Flipper News (29.08.2026) - Bauzinsen, Inflation, Insolvenzen, Berliner Markt & BGH-Urteil
Wochenrückblick: Die großen Themen der letzten Woche
| Indikator | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| EURIBOR 12M | 2,99 % ↗ | Flip-Zins ~4,5–4,9 % |
| EZB Leitzins | 2,40 % → | seit 11.06. / Pause Juli |
| Inflation DE | 2,8 % ↗ | Juli 2026, Destatis |
| Baupreise | +3,3 % p.a. ↗ | Q1/2026, Destatis |
| ETW Ø DE /m² | 3.451 €/m² ↗ | Bestand Juni, Europace |
Eine Woche mit ein paar echten Überraschungen liegt hinter uns. Hier sind die wichtigsten Bewegungen sortiert und eingeordnet – und was das für die nächsten Wochen bedeutet.
Bauzinsen auf Klettertour: 4,5 % rücken näher
Der Basis-Bauzins liegt aktuell über 4 % (4,10 % am 18. August). Baufinanzierungsexperte Max Herbst von FMH geht Ende August davon aus, dass sich die Bauzinsen um weitere 0,25 bis 0,50 Prozentpunkte verteuern könnten, was einen möglichen Effektivzins von rund 4,50 % bedeuten würde.
Konkret liegen die Bauzinsen in der zweiten Augusthälfte meist zwischen 4,0 und 4,6 % pro Jahr, aktuell sind sie stabil.
Für Flipper heißt das: Die Finanzierungskosten bleiben das schärfste Werkzeug in der Kalkulation. Wer günstige Konditionen sieht, schlägt zu. Warten zahlt sich gerade nicht aus.
Quelle: fmh.de
Inflation zieht wieder an: Sprit schlägt Stimmung
Die Inflation in Deutschland ist im Juli 2026 auf 2,8 % gestiegen, nach 2,3 % im Juni. Größter Preistreiber ist Energie: Kraftstoffe verteuerten sich binnen Jahresfrist um 23 %, allein gegenüber Juni um 11,2 %. Dahinter stehen steigende Ölpreise infolge des Iran-Kriegs und das Ende des staatlichen Tankrabatts.
Die Kerninflation liegt dagegen bei 2,4 %. Der Energieschock ist also kein breiter Preisdruck, sondern fast ausschließlich Sprit. Für Renovierungsbetriebe und Handwerkereinsätze gilt: Fahrtkosten werden teurer. Das muss in die Kalkulation rein.
Quelle: destatis.de
Insolvenzen im Ausbaugewerbe: Die Welle kommt unten an
Die Zahl der Insolvenzen in der deutschen Immobilienwirtschaft ist im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal über alle Umsatzklassen hinweg um 13,5 % auf 554 Fälle gestiegen. Während sich der Markt für Großunternehmen bereits bereinigt hat, erfasst die Pleitewelle jetzt das Ausbaugewerbe und Gebäudedienstleister.
Gleichzeitig gingen die Verfahren bei Unternehmen mit mehr als 10 Millionen Euro Jahresumsatz um rund 31 % zurück.
Das Muster ist eindeutig: Die großen Entwickler und Bauträger haben das Tal schon durchquert. Jetzt trifft es kleinere Handwerker und Servicebetriebe. Für Flipper: Vorsicht bei der Vergabe. Wer zu billig bietet, ist vielleicht nicht mehr da, wenn die Rechnung kommt.
Quelle: haufe.de
Berliner Mietmarkt dreht sich: Kaufpreise steigen, Mieten bröckeln
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete der Berliner Mietwohnungsmarkt eine leichte Korrektur. Die Median-Angebotsmieten für Neuvermietungen sanken um 4,3 % auf 18,66 €/m².
Für Bestandswohnungen stiegen die Kaltmieten im Schnitt dagegen um 12,2 % auf 14,53 €/m². Bei den Angebotspreisen für Eigentumswohnungen verzeichnet Berlin mit einem Plus von 2,5 % den stärksten Anstieg unter den fünf größten deutschen Städten.
Kurz gesagt: Der Berliner Markt ist zweigeteilt. Wer saniert und verkauft, hat Rückenwind. Wer inseriert und neu vermieten will, kämpft gegen sinkende Angebotsmieten.
