Flipper News (23.07.2026) - EZB-Entscheid, Preiskompass Q2, Bau-Lohnparität
Markt mit zwei Gesichtern – und ein EZB-Tag, der zählt
Heute ist ein besonderer Donnerstag: Die EZB entscheidet über die Leitzinsen. Und der Markt zeigt weiterhin sein Gesicht mit zwei Seiten. Hier kommt der Überblick.
| Indikator | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| EURIBOR 12M | 2,69 % ↗ | Flip-Zins ~4,2–4,7 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % ↗ | |
| Inflation DE | 2,3 % ↘ | Juni 2026, Destatis |
| Baupreise | +3,3 % p.a. ↗ | Neubau Q1/2026 |
| ETW Ø DE | 3.277 €/m² ↗ | Juli 2026, immowelt |
Markt & Preise
Preiskompass Q2: Häuser legen zu, Wohnungen folgen hinterher
Der Immobilienmarkt macht weiter, aber gemächlich. Laut dem Interhyp-Preisindex stiegen Bestandswohnungen im Q2 2026 um 1,0 Prozent im Quartalsvergleich, im Jahresvergleich sind es 3,9 Prozent. Immowelt bestätigt das Bild: Einfamilienhäuser verteuerten sich in 14 der 15 größten Städte, in der Spitze um bis zu 4,0 Prozent.
Interhyp-Chef Jörg Utecht spricht von einem Preisverlauf in „Schlangenlinien" und erwartet, dass sich dieses Muster im Jahresverlauf fortsetzt. Für Flipper bedeutet das: Verkaufsseite hält. Aber wer auf dem Einkauf zu wenig drückt, wird's beim Exit merken.
Quelle: interhyp.de
Schlangenlinien beim EPX: Kaufpreise geben im Juni leicht nach
Wer auf Transaktionsdaten schaut statt auf Angebotspreise, sieht ein nüchterneres Bild. Der EPX mean von Europace zeigt: Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sanken von Mai auf Juni um 273 Euro auf 286.504 Euro im Schnitt. Bestandshäuser gaben im selben Zeitraum um rund 4.743 Euro nach.
Europace-Chef Stefan Münter kommentiert das trotzdem positiv: „Wir sehen in nahezu allen Segmenten eine Seitwärtsentwicklung. Das schafft Orientierung und Planungssicherheit." Für Fix & Flip heißt das konkret: Kein Gegenwind beim Verkauf, aber auch kein Rückenwind mehr.
Quelle: drklein.de
Renovierung & Bau
Handwerk: Neubau schlägt Alarm, Sanierung boomt weiter
Im Handwerk läuft nicht alles gleich. Gewerke rund um Reparatur und energetische Sanierung im Bestand – etwa Elektro, Heizung und Sanitär – berichten von guter bis sehr guter Auslastung. Das Handwerk erlebt damit keine flächendeckende Krise, sondern eine Spaltung: konjunktursensible Neubau-Gewerke auf der einen Seite, nachfragestabile Bestandsgewerke auf der anderen.
Für Auftraggeber heißt das: Wer einen Neubau- oder Ausbaubetrieb sucht, findet aktuell tendenziell schneller einen Termin als noch vor zwei Jahren. Bei sinkender Auslastung sind manche Betriebe eher bereit, über den Preis zu verhandeln. Wer also gerade saniert: Jetzt könnten Preisverhandlungen mit Trockenbaueuren und Rohbaubetrieben einfacher sein als noch 2023.
Quelle: work5.de
Ost gleich West: Bau-Lohnparität seit April in Kraft
Eine historische Zäsur, die in der Kalkulation ankommt. Seit April 2026 gelten in der deutschen Bauindustrie erstmals einheitliche Grundlöhne. Rund 930.000 Beschäftigte profitieren von der Angleichung, die auch Ausbildungsvergütungen umfasst. Ost und West erhalten erstmals seit der Wiedervereinigung identische Grundlöhne.
