Immobilien Update mit Profis: Meine Eindrücke vom Immokongress 2025
Zwei Tage Immokongress in Augsburg, über 2.500 Menschen, jede Menge Gespräche und echte Einblicke in das, was Immobilienprofis gerade kaufen, planen und umsetzen. In dieser Folge nimmst du Johannes mit hinter die Kulissen eines der größten Immobilien-Events in Deutschland und lernst Investoren, Flipper und Einsteiger kennen, die alle eines gemeinsam haben: Sie handeln, statt zu warten.
Der Immokongress in Augsburg: Treffpunkt der Immobilienbranche
Der jährliche Immokongress in Augsburg zieht Jahr für Jahr die aktive Immobilienszene Deutschlands an. Über 2.500 Teilnehmer waren in diesem Jahr dabei, darunter erfahrene Bestandshalter, aktive Fix-and-Flip-Investoren, Makler, Projektentwickler und Einsteiger, die gerade ihren ersten Deal vorbereiten. Johannes war zwei Tage lang vor Ort, hat Vorträge mitgenommen, Interviews geführt und das gesammelt, was auf keinem Seminar steht: echte Zahlen, echte Projekte, echte Menschen.
Das Format des Events macht es besonders wertvoll. Neben Bühnenvorträgen von bekannten Namen der Szene, unter anderem Nils Eifler und Marco Mattes, entstehen die wichtigsten Gespräche oft abseits der Bühne. Beim Kaffee, beim Mittagessen, in den Gängen zwischen den Ausstellerständen. Genau dort hat Johannes seine Kamera gezückt und Menschen gefragt, was sie wirklich beschäftigt.
Steffen, 22 Jahre, Fluggerätmechaniker: Der erste Flip aus Augsburg
Einer der ersten Interviewpartner ist Steffen Koch, 22 Jahre alt, von Beruf Fluggerätmechaniker. Er hat kurz vor dem Kongress seine erste Eigentumswohnung in Augsburg angekauft und will sie renovieren und anschließend weiterverkaufen. Klassischer Fix-and-Flip-Ansatz, für den er sich bewusst entschieden hat.
Warum nicht einfach Bestand aufbauen oder eine Gehaltserhöhung anstreben? Steffens Antwort ist klar: Er will sich etwas Eigenes aufbauen, und Fix and Flip bietet ihm den kurzfristigen Cashflow, den er aktuell braucht. In sechs bis neun Monaten will er sein eingesetztes Kapital zurückhaben und die angestrebte Marge von 15 bis 20 Prozent eingestrichen haben.
Wie er die Wohnung gefunden hat? Online, über einen Makler. Das Inserat war nach wenigen Stunden wieder offline, die Besichtigung hatte rund 50 Interessenten. Den Zuschlag hat er bekommen, weil er gut vorbereitet war und einen guten Draht zum Makler aufgebaut hat. Finanziert hat er das Ganze klassisch über eine Bank, die er vorab unabhängig vom konkreten Objekt kontaktiert hatte. Eine wichtige Lektion, die Johannes immer wieder betont: Bonität und Finanzierbarkeit vorab klären, bevor du auf die Suche gehst.
Sina und Dania: Vom klassischen Flip zum Schleckermarkt-Projekt
Das nächste Interview führt Johannes mit Sina, Geschäftsführerin der Haus und Finanzwerk GmbH, und ihrer Geschäftspartnerin Dania. Die beiden arbeiten Hand in Hand: Sina übernimmt den Vertrieb als Maklerin und Finanzierungsvermittlerin, Dania kümmert sich um den Ankauf und die Renovierung der Objekte. Was sie zuletzt gekauft haben, ist alles andere als gewöhnlich.
Statt der üblichen Eigentumswohnung haben sie ein größeres Areal mit Bestandsgebäuden erworben, darunter ein seit über elf Jahren leer stehender ehemaliger Schleckermarkt. Der Plan: Das Vordergebäude revitalisieren, den Schlecker-Leerstand umnutzen und auf dem dahinterliegenden Grundstück neue Eigentumswohnungen bauen. Das ist kein klassischer Fix and Flip mehr, sondern ein Bauträgerprojekt mit deutlich mehr Kapitalbedarf und längerer Projektlaufzeit.
