Kaufpreisaufteilung, Grundsteuer und Bauinsolvenzen: Was Flipper jetzt wissen müssen

Markt, Recht und Handwerk im Überblick – August 2026

Das Steuerrecht greift tiefer in Immobiliengeschäfte ein als bislang, die Baubranche verliert einen weiteren großen Spieler und die Grundsteuer macht in deutschen Kommunen keinen Halt. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.

Markt & Preise

Privatverkauf auf dem Rückzug: Immer mehr Eigentümer wollen einen Makler

Wer seine Immobilie ohne Makler verkauft, wird seltener. Der Anteil privater Verkaufsangebote ist im ersten Quartal 2026 bundesweit auf 21,1 Prozent gesunken. Im Vorjahreszeitraum lag er noch bei 22,4 Prozent. Die Quote der Maklerangebote stieg entsprechend auf 78,9 Prozent, was darauf hindeutet, dass Eigentümer ihre Wunschpreise am Markt nicht mehr ohne Weiteres durchsetzen können.

Für Flipper ist das eine gute Nachricht: Mehr Maklerpräsenz bedeutet in der Regel professionellere Verhandlungspartner und tendenziell realistischere Preisvorstellungen auf Verkäuferseite.

Quelle: immowelt impuls

Automobilkrise zieht am Immobilienmarkt: Wolfsburg, Ingolstadt und Stuttgart unter Druck

Was in den Werkhallen der Autobauer passiert, landet inzwischen auch im Immobilienmarkt. Die wirtschaftlichen Probleme der großen deutschen Automobilkonzerne schlagen spürbar auf die regionalen Immobilienmärkte durch. Auswertungen zeigen eine unterdurchschnittliche Preisentwicklung und sinkende Nachfrage an zentralen Standorten der Branche, darunter Ingolstadt, Wolfsburg und Stuttgart.

Stellenabbau und Sparrunden bei Herstellern wie Volkswagen, Audi und Mercedes-Benz verunsichern potenzielle Käufer und bremsen die Nachfrage nach Eigentumswohnungen. Während sich der Mietmarkt für Häuser noch stabil zeigt, entwickeln sich die Angebotspreise für Kaufobjekte schwächer als der Bundesdurchschnitt. Wer in mono-strukturierten Industriestädten einkauft, sollte das Arbeitgeberprofil der Region in der Kalkulation mitdenken.

Quelle: immowelt impuls

Grundsteuer-Hebesätze: Kommunen drehen weiter an der Schraube

Die Grundsteuerreform war als aufkommensneutral versprochen. Die Realität sieht anders aus. In mehr als jedem vierten untersuchten Kommunalbezirk ist der Hebesatz für die Grundsteuer im Jahr 2026 gestiegen. Damit setzt sich der Trend steigender Wohnnebenkosten fort.

Eine Auswertung des Bundes der Steuerzahler für 200 größere Städte belegt, dass 56 Kommunen ihre Hebesätze bei der Grundsteuer B angehoben haben. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt in Nordrhein-Westfalen, wo fast die Hälfte der untersuchten Städte Erhöhungen vornahm. Trotz des ursprünglichen Versprechens einer aufkommensneutralen Reform nutzen klamme Kommunen die Grundsteuer vermehrt zur Konsolidierung ihrer Haushalte.

Für Flipper bedeutet das: Die Betriebskosten bei der Bewirtschaftung und die Nebenkosten bei der Kalkulation sorgfältig im Blick behalten. Käufer schauen beim Exposé immer öfter genau auf die Nebenkostenzeilen.

Quelle: immowelt impuls

Renovierung & Bau

Niedersachsen: König-Gruppe mit 1.000 Mitarbeitern in der Insolvenz

Die Bauwirtschaft verliert den nächsten großen Spieler. Die anhaltende Flaute im Bausektor sowie hohe Materialkosten setzen Bauunternehmen massiv unter Druck. In Niedersachsen muss nun eine Firma mit rund 1.000 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Die in Moringen ansässige König-Gruppe befindet sich in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung.

Was das für Flipper heißt: Der Handwerkermarkt wird durch solche Insolvenzen nicht entspannter. Kapazitäten gehen verloren, Aufträge stauen sich bei den verbliebenen Betrieben. Gute Handwerker frühzeitig binden bleibt Pflicht.

Quelle: immowelt impuls

Baugenehmigungen erholen sich: +13,8 % im Juni

Ein Lichtblick kommt aus der Genehmigungsstatistik. Im Juni 2026 wurden in Deutschland laut Destatis 21.600 Wohnungen zum Bau freigegeben. Das entspricht einem Zuwachs von 13,8 Prozent, also 2.600 Genehmigungen mehr als im Juni 2025. Die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen legte um 14,1 Prozent zu.

