Immobilienakquise 2.0 | Flyer: Mythos, Fleißarbeit oder Quatsch?
Flyer verteilen und darauf warten, dass das Telefon klingelt. So einfach ist Immobilienakquise heute leider nicht mehr. In diesem Video erklärt Johannes, warum Flyer zwar nach wie vor ein sinnvolles Werkzeug sind, aber eben nur eines von vielen, und warum echte Fleißarbeit und Netzwerken in der heutigen Zeit keine Option, sondern Pflicht sind.
Flyer in der Immobilienakquise: Was steckt wirklich dahinter?
Immer wieder landet die gleiche Frage im Postfach: "Ich habe 1.000 Flyer verteilt und niemand hat angerufen. Was mache ich falsch?" Johannes kennt diese Nachrichten gut und gibt eine klare, ungeschönte Antwort darauf. Flyer funktionieren noch, aber sie sind kein Selbstläufer und schon gar kein Allheilmittel für die Immobilienakquise.
Der Immobilienmarkt in Deutschland hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Jeder will eine Immobilie kaufen. Die Nachfrage ist enorm, das Angebot ist knapp. Wer sich also vorstellt, einen Stapel Flyer in Briefkästen zu werfen und danach die Anrufe abzuwarten, unterschätzt den Wettbewerb massiv. Vor zehn Jahren hätte das vielleicht noch funktioniert. Damals reichten 500 Flyer, um fünf ernsthafte Rückmeldungen zu bekommen. Heute sieht das ganz anders aus.
Warum 1.000 Flyer ohne Reaktion vollkommen normal sind
Wer zum ersten Mal Flyer einsetzt, erwartet oft schnelle Ergebnisse. Diese Erwartung ist verständlich, aber meistens falsch. Johannes macht das im Video deutlich: Die erste Charge von 1.000 oder sogar 2.000 Flyern kann komplett ohne Rückmeldung bleiben, und das ist kein Zeichen dafür, dass die Methode grundsätzlich nicht funktioniert.
Es geht nicht um die Quote pro verteitem Flyer. Es geht darum, dass du am Ende nur einen einzigen qualifizierten Anruf brauchst. Ein Anruf kann ein Projekt bedeuten, das dich sechs Monate beschäftigt. Zwei Projekte im Jahr, und du kannst davon leben. Wenn man es so betrachtet, relativiert sich die Enttäuschung über eine anfangs schlechte Rücklaufquote schnell.
Trotzdem wäre es ein Fehler, einfach blind weiter Flyer zu verteilen und auf das große Los zu hoffen. Flyer sind ein Baustein, kein Fundament.
Akquise ist mehr als ein einziger Kanal
Johannes setzt in seiner eigenen Akquisestrategie auf rund fünf verschiedene Kanäle gleichzeitig. Dazu gehören unter anderem:
- Makler-Netzwerk: Direkte Beziehungen zu Maklern, die Off-Market-Deals oder Objekte mit Potenzial kennen.
- E-Mail-Blasts: Gezielte Ansprache von potenziellen Verkäufern oder Kooperationspartnern per E-Mail.
- Persönliches Netzwerken: Gespräche im Alltag, zum Beispiel mit Handwerkern oder Baustellenpersonal. Wer im Gym Baustellenautos auf dem Parkplatz sieht, fragt einfach nach. Gibt es was zu verkaufen? Kennt ihr jemanden, der verkaufen will? Eine Tippgeberprovision macht solche Kontakte attraktiv.
- Flyer-Aktionen: Weiterhin Teil des Mixes, aber in Kombination mit den anderen Kanälen.
- Delegieren: Flyer müssen nicht immer selbst verteilt werden. Studenten oder andere Hilfskräfte können das übernehmen, damit die eigene Zeit für wertvollere Aufgaben frei bleibt.
Der entscheidende Punkt ist die Kombination. Wer nur auf einen Kanal setzt, wird es schwer haben. Wer mehrere Kanäle parallel bespielt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der eine entscheidende Kontakt entsteht.
Netzwerken ist keine Option, es ist Pflicht
Johannes spricht im Video ein unbequemes Thema direkt an: Wer netzwerkfaul ist, wer schüchtern ist, wer am liebsten keinen Kontakt zur Außenwelt hätte, der wird in der Immobilienakquise heute richtig hart kämpfen müssen. Das klingt hart, ist aber die Realität.