In der Pipeline haben sie zusätzlich ein Messy-Reihenhaus, das als nächstes angegangen wird. Johannes hat sich gleich eine Einladung zum Ausräumen gesichert.
Matthias: Grundstück, vier Einfamilienhäuser und Off-Market-Vertrieb
Matthias ist in der Region Augsburg als Immobilienmakler bekannt und investiert gleichzeitig selbst. Sein aktuelles Projekt ist ein Grundstück, auf dem vier Einfamilienhäuser geplant und jetzt in der Vermarktung sind. Was ihn von vielen anderen unterscheidet: Er hat das Grundstück erst spät offiziell erworben, war aber von Anfang an in die Planung eingebunden. Das bedeutet, er konnte früh mit der Entwicklung starten und hatte trotzdem lange die Liquidität auf seiner Seite.
Als nächstes hat er ein Mehrfamilienhaus im Visier. Parallel dazu betreibt er eine Strategie, die im Fix-and-Flip-Bereich besonders effizient ist: Kleine Wohnungen im Segment 1-Zimmer ankaufen, sanieren und über Off-Market-Vertrieb direkt an Kapitalanleger weiterverkaufen. Kein öffentliches Inserat, kein Preisdruck durch Vergleichsobjekte auf den Portalen, dafür ein eingespieltes Netzwerk aus Käufern, die auf das nächste Objekt warten.
Alexander: Zwei-Zimmer-Wohnung für 200.000 Euro, gestern gekauft
Alexander bezeichnet sich selbst als Real Estate Concierge und High-End-Bauchladen. Was etwas verspielt klingt, ist in der Praxis ein klassisches Flipping-Geschäft: Wohnungen kaufen, aufwerten, verkaufen. Er ist spezialisiert auf Kapitalanleger als Zielgruppe und konzentriert sich deshalb bewusst auf Wohnungen statt auf Einfamilienhäuser, weil Einfamilienhäuser schwieriger an Kapitalanleger zu vermitteln sind.
Was er zuletzt gekauft hat? Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Region Augsburg für rund 200.000 Euro, buchstäblich am Tag vor dem Kongress. Die Kaufpreisfälligkeit steht noch aus, danach startet die Sanierung. In den nächsten drei Wochen hat er außerdem drei Angebote draußen für weitere Wohnungen im Bereich 60 bis 80 Quadratmeter. Sein Fokus ist klar definiert, sein Radius ist überschaubar, sein Netzwerk funktioniert.
Mika und Jan: Zwei Brüder, eine GbR und die Erfahrung aus dem Handwerk
Einer der sympathischsten Momente des Videos ist das Interview mit den Brüdern Mika (21) und Jan (23), die gerade dabei sind, ihre GbR für Fix and Flip zu gründen. Der Name: SMJ Immobilien. Beide studieren noch in Österreich, beschäftigen sich aber seit über einem Jahr ernsthaft mit dem Thema Immobilieninvestment.
Was sie mitbringen ist ein echter Vorteil im Fix-and-Flip-Geschäft: Mika hat eine Ausbildung als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik abgeschlossen. Das bedeutet bei den ersten Projekten erhebliche Kosteneinsparungen, weil viele Gewerke selbst übernommen werden können. Ihr Plan ist es, mit kleinen Wohnungen zu starten und nicht sofort in ein Einfamilienhaus einzusteigen. Die Akquise läuft über Immobilienportale, Zeitungsinserate für ältere Verkäufer und gezielte Flyeraktionen in den Ziellagen.
Finanziert werden die ersten Projekte über ein privates Darlehen des Vaters, was ihnen ermöglicht, die ersten ein bis fünf Deals ohne Bankabhängigkeit zu gestalten und eigenen Cashflow aufzubauen, bevor sie den Weg über klassische Bankfinanzierung gehen.