Im Westen stiegen die Löhne pauschal um 3,9 Prozent, im Osten sogar um 5,1 bis 5,3 Prozent, um die volle Parität zu erreichen. Wer in Ostdeutschland Objekte saniert und seine Kalkulation noch auf alten Lohnsätzen aufgebaut hat: nochmal nachrechnen. Der Handwerker aus Sachsen kostet jetzt genauso viel wie der aus Bayern.
Quelle: ad-hoc-news.de
Finanzen, Recht & Steuern
EZB-Zinsentscheid Juli 2026: Pause erwartet, aber September ist heiß
Die EZB entscheidet über die Leitzinsen im Euroraum. An den Finanzmärkten wird überwiegend damit gerechnet, dass die Notenbank den Einlagensatz nach der Erhöhung im Juni bei 2,25 Prozent belässt. Eine Reuters-Umfrage unter 74 Ökonomen ergab Einigkeit: Alle rechneten mit einem unveränderten Einlagensatz. 52 der 74 Ökonomen erwarteten zugleich mindestens eine weitere Erhöhung im laufenden Jahr, wahrscheinlich im September.
Die eigentliche Frage ist also nicht „was passiert", sondern „was Lagarde sagt". Klingt sie hawkish, reagieren die Bauzinsen sofort.
Quelle: ms-aktuell.de
Bauzinsen bei 3,5 Prozent: Schwankend, aber stabil
Nach dem Zinsschock im Frühjahr haben sich die Bauzinsen etwas eingependelt. Die Bauzinsen liegen aktuell (Stand 8. Juli 2026) wieder bei rund 3,5 Prozent. Für die kommenden Monate erwartet Dr. Klein einen moderaten Anstieg bis zum Jahresende. Aufgrund der geopolitischen Lage ist weiterhin mit leichten Schwankungen zu rechnen.
Äußert sich die EZB deutlich besorgter über die Inflation oder hält sie eine weitere Straffung im September für möglich, könnten sich die langfristigen Marktzinsen bereits vor der nächsten Sitzung verändern.
Quelle: drklein.de
BGH präzisiert Einfamilienhaus-Begriff: Für Flipper relevant
Ein kleines Urteil mit konkreter Wirkung auf die Maklerprovision. Ob die zum Kauf vermittelte Immobilie ein Einfamilienhaus ist oder nicht, entscheidet darüber, ob sich Verkäufer und Käufer die Maklerprovision teilen müssen. Was genau unter einem Einfamilienhaus zu verstehen ist, hat der BGH jetzt präzisiert.
Das klingt nach Kleingedrucktem, ist es aber nicht: Wer ein Objekt an einen Eigennutzer verkauft, das von der Einstufung her fraglich ist (Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung?), sollte genau wissen, ob er die Provision teilen muss oder nicht. Eigene Rechtsberatung empfohlen.
Quelle: haufe.de
Sonstiges
CO2-Preis 2027 stabil: Bundesregierung gibt Planungssicherheit
Die Bundesregierung will den nationalen CO2-Preis 2027 stabil halten. Das bedeutet für sanierte Objekte: Der CO2-Druck auf Käufer, die eine schlechte Energieklasse übernehmen, bleibt berechenbar. Kein neuer Schock geplant. Wer Objekte mit Energieklasse D/E/F saniert und auf B oder C hochzieht, hat weiter ein attraktives Verkaufsargument, ohne dass sich die Rahmenbedingungen kurzfristig ändern.
Quelle: haufe.de
Fazit
Der Markt läuft, aber nicht mehr von selbst. Auf der Einkaufsseite gibt es erste Spielräume beim Handwerk, auf der Verkaufsseite keine Preisexplosion mehr. Wer sauber kalkuliert und Lohnkostensteigerungen plus 3,5-Prozent-Zins einpreist, kann immer noch solide Deals machen. Der EZB-Nachmittag ist das Ereignis des Tages – nicht wegen heute, sondern wegen dem Signal für September.