Im Fix-and-Flip-Geschäft, aber auch bei der klassischen Kapitalanlage in Immobilien, kommt man an persönlichen Gesprächen nicht vorbei. Deals entstehen durch Vertrauen, und Vertrauen entsteht durch echten menschlichen Kontakt. Kein Algorithmus und kein Flyer-Vordruck ersetzen das Gespräch mit dem Handwerker, dem Makler oder dem Nachbarn, der zufällig eine Immobilie geerbt hat und nicht weiß, was er damit machen soll.
Das bedeutet nicht, dass du jeden Tag hundert Leute anrufen musst. Aber es bedeutet, dass du aufmerksam bleibst, Ohren und Augen offen hast und bereit bist, Gespräche aktiv anzufangen. Die meisten Menschen, die erfolgreich Immobilien akquirieren, tun das nicht mit einer einzigen Technik, sondern mit einer Grundhaltung: immer auf der Suche, immer im Gespräch.
Der Mythos vom Flyer-Wundermittel
Es gibt in der Immobilien-Community eine Tendenz, nach dem einen System, dem einen Kurs, dem einen Guru zu suchen, der das perfekte Rezept liefert. "Mach nur diese Flyer und du wirst reich." Das klingt verlockend, entspricht aber nicht der Realität.
Johannes bringt es auf den Punkt mit einem Spruch, der in diesem Kontext sehr gut passt: Langsam ist der schnellste Weg. Das bedeutet: Wer sich die Zeit nimmt, mehrere Akquisekanäle aufzubauen, Netzwerke zu pflegen und kontinuierlich Fleißarbeit zu leisten, kommt am Ende schneller ans Ziel als jemand, der auf einen einzigen Trick setzt und dann enttäuscht aufgibt, wenn dieser nicht sofort Früchte trägt.
Flyer sind in diesem Sinne weder Mythos noch Quatsch. Sie sind ein legitimes Werkzeug, das seinen Platz im Akquise-Mix hat. Aber sie sind kein Ersatz für alles andere.
Praktische Tipps für die Flyer-Akquise
Wenn du Flyer als einen deiner Akquisekanäle nutzen willst, dann sind ein paar Dinge wichtig:
- Gestalte deinen eigenen Flyer. Johannes weist ausdrücklich darauf hin, dass du dir dabei selbst etwas überlegen musst. Einfach eine Vorlage kopieren und mit deinem Namen versehen reicht nicht. Der Flyer sollte zu dir, deiner Zielgruppe und deinem Markt passen.
- Setze realistische Erwartungen. 1.000 Flyer ohne einen einzigen Anruf ist normal, besonders am Anfang. Das ist kein Scheitern, das ist Fleißarbeit.
- Denke in Gesamtzahlen. Du brauchst nicht hundert Anrufe. Du brauchst zwei gute Deals im Jahr. Das relativiert den Aufwand erheblich.
- Delegiere, wenn möglich. Das Verteilen selbst ist zeitintensiv. Studenten oder andere Helfer können diese Arbeit übernehmen, während du dich auf Gespräche und Netzwerken konzentrierst.
- Kombiniere Flyer mit anderen Kanälen. Makler, E-Mail, persönliches Netzwerk, Online-Plattformen. Nur der Mix bringt die nötige Reichweite und Konstanz.
Fazit: Fleißarbeit schlägt jeden Trick
Immobilienakquise im Jahr 2022 und darüber hinaus ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Der Markt ist kompetitiv, die Verkäufer sind informiert, und die Zeiten, in denen ein einfacher Flyer-Rundgang die Auftragsbücher füllte, sind vorbei. Das bedeutet aber nicht, dass Flyer nutzlos sind. Es bedeutet, dass du sie als Teil einer breiteren Strategie einsetzen musst.
Wer bereit ist, die Fleißarbeit zu leisten, wer Netzwerke aktiv aufbaut, mehrere Akquisekanäle parallel bespielt und die Geduld mitbringt, auch mal 2.000 Flyer ohne sofortige Reaktion zu verteilen, der wird am Ende die Anrufe bekommen, die zählen. Zwei gute Deals im Jahr reichen, um davon gut zu leben. Der Weg dahin führt über konsequente Arbeit, nicht über den perfekten Trick.