Immobilienmarkt August 2026: Kreditboom, Fondsabflüsse und steigende Zinsen
Gute und schlechte Nachrichten aus dem Markt
Der Kreditmarkt dreht sich gerade wieder durch, aber wer verkauft, freut sich. Hier die aktuellen Zahlen und was sie für Flipper bedeuten.
Markt & Preise
Immobilienkredite auf Rekordkurs: 80 Milliarden Euro in sechs Monaten
Nach Daten des Verbands deutscher Pfandbriefbanken stieg das Neugeschäft mit Immobiliendarlehen im ersten Halbjahr 2026 um 8,5 Prozent auf 80,4 Milliarden Euro. Wohnimmobilien machten dabei mit 50,1 Milliarden Euro den größten Anteil aus.
Besonders stark legten Finanzierungen für Mehrfamilienhäuser mit 7,3 Prozent zu. Deutlich dynamischer entwickelte sich das Geschäft mit Gewerbeimmobilien: Das Volumen wuchs um 14,3 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro. Handelsgebäude schossen dabei mit einem Plus von 40,6 Prozent auf neun Milliarden Euro regelrecht durch die Decke.
Das Geld ist also da und fließt. Wer ein sauberes Objekt mit guter Kalkulation anbietet, findet gerade Abnehmer.
Quelle: immowelt impuls
Offene Immobilienfonds unter Beschuss: 3,7 Milliarden weg
Bei offenen Immobilienfonds erhöhen anhaltende Mittelabflüsse den Verkaufsdruck deutlich. Eine Auswertung von JLL zu Immobilientransaktionen von 2024 bis zum ersten Halbjahr 2026 zeigt: Gut 70 Prozent des analysierten Verkaufsvolumens entfielen auf freiwillige Veräußerungen, 17 Prozent erfolgten unter finanziellem Druck und weitere zehn Prozent im Zuge von Insolvenzen.
Der pikante Teil: Bei offenen Immobilienpublikumsfonds wurden 93 Prozent des untersuchten Volumens aus finanziellem Druck verkauft. Ursache sind vor allem anhaltende Mittelabflüsse. Laut Morningstar zogen Anleger von Januar bis Juli 2026 netto rund 3,7 Milliarden Euro ab.
JLL erwartet deshalb im weiteren Jahresverlauf mehr forcierte Verkäufe, vielfach jedoch in geordneten Verkaufsprozessen. Für Flipper mit Eigenkapital bedeutet das: Mehr Objekte kommen auf den Markt, oft zu realistischeren Preisen. Das ist eine Chance.
Quelle: immowelt impuls
Renovierung & Bau
Gaspeicher bei 49 Prozent: Der Winter macht schon jetzt Druck
Nach Daten von Gas Infrastructure Europe waren die deutschen Gasspeicher am 11. August zu 48,72 Prozent gefüllt – rund 16 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Der GdW fordert deshalb von Bundesregierung, Bundesnetzagentur und Bundestag Maßnahmen zur Absicherung der Versorgung.
Gesetzlich sollen die Speicher bis 1. November einen Füllstand von 80 Prozent erreichen. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches hält bei der derzeitigen Einspeicherung jedoch nur rund 60 Prozent für möglich.
Konkreter Effekt für Renovierungen: Höhere Nebenkosten beim Bestand drücken die Käuferbereitschaft für ineffiziente Objekte. Wer vor dem Wintereinbruch eine gasgeheizte Immobilie verkaufen will, sollte das ernst nehmen und den Energieausweis parat haben.
Quelle: immowelt impuls
Hitzerisiko wird zum Preisfaktor: 11,2 Millionen Gebäude unvorbereitet
Die Deutsche Umwelthilfe hat 195 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern nach Versiegelung, Grünflächen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte untersucht. Wüest Partner analysierte zusätzlich das Hitzerisiko auf Stadt- und Quartiersebene. Besonders belastet sind demnach Teile der Rhein-Neckar-Region und des Oberrheins, darunter Mannheim und Ludwigshafen.
Für Immobilieninvestoren wird die Klimaresilienz damit zunehmend relevant. Nach einer Prognos-Studie aus dem Jahr 2025 sind 11,2 Millionen Gebäude in Deutschland unzureichend auf zunehmende Hitze vorbereitet.
Das Thema ist nicht mehr nur für Green-Invest-Fonds relevant. Wer Bestände mit guter Verschattung oder Dachbegrünung anbietet, hat ein echtes Verkaufsargument in der Tasche.