Quelle: JLL Deutschland
Empirica-Blasenindex Q2 2026: Rasender Stillstand am Markt
Der Empirica-Blasenindex für das zweite Quartal 2026 zeigt einen leichten Rückgang um einen Punkt. Grund ist, dass die Mieten aktuell stärker steigen als die Kaufpreise, wodurch sich die Preiskluft verringert. Ein hohes Risiko besteht weiterhin in Hamburg und Bremen, ein eher hohes in Berlin, München, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart, Leipzig und Dresden.
Empirica-Vorstand Reiner Braun spricht von einem „rasenden Stillstand". Der Marktdruck wachse zwar, ein Preissturz bleibe aber aus, solange das Angebot durch die schwache Bautätigkeit knapp bleibe.
Für Flipper ist das eine gute Nachricht: Kein Crash in Sicht, aber auch kein leichtes Spiel. Wer sorgfältig einkauft, hat ein tragfähiges Fundament.
Quelle: immowelt impuls
Studentenwohnungen als neues Lieblings-Asset der Investoren
Laut einer Studie von JLL wurden im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland Studentenwohnungen im Wert von rund 200 Millionen Euro gehandelt. Weitere Geschäfte über etwa 400 Millionen Euro sowie größere Immobilienpakete im Wert von rund zwei Milliarden Euro befinden sich in Verhandlung.
Haupttreiber der Nachfrage sind internationale Studierende, die mittlerweile 30 % aller Studienanfänger ausmachen. Die durchschnittliche Monatsmiete in den sieben Metropolen liegt bei 988 Euro, die Rendite für hochwertige Objekte stabil zwischen 4,1 und 4,4 %.
Kein klassisches Fix-und-Flip-Thema, aber interessant: Kleine Einheiten in Unistädten laufen. Wer dort aufteilt und einzeln verkauft, trifft auf satten institutionellen Rückenwind.
Quelle: JLL / immowelt impuls
BGH-Urteil: Exposé-Angaben können teuer werden
Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs verdeutlicht die Haftungsrisiken bei Angaben in Maklerexposés. Auch wenn Beschaffenheitsvereinbarungen im Notarvertrag fehlen, haften Verkäufer für öffentlich zugesicherte Eigenschaften, sofern arglistig gehandelt wurde. Der BGH hat damit seine Rechtsprechung zur Haftung für Exposé-Angaben beim Immobilienkauf präzisiert.
- Beschreibungen im Maklerexposé stellen zwar nicht automatisch eine vertragliche Beschaffenheitsvereinbarung dar, wenn sie nicht explizit im Notarvertrag stehen.
- Dennoch zählen sie zu den öffentlichen Äußerungen, die Käufer erwarten dürfen.
- Ein pauschaler Gewährleistungsausschluss greift bei Verbrauchergeschäften nicht, wenn der Verkäufer oder der beauftragte Makler Mängel verschweigt oder falsche Angaben macht.
Was das für den Flipper bedeutet: Beim Wiederverkauf alles sorgfältig und korrekt formulieren. Was ins Exposé kommt, gilt. Im Zweifel: Anwalt drüberschauen lassen.
Quelle: immowelt impuls
Fazit
Die Woche zeigt das Bild, das den ganzen Sommer 2026 prägt: Der Markt zieht an, aber das Umfeld macht es nicht leichter. Inflation auf 2,8 %, Bauzinsen auf dem Weg Richtung 4,5 %, Ausbaubetriebe in der Pleitewelle. Wer jetzt kauft, muss die Kalkulation sauberer machen als je zuvor. Günstig einkaufen ist das A und O. Wer ein gutes Objekt zu vernünftigem Preis findet, hat immer noch einen soliden Markt vor sich.
Alle sieben beobachteten Indizes registrieren im zweiten Quartal 2026 einen Anstieg der Immobilienpreise – die Werte bewegen sich zwischen 0,1 % und 1,27 % im Vergleich zu Q1 2026.
Nächste Woche lohnt sich ein Blick auf den Inflationsvorabwert für August, der am 31. August erscheint: Das wird zeigen, ob der Energieschock weiter eskaliert oder bereits seinen Höhepunkt hatte.