt: Genau diese Gewerke nicht unterschätzen. Wer schon länger nicht neu offerieren ließ, sollte die Angebote prüfen lassen.

Quelle: Destatis via zukunftkapital.de, Stand April 2026

Berlin baut einfacher: Das neue „Einfach-Bauen-Gesetz" nimmt Form an

Berlin plant ein eigenes Baurecht-Reformpaket: niedrigere Standards beim Schallschutz, schnellere Genehmigungsverfahren, vereinfachter Dachausbau. Das „Einfach-Bauen-Gesetz" ist noch nicht verabschiedet, aber die Richtung ist klar. Weniger Bürokratie beim Aufstocken und Ausbauen ist genau das, was Flipper in einer der teuersten Städte Deutschlands brauchen. Wer in Berlin Projekte hat oder plant, sollte diesen Prozess im Auge behalten.

Quelle: MaklerSieger Marktreport Juli 2026 / firmenpresse.de

Fazit

Was bleibt nach dieser Woche? Der Markt ist stabiler als die Schlagzeilen vermuten lassen, aber er ist nicht entspannt. Preise steigen moderat, Bauzinsen sind raus aus dem Tief vom Jahresbeginn, und die EZB könnte am 23. Juli nachlegen. Für Flipper gilt: Einkaufspreise kritisch prüfen, Renovierungskosten bei den teuren Gewerken aktuell kalkulieren und den Verkaufszeitpunkt nicht zu lang hinauszögern – denn steigende Finanzierungskosten bremsen auch die Käuferseite. Wer solide rechnet und gut einkauft, hat aber nach wie vor ein gutes Umfeld.