Flipper News (16.07.2026) - Kaufpreise, Bauzinsen, KfW 266 & GEG-Pflicht
Markt dreht sich, Zinsen bleiben störrisch – was jetzt zählt
| EURIBOR 12M | 2,69 % ↘ | Flip-Zins ca. 4,2–4,7 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % ↗ | +0,25 Pp. / 11.06. |
| Inflation DE | 2,3 % ↘ | Juni 2026 / Destatis |
| Baupreise | +2,7 % p.a. ↗ | BBSR-Prognose 2026 |
| ETW Ø DE /m² | 3.277 €/m² ↗ | Juli 2026 / immowelt |
Markt & Preise
Halbzeit 2026: Kaufpreise steigen – aber das Tempo zieht die Handbremse an
Dr. Klein hat den Halbzeitbericht gezogen und der zeigt ein klares Bild: Nach den deutlichen Preisbewegungen der vergangenen Jahre hat sich der Markt spürbar beruhigt. Seit Jahresbeginn legten die Preise laut EPX hedonic im Durchschnitt lediglich um rund 0,5 % zu. Beim Einkauf heißt das: mehr Verhandlungsspielraum als noch 2024.
Die Bauzinsen sind wegen des Konflikts im Nahen Osten auf 3,5 bis 4 % gestiegen. Zu Jahresbeginn lagen sie noch bei rund 3 %. Das drückt auf die Nachfrage und gibt Schnäppchenjägern etwas Luft. Der EPX zeigt konkret: Die Preise für Eigentumswohnungen sanken von Mai bis Juni um 273 € auf einen Wert von 286.504 €. Für den Flip gilt: Günstig einkaufen ist gerade realistischer als seit Langem.
Quelle: Dr. Klein
Neubaubedarf gedeckt? Von wegen. Nur 58 %.
Wer Bestand kauft und verkauft, braucht sich um Konkurrenz aus dem Neubau wenig Sorgen zu machen. Struktureller Treiber bleibt ein historisch schwacher Neubau bei hoher Nachfrage. 2026 dürfte der Neubau nur rund 58 % des Bedarfs decken.
Das bedeutet: Kaufpreise liegen Mitte 2026 über Vorjahr, das Tempo flacht aber ab. Q1/2026 plus 1,4 % gegenüber Vorjahr, nach plus 3,2 % im Gesamtjahr 2025. Mieten steigen weiter schneller als die Kaufpreise. Für den Wiederverkauf nach dem Flip bleibt der Rückenwind da – die Nachfrage wird nicht verschwinden.
Quelle: LiquidImmo Marktbericht Juli 2026
Renovierung & Bau
Bauzinsen im Juli: Kurz durchgeatmet, jetzt geht's wieder hoch
Der kurze Entspannungsmoment ist vorbei. Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen sind in den vergangenen Wochen zunächst gesunken. Aufgrund der jüngsten Eskalation im Nahen Osten dürften die Bauzinsen kurzfristig leicht steigen. Konkret: Die aktuellen Bauzinsen liegen im Juli 2026 meist zwischen 3,7 und 4,4 Prozent pro Jahr.
Das Besondere diesmal: Die vorübergehende leichte Entspannung bei den Bauzinsen wurde maßgeblich von der Hoffnung auf eine dauerhafte friedliche Lösung im Iran-Konflikt getragen. Die erneute militärische Eskalation zwischen den USA und Iran sorgt nun für eine neue Dynamik an den Finanzmärkten. Wer gerade eine Finanzierung am Laufen hat: Konditionen sichern, nicht zögern.
Quelle: Interhyp (Stand 14.07.2026)
Baupreise: BBSR sagt +2,7 % für 2026 – aber der Iran-Faktor nagt
Für 2026 wird eine Zunahme um 2,7 % prognostiziert, für 2027 sind es 2,8 %. Das zeigen die aktuellen Prognosen zur Entwicklung der Baupreise, die Kiel Economics Research & Forecasting im Auftrag des BBSR erstellt hat. Das klingt erstmal moderat. Aber: Die übliche Verbesserung von Februar bis Mai ist 2026 ausgeblieben. Die Zukunftserwartungen haben sich aufgrund des Iran-Krieges eingetrübt.