Der deutliche Anstieg hängt allerdings auch damit zusammen, dass die Zahl der Baugenehmigungen im Sommer 2025 extrem niedrig war – Basiseffekte also. Trotzdem ein Signal, dass der Markt sich stabilisiert. Für Flipper ist Neubau ohnehin Nebensache, aber die steigende Aktivität erhöht die Auslastung im Handwerk weiter.

Quelle: Bausparkasse Schwäbisch Hall / Destatis

Finanzen, Recht & Steuern

Jahressteuergesetz 2026: Kaufpreisaufteilung wird gesetzlich geregelt

Hier steckt echter Sprengstoff für Investoren. Das Bundeskabinett hat den Regierungsentwurf des Jahressteuergesetzes 2026 auf den Weg gebracht. Unter anderem sind eine gesetzliche Festlegung für die Aufteilung des Kaufpreises bebauter Grundstücke sowie Anpassungen bei Abschreibungen vorgesehen.

Das Bundesfinanzministerium plant eine gesetzliche Verankerung der Kaufpreisaufteilung für bebaute Grundstücke im Einkommensteuergesetz. Fehlt eine vertragliche Vereinbarung, wird der Gebäudeanteil künftig nach einer gesetzlichen Formel auf Basis der Verkehrswerte ermittelt. Die Regelung gilt für Kaufverträge, die nach der Verkündung rechtswirksam abgeschlossen werden.

Konkret: Wer bislang die Kaufpreisaufteilung zwischen Grundstück und Gebäude zugunsten höherer Abschreibungen individuell verhandelt hat, bekommt das künftig per Gesetz vorgegeben. Das kann die steuerliche Attraktivität von Investments spürbar verändern. Steuerberater konsultieren, bevor neue Verträge unterschrieben werden.

Quelle: immowelt impuls

Möblierungszuschläge sollen gedeckelt werden: Gesetz gegen Mietpreistricks

Das Bundesjustizministerium dreht an der Mietpreisbremsen-Schraube. Einzelne Immobilienunternehmer nutzen Möblierungszuschläge sowie Grundrissänderungen, um Mietpreise auf über 30 Euro pro Quadratmeter zu steigern und Vorgaben zur Mietpreisbremse zu umgehen. Ein Gesetzentwurf sieht nun vor, Möblierungszuschläge auf zehn Prozent der Nettokaltmiete zu deckeln und Ausnutzung von Wohnungsknappheit als Ordnungswidrigkeit zu ahnden.

Branchenverbände wie Haus und Grund warnen hingegen vor Überregulierung. Für Flipper, die möbliert vermieten, bevor sie verkaufen: Das Thema im Blick behalten. Noch ist es ein Entwurf, aber die Richtung ist klar.

Quelle: immowelt impuls

Steuerfristen bei Immobilien: Wer zu spät kommt, zahlt rückwirkend

Sonderabschreibungen, Spekulationsfristen, Grunderwerbsteuer-Behaltensfristen: Das steuerliche Regelwerk rund um Immobilien ist in Bewegung. Für Immobilieninvestoren werden langfristige Steuerfristen immer wichtiger. Besonders bei Sonderabschreibungen, Verkäufen und Umstrukturierungen können Verstöße rückwirkende Belastungen auslösen und geplante Transaktionen deutlich verteuern.

  • Bei der Grunderwerbsteuer wurden relevante Behaltensfristen von fünf auf zehn Jahre verlängert.
  • Bei bestimmten Anteilserwerben gilt sogar eine 15-jährige Vorbehaltensfrist.
  • Die Spekulationsfrist für private Immobilienverkäufe bleibt dagegen unverändert.

Wer Exit-Strategien plant, muss das Fristenwerk kennen. Kein Steuerberater heißt kein Spaß beim Finanzamt.

Quelle: immowelt impuls

Fazit

Die großen Zahlen im Markt bewegen sich wenig. Aber das Steuerrecht, die Grundsteuer und neue Regulierungsideen verschieben die Spielregeln gerade leise, aber spürbar. Wer beim Einkauf auf saubere Kaufpreisaufteilung achtet und Betriebskostenentwicklungen realistisch einkalkuliert, hat einen echten Vorteil gegenüber denen, die nur auf den Einkaufspreis schauen. Und: Die Bauwirtschaft verliert weiter Kapazitäten. Zuverlässige Handwerker sind das knappste Gut im Flip-Prozess. Wer die hat, verteidigt sie.