Immobilienakquise 2.0 | Flyer: Mythos, Fleißarbeit oder Quatsch?
Flyer verteilen und auf Anrufe warten, funktioniert das noch als Akquisestrategie für Immobilien? Johannes ist wieder direkt vor Ort auf Akquise und erklärt ehrlich, warum Flyer alleine nicht mehr ausreichen, was wirklich dahintersteckt und wie du heute als Immobilieninvestor an gute Off-Market-Deals herankommst.
Warum Flyer allein 2025 nicht mehr funktionieren
Viele, die gerade mit Fix and Flip oder Immobilienakquise anfangen, setzen auf Flyer als erste und einzige Strategie. Das Prinzip klingt simpel: Flyer drucken, in Briefkästen stecken, auf Anrufe warten, Deals machen. Doch die Realität sieht anders aus. Johannes bekommt regelmäßig Nachrichten von Leuten, die berichten, sie hätten 1.000 oder 2.000 Flyer verteilt und keinen einzigen Anruf erhalten. Das ist kein Einzelfall, das ist die Regel.
Der Grund dafür ist einfach: Der Immobilienmarkt in Deutschland hat sich grundlegend verändert. Während vor zehn Jahren 500 verteilte Flyer noch fünf Rückrufe generieren konnten, ist das heute kaum noch realistisch. Jeder will eine Immobilie haben, der Wettbewerb um Verkäufer ist enorm gestiegen, und die Eigentümer werden von allen Seiten angesprochen. Ein Flyer im Briefkasten fällt da schlicht nicht mehr auf.
Das bedeutet nicht, dass Flyer komplett wertlos sind. Sie sind ein Werkzeug unter vielen, aber eben nur eines. Wer ausschließlich auf Flyer setzt und hofft, damit sein komplettes Dealflow abzudecken, wird enttäuscht werden.
Flyer als Teil einer größeren Akquisestrategie
Johannes beschreibt seine eigene Vorgehensweise als einen Mix aus etwa fünf verschiedenen Akquisetechniken gleichzeitig. Flyer sind dabei eine davon, aber bei weitem nicht die wichtigste. Die Palette sieht in etwa so aus:
- Makler ansprechen: Direkter Kontakt zu lokalen Maklern, die über Off-Market-Objekte oder bevorstehende Listings informieren können.
- E-Mail-Blasts: Gezielte Anschreiben an Eigentümer oder relevante Kontakte, zum Beispiel aus öffentlichen Registern oder eigener Datenbank.
- Netzwerken im Alltag: Johannes nennt als konkretes Beispiel sein Fitnessstudio. Dort stehen regelmäßig Baustellenfahrzeuge vor der Tür. Wer die Handwerker einfach anspricht und fragt, ob sie von Objekten wissen oder selbst etwas zu verkaufen haben, baut sich so ein Netzwerk auf, das mittel- und langfristig Früchte trägt.
- Tippgeber-Provision: Handwerker, Hausmeister, Verwalter oder andere Personen, die nah an Immobilien dran sind, können mit einer Tippgeber-Provision motiviert werden, Hinweise auf Kaufgelegenheiten weiterzugeben.
- Flyer: Als ergänzende Maßnahme, vor allem in gezielten Straßenzügen oder Wohnblöcken, die zum gesuchten Profil passen.
Die Kombination dieser Kanäle ist entscheidend. Wer nur eine einzige Methode verfolgt, macht sich abhängig von deren Erfolgsquote und die ist bei jedem einzelnen Kanal gering.
Was wirklich zählt: Fleißarbeit und Netzwerkbereitschaft
Johannes ist an diesem Punkt sehr direkt: Wer netzwerkfaul ist, wer Scheu vor dem Ansprechen von fremden Menschen hat oder wer grundsätzlich wenig Kontakt zur Außenwelt sucht, wird es in der Immobilienakquise schwer haben. Das gilt besonders in Zeiten, in denen die einfachen, passiven Methoden wie Flyer kaum noch Wirkung zeigen.
Akquise ist Arbeit. Sie erfordert Ausdauer, ein gewisses Maß an Extraversion und die Bereitschaft, auch nach vielen erfolglosen Versuchen weiterzumachen. Der entscheidende Gedanke dabei: Du brauchst nicht hundert Anrufe. Du brauchst zwei. Zwei Anrufe, zwei Projekte pro Jahr, und du kannst gut davon leben. Das klingt wenig, bedeutet aber, dass jede einzelne Aktion, jeder verteilte Flyer, jedes Gespräch im Gym potenziell ausreicht, um dein nächstes Projekt zu landen.