Für die Flip-Kalkulation gilt: Die BBSR-Prognose von 2,7 % ist das Basismodell. Der reale Kostendruck auf der Baustelle kann höher ausfallen – vor allem bei energieintensiven Gewerken wie Heizung und Elektro.
Quelle: BBSR Baupreisprognose
Finanzen, Recht & Steuern
KfW 266 läuft – aber gerade stockt es kurz
Das neue KfW-Programm „Gewerbe zu Wohnen" ist seit dem 1. Juli 2026 am Start und direkt interessant für alle, die leerstehende Büros oder Läden in Wohnraum umwandeln wollen. Unterstützt werden der Umbau und die Umnutzung im Bestand. Für jede Wohnung können Investoren bis zu 30.000 Euro Zuschuss erhalten, insgesamt bis zu 300.000 Euro pro Unternehmen. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.
Kleines Problem gerade: In Folge einer notwendigen technischen Umstellung ist die Erstellung einer „Bestätigung zum Antrag" (BzA) während der vom 09.07. bis zum 20.07.2026 dauernden Umstellungsphase nicht möglich. Wer also schon eine BzA hat, kann sofort beantragen. Alle anderen: ab dem 21. Juli wieder normal.
Und Achtung: Wer bereits einen Vertrag mit einem Handwerker oder Generalunternehmer unterschrieben hat, ist von der Förderung ausgeschlossen. Planung, Architektenleistungen und Energieberatung dürfen dagegen schon gelaufen sein.
Quelle: KfW Programm 266
GEG-Pflicht seit dem 1. Juli: Großstädte müssen liefern
Wer in einer Großstadt über 100.000 Einwohnern saniert oder eine Heizung austauscht, kommt ab sofort nicht mehr an der Regel vorbei: Der 30. Juni 2026 markiert den ersten großen Einschnitt der Reform des Gebäudeenergiegesetzes. In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern dürfen ab diesem Datum nur noch Heizungen eingebaut werden, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
Für den Flipper bedeutet das: Defekte Gasheizung in Frankfurt, Berlin oder Hamburg? Direkt in Richtung Wärmepumpe kalkulieren, nicht mehr auf das alte Gerät hoffen. Alte Öl- und Gasheizungen dürfen zwar weiterlaufen, doch der Markt für fossile Neugeräte wird stark eingeschränkt. Das ist im Einkauf ein Argument für den Preis – im Verkauf ein klares Plus, wenn die neue Heizung schon drin ist.
Quelle: immowelt
EZB am 23. Juli: Kommt die nächste Erhöhung?
In einer Woche tagt die EZB. Die Markterwartung lautet: mindestens eine weitere Erhöhung 2026. Der aktuelle Leitzins liegt bei 2,40 %. Für die EZB gibt es kaum Gründe für weitere aggressive Zinserhöhungen. Zwar ist ein letzter kleiner Zinsschritt nicht völlig auszuschließen, doch insgesamt erwarten Experten eine Stabilisierung der Kapitalmarktzinsen auf dem jetzigen Niveau mit nur geringfügigen Schwankungen.
Das ist keine Entwarnung, aber auch keine Panik. Wer gerade eine Finanzierung strukturiert: Die Sitzung am 23. Juli kommt schnell. Einen Tag vorher fertig sein ist kein schlechter Plan.
Quelle: Kagels Trading / EZB Zinsentscheid 2026
Fazit
Der Markt zeigt 2026 ein stabiles, aber kein einfaches Bild. Kaufpreise steigen moderat, der Neubau fehlt, und die Nachfrage bleibt. Für die zweite Jahreshälfte rechnet Dr. Klein weiterhin mit moderater Preissteigerung. Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen oder andere Ereignisse die Bauzinsen dauerhaft nach oben treiben, könnte sich die Nachfrage abschwächen.
Für den Flipper heißt das konkret:
- Günstig einkaufen ist realistischer als zuletzt.
- Renovierungskosten mit einem Aufschlag auf die BBSR-Basis von 2,7 % kalkulieren.
- Beim Verkauf bleibt der Rückenwind durch die strukturelle Wohnungsnot erhalten.
- Die EZB-Sitzung am 23. Juli ist der nächste wichtige Marker.