← Zurück zum Blog

FlippɘrNews (08.07.2026) - 16,6 Mrd. Transaktionsvolumen, Handwerkerbonus und neue AfA-Regeln

Der Markt zeigt zwei Gesichter

Die Transaktionszahlen fürs erste Halbjahr 2026 sind raus und überraschen positiv. Gleichzeitig hat die Koalition still und leise an einer Stellschraube gedreht, die jeden Sanierer direkt trifft. Hier sind die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.

Markt & Preise

16,6 Milliarden Euro im ersten Halbjahr – der Markt dreht auf

Das Transaktionsvolumen am deutschen Immobilieninvestmentmarkt ist im ersten Halbjahr 2026 auf rund 16,6 Milliarden Euro geklettert. Das sind bis zu 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Vor allem Gewerbeimmobilien und Büroobjekte sorgen für die Belebung. Rund 13 Milliarden Euro entfallen auf den Gewerbesektor. Für Wohn-Flipper klingt das erstmal nach fremdem Geld. Aber wenn institutionelle Investoren zurück in den Markt strömen, zieht die Stimmung insgesamt an – und das spürt man auch beim Verkauf.

Quelle: Börse Express

Wohnsektor hinkt hinterher – und genau das ist die Chance

Eine Expertenbefragung vom Mai 2026 zeigt: Fast drei Viertel der Fachleute nehmen eine anhaltende Zurückhaltung auf der Käuferseite wahr. Gleichzeitig sind die Bauzinsen seit Juni 2026 auf über 4 Prozent geklettert.

Der Neubau stockt ebenfalls. 2025 wurden bundesweit nur rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knappes Angebot plus zögerliche Käufer: Das ist kein Widerspruch, sondern die klassische Einkaufssituation für geduldige Flipper. Wer jetzt gut einkauft, verkauft in einen knapper werdenden Markt hinein.

Quelle: Börse Express

Renovierung & Bau

Baupreise steigen weiter – Druck kommt jetzt von den Löhnen

Im Jahr 2026 wird mit einer Zunahme der Preise für Bauleistungen um 2,7 Prozent gerechnet. 2027 liegt die Zuwachsrate voraussichtlich bei 2,8 Prozent. Das klingt moderat – aber in Kombination mit höheren Zinskosten wird der Kalkulationspuffer enger.

Der Anteil der Bauunternehmen, die über Behinderungen durch Materialknappheit klagen, ist von 2 Prozent im März auf 8 Prozent im Mai gestiegen, im Juni aber wieder leicht auf 7 Prozent zurückgegangen. Die Lage bei Material bleibt überschaubar, aber der Druck auf die Preise kommt diesmal eher von den Löhnen als von den Rohstoffen.

Quelle: BBSR Baupreisprognose

HDB justiert Prognose nach unten – Kapazitätsfenster bleibt offen

Die übliche saisonale Verbesserung von Februar bis Mai ist 2026 ausgeblieben. Die Zukunftserwartungen der Bauunternehmen haben sich aufgrund des Iran-Kriegs eingetrübt. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie wird seine Prognose voraussichtlich im Juli anpassen.

Für Flipper heißt das: Handwerker haben mehr Spielraum als in Boomzeiten. Das Kapazitätsfenster für Vergaben ist weiterhin offen. Wer jetzt Gewerke reserviert, hat einen Vorteil gegenüber denen, die abwarten.

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Finanzen, Recht & Steuern

Handwerkerbonus wird gestutzt – Koalition plant Absenkung auf 15 %

Der Koalitionsausschuss hat am 2. Juli 2026 sein Programm für Aufschwung und Beschäftigung vorgestellt. Darin enthalten ist die Ankündigung, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen von 20 auf 15 Prozent gesenkt werden soll.

Damit wären von Kosten bis zu maximal 6.000 Euro nur noch 900 Euro abzugsfähig – bisher sind es bis zu 1.200 Euro. Noch gibt es keinen Gesetzentwurf, es kann also dauern, bis klar ist, ob das wirklich so kommt.

Direkt für professionelle Flipper, die als Unternehmer arbeiten, ist dieser Vorteil ohnehin nicht der Haupthebel. Aber für private Käufer, die ihr Objekt selbst bewohnen und sanieren, ist das ein spürbarer Nachteil. Wer Objekte an Eigennutzer verkauft, sollte das im Blick haben: Der Käufer rechnet anders.

Quelle: Finanztip

Jahressteuergesetz 2026: Neue Kaufpreisaufteilungsregel kommt

Das Bundesministerium der Finanzen hat am 19. Mai 2026 den Referentenentwurf für ein Jahressteuergesetz 2026 veröffentlicht. Für Immobilienkäufer dürfte der geplante neue § 6f Einkommensteuergesetz von Bedeutung sein. Die Vorschrift regelt die Aufteilung eines Gesamtkaufpreises in einen Bodenanteil und einen Gebäudeanteil – und damit die Grundlage für die Berechnung der Gebäude-Abschreibung.

Das klingt technisch, hat aber direkte Auswirkung auf die AfA-Kalkulation beim Kauf. Wer Objekte hält und abschreibt, sollte seinen Steuerberater fragen, was das konkret bedeutet.

Quelle: steuerleicht.de

Inflation sinkt auf 2,3 % – aber Kerninflation bleibt hartnäckig

Die Inflationsrate in Deutschland hat im Juni 2026 weiter nachgelassen und sank auf 2,3 Prozent. Die Energiepreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,4 Prozent – in den beiden Vormonaten lagen sie noch bei 6,6 Prozent bzw. 10,1 Prozent.

Die Richtung stimmt. Allerdings lag die Kerninflation mit 2,5 Prozent wieder höher, nachdem sie die letzten drei Monate niedriger war. Die EZB-Sitzung am 23. Juli wird genau diese Kerninflation beobachten. Wer eine Finanzierung anstehen hat, sollte Konditionen sichern, bevor das Ergebnis da ist.

Quelle: Destatis

Fazit

Der Markt ist in Bewegung: Die Investitionsvolumina steigen, das Angebot bleibt knapp und die Inflation entspannt sich langsam. Für Flipper ist das eine solide Ausgangslage – solange die Kalkulation die gestiegenen Finanzierungskosten realistisch einpreist. Die geplante Kürzung des Handwerkerbonus und die neue Kaufpreisaufteilungsregel im Jahressteuergesetz 2026 sind zwei Stellschrauben, die es auf dem Schirm zu behalten gilt. Einkaufen ja – aber mit Sicherheitsmarge bei der Flip-Zins-Annahme.