Dieses Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis ist wichtig zu verstehen. Die meisten Flyer werden nie zu einem Deal führen. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass die Strategie falsch ist. Es ist schlicht die Realität der Akquise. Ein einziger Anruf kann ein Projekt bedeuten, das dich sechs Monate beschäftigt und dir am Ende einen ordentlichen Gewinn einbringt.
Die richtige Erwartungshaltung bei der Flyer-Akquise
Ein häufiger Fehler ist, nach der ersten Charge von 1.000 Flyern ohne Rücklauf aufzugeben oder die Methode komplett abzuschreiben. Johannes empfiehlt, nicht enttäuscht zu sein, wenn die ersten 1.000 oder sogar 2.000 Flyer keinen einzigen Rückruf produzieren. Das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall.
Was hilft, ist eine realistische Einschätzung dessen, was Flyer leisten können und was nicht:
- Flyer erzeugen Sichtbarkeit in einem bestimmten geografischen Bereich.
- Sie funktionieren am besten in Kombination mit anderen Maßnahmen, die zur gleichen Zeit laufen.
- Die Rücklaufquote ist gering, aber ein einziger qualifizierter Kontakt rechtfertigt den Aufwand.
- Wer den Flyer-Text und das Design nicht sorgfältig durchdenkt, verschenkt Potenzial. Der Inhalt muss klar kommunizieren, was der Eigentümer davon hat, sich zu melden.
Johannes gibt auch offen zu, dass er die Flyer-Verteilung nicht immer selbst übernimmt. Oft delegiert er diese Aufgabe an Studenten oder andere Personen. Das spart Zeit und erlaubt es ihm, sich auf die Kanäle zu konzentrieren, die seine persönliche Präsenz erfordern, also Gespräche, Netzwerken und Makler-Kontakte.
Der Spruch, der alles auf den Punkt bringt
Johannes zitiert in diesem Zusammenhang einen Grundsatz, der im Vertrieb und in der Akquise immer wieder auftaucht: Langsam ist der schnellste Weg. Wer sofortige Ergebnisse erwartet und bei ausbleibender Wirkung die Methode wechselt, baut nie eine funktionierende Akquisemaschinerie auf. Wer hingegen konsequent und mit realistischen Erwartungen verschiedene Kanäle bespielt und dabei Geduld mitbringt, wird mittel- und langfristig die besseren Ergebnisse sehen.
Das gilt besonders im Fix-and-Flip-Bereich. Hier geht es nicht darum, jeden Monat ein neues Objekt zu kaufen. Zwei solide Projekte pro Jahr mit guter Marge sind ein realistisches und lohnendes Ziel. Dafür reichen zwei gute Kontakte, zwei Anrufe, die aus der gesamten Akquisarbeit hervorgehen.
Praktische Tipps für deine Immobilienakquise
Wenn du gerade dabei bist, deine Akquisestrategie aufzubauen oder zu verbessern, sind das die wichtigsten Punkte aus diesem Video:
- Setze nie auf nur eine Methode. Kombiniere mindestens drei bis fünf verschiedene Kanäle gleichzeitig.
- Flyer ja, aber mit realistischen Erwartungen. Plane mehrere Runden ein, nicht nur eine einmalige Aktion.
- Netzwerken ist Pflicht. Handwerker, Makler, Verwalter, Nachbarn, jedes Gespräch kann ein Lead werden.
- Tippgeber einbinden. Wer andere motiviert, Hinweise zu geben, skaliert seine Akquise ohne proportional mehr Zeit zu investieren.
- Delegation ist kein Schwäche. Flyer verteilen lassen, E-Mails outsourcen, Routineaufgaben abgeben und die eigene Zeit für die hochwertigeren Kontakte nutzen.
- Geduld haben. Der erste Deal aus Flyern kann nach 500 kommen oder nach 5.000. Wer aufgibt, erfährt es nie.
Die Immobilienakquise 2025 erfordert mehr Einsatz als noch vor zehn Jahren. Der Markt ist wettbewerbsintensiver, die Eigentümer sind informierter, und passive Strategien reichen nicht mehr aus. Wer das verinnerlicht und seine Energie entsprechend ausrichtet, hat aber nach wie vor gute Chancen, regelmäßig an attraktive Objekte zu kommen, auch über Flyer.