Flipper News (28.07.2026) - Baupreise +5 %, Immobilienklima dreht, Heizpflicht im Bestand
Markt, Baupreise und Zinsen: Was du jetzt wissen musst
Ein frisches Destatis-Update zu den Baupreisen, das kurz wehtut. Dazu: Was die Bauzinsen nach der EZB-Pause machen und warum der Neubau-Zug langsam wieder Fahrt aufnimmt.
| Indikator | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| EURIBOR 12M | 2,69 % ↘ | Flip-Zins ca. 4,2–4,7 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % → | Pause 23.07. / stabil |
| Inflation DE | 2,3 % ↘ | Juni 2026, Destatis |
| Baupreise | +5,0 % (Mai) ↗ | Neubau, Destatis |
| ETW Ø DE /m² | ca. 3.277 €/m² ↗ | Juli 2026, immowelt |
Markt & Preise
Immobilienklima Juli: Stimmung zieht kräftig an
Das Immobilienklima hat sich im Juli 2026 deutlich erholt. In der monatlichen Befragung unter rund 1.000 Immobilienexpertinnen und -experten steigt das Deutsche Hypo Immobilienklima gegenüber dem Vormonat um 9,1 Prozent auf 86,6 Punkte.
Sowohl Ertrags- als auch Investmentklima legten spürbar zu. Mit einem Plus von 10,2 Prozent auf 82,0 Punkte fällt der Zuwachs beim Investmentklima sogar noch stärker aus.
Gut zu wissen: Der Juli-Anstieg wirft dennoch Fragen auf, denn einige Rahmenbedingungen haben sich zuletzt nicht verbessert. Die Renditen an den Kapitalmärkten und die kurzfristigen Zinsen sind tendenziell gestiegen. Gleichzeitig bleiben geopolitische Risiken bestehen und die wirtschaftliche Dynamik bleibt fragil. Kurz: Die Stimmung läuft der Realität etwas voraus. Trotzdem ist ein Stimmungssprung dieser Größe kein Zufall.
Quelle: Deutsche Hypo
Neubau legt zu, B-Städte überholen die Metropolen
Kaufpreise liegen Mitte 2026 über dem Vorjahr, das Tempo flacht aber ab: Q1/2026 plus 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach plus 3,2 Prozent im Gesamtjahr 2025. Mieten steigen weiter schneller als die Kaufpreise, kühlen sich aber ab: Angebotsmieten Q1/2026 plus 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – die niedrigste Rate seit Ende 2021.
Struktureller Treiber bleibt ein historisch schwacher Neubau bei hoher Nachfrage. 2026 dürfte der Neubau nur rund 58 Prozent des Bedarfs decken. Die stärkste Dynamik zeigen dabei B- und C-Städte wie Leipzig und Köln, nicht die teuersten Metropolen.
Für Fix & Flip bedeutet das: Wer in Wachstumsstädten der zweiten Reihe kauft, kauft gerade in die Dynamik hinein.
Quelle: LiquidImmo Marktbericht Juli 2026
Renovierung & Bau
Baupreise springen auf +5,0 %: Destatis liefert unangenehme Zahlen
Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland sind im Mai 2026 gegenüber Mai 2025 um 5,0 Prozent gestiegen. Im Februar 2026, dem vorherigen Berichtsmonat, hatte der Preisanstieg im Vorjahresvergleich noch 3,3 Prozent betragen. Gegenüber Februar 2026 erhöhten sich die Baupreise im Mai 2026 um 2,4 Prozent.
Das ist ein echter Sprung – in nur einem Quartal von 3,3 auf 5,0 Prozent. Das trifft vor allem Kalkulationen für Totalsanierungen, bei denen viel Handwerk drinsteckt.
Für 2026 und 2027 erwarten die Forschungsinstitute moderate Anstiege im Bereich von 2,7 bis 3,6 Prozent pro Jahr. Treiber bleiben die Löhne und die teure Gebäudetechnik. Der Mai-Wert könnte also ein kurzfristiger Ausreißer sein. Aber reinkalkulieren muss man ihn trotzdem.
Quelle: Destatis
65-Prozent-Pflicht jetzt auch im Bestand: Großstädte müssen liefern
Von Juli 2026 an gilt in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern die Pflicht, dass neu eingebaute Heizungen mindestens 65 Prozent ihrer Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugen. Dies gilt sowohl für Bestandsbauten als auch für Neubauten in Baulücken.
Wer also in Frankfurt, München oder Hamburg eine Bestandswohnung saniert und die Heizung anfasst, kommt an der 65-Prozent-Regel nicht mehr vorbei. Solange sie funktionsfähig sind, können alte Öl- und Gasheizungen in Bestandsbauten weiterbetrieben werden – die Regel gilt nur beim Einbau einer neuen Anlage. Trotzdem: Bei Flips im Großstadtbestand gehört die Heizungsfrage jetzt von Tag eins auf die Checkliste.
Quelle: sanier.de
Finanzen, Recht & Steuern
Bauzinsen im Juli: Ruhig, aber der Trend zeigt nach oben
Die Bauzinsen haben sich im Juli 2026 kaum verändert und dürften stabil bleiben. Bei der Sitzung am 23. Juli 2026 hat der EZB-Rat die Leitzinsen nicht verändert. Der wichtigste Euro-Leitzins, der Zinssatz für Einlagen, liegt weiter bei 2,25 Prozent.
Zinsexperte Florian Pfaffinger ordnet die Lage so ein: „Dass die Zinsen im zweiten Halbjahr 2026 nochmal deutlich fallen, halte ich für extrem unwahrscheinlich."
Kurzfristig bleiben die Bauzinsen nach Einschätzung von Finanztip stabil oder dürften weiter leicht sinken – sie reagieren aber sensibel auf die Lage im Nahen Osten und auf neue Inflationsdaten. Die Botschaft: Jetzt ist kein Moment, auf deutlich bessere Konditionen zu warten. Wer ein gutes Objekt hat, finanziert es heute.
Interhyp-Studie: Eigenkapital-Aufbau dauert doppelt so lang wie gedacht
Die aktuelle Interhyp-Leistbarkeitsstudie 2026 zeigt eine klare Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität: 54 Prozent der Kaufinteressierten glauben, in maximal fünf Jahren ausreichend Eigenkapital ansparen zu können. Tatsächlich brauchten 65 Prozent der Käuferinnen und Käufer länger als fünf Jahre – 33 Prozent sogar zehn Jahre oder mehr.
Was bedeutet das für den Markt? Weniger Konkurrenz durch Eigennutzer bei Objekten, die Eigenkapital voraussetzen. Eigenkapital ist gerade im aktuellen Zinsumfeld ein enorm wichtiger Hebel. Wer als Flipper ein funktionierendes Netzwerk an Finanzierungspartnern hat, steht damit strukturell besser da als der durchschnittliche Kaufinteressent.
Quelle: Interhyp
Fazit
Der Mai-Baupreissprung auf 5,0 Prozent tut weh und muss in jede Renovierungskalkulation rein. Gleichzeitig zeigt das Immobilienklima nach oben und das Preisniveau für Bestandswohnungen bleibt stabil bis leicht steigend. Für den Einkauf heißt das: Gute Objekte in B-Städten mit Sanierungspotenzial sind gerade attraktiv, weil die Stimmung dreht und das Angebot knapp bleibt. Beim Verkauf läuft der Markt noch nicht heiß, aber er läuft. Wer sauber kalkuliert und die gestiegenen Handwerkerkosten realistisch ansetzt, ist auf der sicheren Seite.