Quelle: immowelt impuls
Finanzen, Recht & Steuern
Kreditgeber öffnen die Tore wieder: 71 Prozent wollen mehr Geschäft
Die Bereitschaft zur Vergabe von Immobilienkrediten nimmt auf dem deutschen Markt wieder spürbar zu. Laut einer aktuellen Befragung planen fast drei Viertel der Finanzierer eine Ausweitung ihres Neugeschäfts. 71 Prozent der befragten Kreditgeber beabsichtigen, ihre Vergabe im laufenden Jahr auszuweiten, während lediglich acht Prozent einen Rückgang erwarten. Wohnimmobilien bleiben mit 38 Prozent die gefragteste Assetklasse.
Aber es gibt einen Haken: Als größte Herausforderungen nennen 81 Prozent der Institute geopolitische Risiken sowie die Zinsentwicklung. Zudem verlangen 57 Prozent der Finanzierer konkrete Nachhaltigkeitskonzepte als Voraussetzung für eine Zusage.
Nachhaltigkeitskonzepte beim Flip einplanen ist also kein Nice-to-have mehr, sondern im Zweifel die Grundlage dafür, dass die Bank überhaupt mitmacht.
Quelle: immowelt impuls
Testament, Immobilie, Irrtum: Wenn das Erbe nicht so einfach ist
Wer in einem Testament eine Immobilie zugesprochen bekommt, wird dadurch nicht zwingend Erbe. Entscheidend ist, welche rechtliche Stellung der Verstorbene der begünstigten Person tatsächlich zuweisen wollte. Ein aktueller Fall zeigt die Folgen unklar formulierter Testamente: Eine Lebensgefährtin sollte das wertvollste Nachlassobjekt erhalten, ein Ladengeschäft. Das Gericht wertete die Zuwendung dennoch nicht als Erbeinsetzung, sondern als Vermächtnis.
Ausschlaggebend war, dass die Frau weder den Nachlass abwickeln noch für dessen erhebliche Schulden einstehen sollte. Da im Testament kein Erbe ausdrücklich bestimmt war, griff die gesetzliche Erbfolge. Der Fall verdeutlicht den rechtlichen Unterschied zwischen Erben und Vermächtnisnehmern: Erben treten grundsätzlich in die gesamte Rechtsstellung des Verstorbenen ein, einschließlich Verbindlichkeiten.
Wer Immobilien aus Erbschaften kauft oder selbst ein Testament aufsetzen lässt: Lass das im Zweifel immer rechtlich sauber aufsetzen. Der Unterschied zwischen Erbe und Vermächtnisnehmer kostet sonst echtes Geld.
Quelle: immowelt impuls
Sonstiges
Nächste EZB-Sitzung: 10. September im Blick behalten
Kein neuer Zinsentscheid diese Woche, aber ein Termin zum Vormerken: Der nächste Zinsentscheid fällt am 10. September 2026. Im Juli und August gab es keine weitere Sitzung. Trotzdem sind die Bauzinsen gestiegen, denn die Inflation in Deutschland ist im Juli 2026 auf 2,8 Prozent geklettert und liegt damit deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der EZB.
Laut einem Baufi24-Experten hat sich nach vier Monaten mit steigenden Bauzinsen die Lage im Juli auf hohem Niveau minimal beruhigt. Der Markt bleibt volatil und bewegt sich weiterhin in beide Richtungen. Für die kommenden Monate rechnen Marktbeobachter anhaltend mit Schwankungen, nicht zuletzt mit Blick auf den EZB-Zinsentscheid im September.
Wer eine Finanzierung in der Pipeline hat: Konditionen jetzt sichern ist sinnvoller als auf eine Entspannung zu warten.
Quelle: baufivergleich.de / Baufi24
Fazit
Das Kreditvolumen steigt, Banken wollen wieder Geschäft machen und Verkäufer erzielen noch ordentliche Preise. Das ist die gute Seite. Die schlechte: Inflation bei 2,8 Prozent, Bauzinsen weiter über 4 Prozent und der EZB-Zinsentscheid im September hängt wie ein Fragezeichen über der Kalkulation. Für Flipper heißt das gerade: Einkauf mit Disziplin, Finanzierung frühzeitig absichern und beim Verkauf keine langen Haltephasen einplanen. Die Fenster für gute Margen sind da, aber sie öffnen sich nicht von alleine.