Tomic und Rafael: Erster Flip mit 20.000 Euro Verlust, zweiter Flip mit 300.000 Euro Gewinn
Das ausführlichste und inhaltlich reichste Interview führt Johannes mit Tomic und Rafael von der Magnolia Gruppe. Tomic ist sowohl Bestandshalter als auch Immobilienhändler und hat sich zusätzlich auf Bestandsoptimierung spezialisiert: Er geht gemeinsam mit Rafael zu Mietern, verhandelt Mietanpassungen und begleitet Investoren bei sozialverträglicher Endmietung. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Im Durchschnitt erzielen sie 30 bis 40 Prozent Mietsteigerung, der Rekord liegt bei 112 Prozent Mieterhöhung an zwei Wohnungen in Augsburg.
Rafael erzählt die Geschichte seines ersten Flips, die als Warnung und Motivation zugleich dienen kann. Das Objekt war ein Einfamilienhaus in Nauen bei Berlin, der Deal war notariell beurkundet, ein Co-Investor war eingebunden. Das Problem: Die Eigentümerin war nicht mehr entscheidungsfähig, die Tochter hatte keine vollständige Vollmacht, und das zuständige Familiengericht arbeitete langsam. Als es endlich aktiv wurde, lagen neue Bodenrichtwerte vor, der Deal wurde nicht genehmigt. Das Ergebnis: 20.000 Euro Verlust durch die Mindestverzinsung für den Co-Investor.
Was danach kam, zeigt, warum Durchhalten im Immobiliengeschäft entscheidend ist. Der zweite Flip im Speckgürtel von Berlin lief deutlich besser. Einfamilienhaus für 220.000 Euro gekauft, Gesamtkosten unter 300.000 Euro, Verkaufspreis: 590.000 Euro. Ein Gewinn von etwa 300.000 Euro auf einem einzigen Deal. Rafael beschreibt den Moment als das Gefühl, das System geknackt zu haben.
Gemeinsam halten Tomic und Rafael heute acht Mehrfamilienhäuser in einer gemeinsamen Gesellschaft. Rafaels erster persönlicher Deal war 2018 eine Messie-Wohnung in Berlin Wedding, die er über eine Zwangsversteigerung erworben hat, unbesehen, für 2.000 Euro pro Quadratmeter. Die Geschichte, wie sie den Messie-Mieter angetroffen und die Wohnung wieder bewohnbar gemacht haben, gibt es in der nächsten Folge.
Was du aus zwei Tagen Immokongress mitnehmen kannst
Events wie der Immokongress in Augsburg sind keine Informationsveranstaltungen im klassischen Sinne. Das Wissen, das auf der Bühne vermittelt wird, findest du auch in Büchern, Podcasts und YouTube-Videos. Was du dort nicht findest, ist der direkte Kontakt zu Menschen, die gerade mitten in einem Deal stecken, die ihren ersten Flip vorbereiten oder die aus einem Misserfolg gelernt haben und trotzdem weitergemacht haben.
Drei Dinge, die sich durch alle Interviews in diesem Video ziehen:
- Geschwindigkeit entscheidet. Steffen hatte beim Kauf seiner Augsburger Wohnung 50 Mitbewerber und hat trotzdem den Zuschlag bekommen. Wer schnell reagiert, gut vorbereitet ist und den Makler ernst nimmt, hat einen echten Vorteil.
- Spezialisierung zahlt sich aus. Alexander kauft nur Wohnungen zwischen 60 und 80 Quadratmetern für Kapitalanleger. Matthias verkauft kleine Wohnungen ausschließlich über sein Off-Market-Netzwerk. Wer seinen Markt kennt, braucht keine Portale.
- Rückschläge gehören dazu. Rafaels erster Deal hat 20.000 Euro Verlust gemacht. Sein zweiter Deal hat 300.000 Euro Gewinn gebracht. Der Unterschied war nicht Glück, sondern das Weitermachen.
Fix and Flip ist kein Selbstläufer, aber es ist ein Geschäft, das funktioniert, wenn du es systematisch angehst. Ob du 22 Jahre alt bist wie Steffen, mit deinem Bruder eine GbR gründest wie Mika und Jan oder bereits mehrere Mehrfamilienhäuser im Bestand hast wie Tomic und Rafael, der Kongress zeigt: Die Bandbreite der Menschen, die in diesem Markt aktiv sind, ist enorm. Und der Markt bietet Platz für alle, die bereit sind, sich reinzuarbeiten.