Leerstandsquote: Berechnung, Marktkennzahl und Bedeutung beim Ankauf
Was die Leerstandsquote misst
Die Leerstandsquote gibt an, welcher Anteil eines Wohnungsbestands zu einem Stichtag oder über einen Zeitraum nicht vermietet ist. Sie wird als Prozentwert angegeben und lässt sich auf drei Bezugsgrößen rechnen: auf die Anzahl der Einheiten, auf die Fläche in Quadratmetern oder auf die Miete in Euro. Je nach Bezugsgröße kommt für dasselbe Objekt eine andere Zahl heraus, deshalb gehört zu jeder Leerstandsquote die Angabe, worauf sie sich bezieht.
Die drei Formeln in Worten
Einheitenbezogen: leerstehende Wohnungen geteilt durch alle Wohnungen, mal 100.
Flächenbezogen: leerstehende Quadratmeter geteilt durch die Gesamtfläche, mal 100.
Mietbezogen: entgangene Nettokaltmiete geteilt durch die Soll-Nettokaltmiete bei Vollvermietung, mal 100.
Für die Kalkulation eines Objekts ist die mietbezogene Quote die ehrlichste, weil sie direkt zeigt, wie viel Geld fehlt. Große Wohnungen mit hoher Miete schlagen dort stärker durch als in der Einheitenquote.
Rechenbeispiel mit Zahlen
Ein Mehrfamilienhaus hat 8 Wohnungen und 620 Quadratmeter Wohnfläche. Die Soll-Nettokaltmiete bei Vollvermietung liegt bei 5.200 Euro im Monat. Eine Wohnung mit 60 Quadratmetern und 600 Euro Nettokaltmiete steht leer.
| Einheitenbezogen | 1 von 8 Wohnungen | 12,5 Prozent |
| Flächenbezogen | 60 von 620 Quadratmetern | 9,7 Prozent |
| Mietbezogen | 600 von 5.200 Euro | 11,5 Prozent |
Drei Zahlen, ein Objekt. Wer in einem Exposé nur "rund 10 Prozent Leerstand" liest, weiß nicht, welche davon gemeint ist.
Leerstand über die Zeit statt zum Stichtag
Ein Stichtagswert kann täuschen. Aussagekräftiger ist die Quote über ein ganzes Jahr: Steht in dem Haus mit 8 Wohnungen eine Einheit drei Monate leer, sind das 3 von 96 Wohnungsmonaten, also 3,1 Prozent. Diese Betrachtung heißt Fluktuationsleerstand und ist normal, weil zwischen Auszug und Einzug Zeit für Renovierung und Neuvermietung vergeht. Davon zu trennen ist der strukturelle Leerstand: Einheiten, die sich am Markt dauerhaft nicht vermieten lassen, etwa wegen Zuschnitt, Lage oder Zustand.
Marktquote und Objektquote
Die Marktquote beschreibt einen ganzen Ort oder Stadtteil und stammt meist aus Erhebungen von Kommunen, Statistikämtern oder Gutachterausschüssen. Sie sagt Dir, ob Nachfrage vorhanden ist. Die Objektquote beschreibt Dein konkretes Haus. Interessant wird die Differenz: Liegt die Objektquote deutlich über der Marktquote, liegt es am Objekt oder an der Verwaltung, nicht am Markt. Liegt sie darunter, kann das an gedeckelten Mieten liegen, die unter Marktniveau vermietet sind. Beides sind Ansatzpunkte für die Kaufpreisverhandlung.
Bedeutung beim Ankauf
Beim Ankauf rechnest Du mit der Ist-Miete, nicht mit der Soll-Miete. Ein Verkäufer, der ein Objekt über die Soll-Miete bewirbt, verkauft Dir eine Rendite, die es am Tag der Übergabe nicht gibt. Prüfe konkret:
Wie lange stehen die Einheiten schon leer und warum. Drei Monate nach Auszug ist etwas anderes als drei Jahre.
Was kostet es, die leeren Einheiten vermietbar zu machen. Bäder, Elektrik und Böden entscheiden über den Betrag.
Wie viele Monate Miete fallen bis zur Neuvermietung aus. Diesen Betrag ziehst Du vom Kaufpreis ab oder legst ihn als Liquiditätspuffer zurück.
Ob der Leerstand in der Teilungserklärung oder im Mietspiegel eine Ursache hat, die Du nicht beseitigen kannst.
Für uns ist hoher Leerstand kein Ausschlusskriterium, sondern ein Preisargument. Ein Haus mit drei leeren Wohnungen hat weniger Bieter als ein vollvermietetes. Wer die Sanierungskosten sauber kalkuliert und die Neuvermietung selbst steuert, kauft die Unsicherheit des Verkäufers mit Rabatt ein.
Relevanz für Fix und Flip
Beim Fix und Flip dreht sich die Logik teilweise um. Eine leere Wohnung ist dort ein Vorteil, weil Du sofort sanieren kannst und den Käufer nicht auf ein laufendes Mietverhältnis festlegst. Selbstnutzer zahlen für eine bezugsfreie Wohnung in der Regel mehr als ein Kapitalanleger für eine vermietete zahlen würde. Der Leerstand kostet Dich während der Bauzeit Miete, aber diese Monate hättest Du bei einer Sanierung ohnehin. Wichtig ist nur, dass Du die Haltedauer realistisch ansetzt: Ankauf, Bauzeit, Vermarktung und Notartermin summieren sich schnell auf neun bis zwölf Monate, und die Zinsen laufen in dieser Zeit ohne Mieteinnahme weiter.
Häufige Fehler
Soll-Miete statt Ist-Miete in der Kalkulation ansetzen und dadurch die Rendite überschätzen.
Einheitenquote und Mietquote verwechseln, obwohl sie bei unterschiedlich großen Wohnungen deutlich auseinanderliegen.
Nur den Stichtag betrachten und Fluktuation über das Jahr ignorieren.
Die Ursache des Leerstands nicht klären und Sanierungskosten dadurch zu niedrig ansetzen.
Keinen Puffer für die Zeit bis zur Neuvermietung einplanen, obwohl der Kapitaldienst ab Übergabe läuft.
Leerstand der Verwaltung anlasten, obwohl der Zuschnitt oder die Lage das Problem ist.
Rechne die Quote in allen drei Varianten und schreib in Deine Kalkulation, welche Du verwendest. Das kostet fünf Minuten und verhindert, dass Du ein Objekt auf Basis einer Zahl kaufst, die etwas anderes misst, als Du denkst.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Leerstandsquote?
Du teilst den leerstehenden Anteil durch den Gesamtbestand und multiplizierst mit 100. Als Bezugsgröße kannst Du die Anzahl der Wohnungen, die Wohnfläche oder die Nettokaltmiete nehmen. Für die Kalkulation eines Objekts ist die mietbezogene Variante am aussagekräftigsten, weil sie zeigt, wie viel Geld tatsächlich fehlt.
Was ist ein guter Wert für die Leerstandsquote?
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, weil die Quote stark vom Markt abhängt. Sinnvoll ist der Vergleich: Liegt Dein Objekt deutlich über der Quote des Ortes, liegt die Ursache am Haus oder an der Verwaltung. Wichtiger als der absolute Wert ist, ob der Leerstand vorübergehend oder strukturell ist.
Warum ist die Leerstandsquote beim Kauf wichtig?
Sie entscheidet darüber, ob die beworbene Rendite real ist. Viele Exposés rechnen mit der Soll-Miete bei Vollvermietung. Jede leere Einheit bedeutet fehlende Einnahmen bei laufendem Kapitaldienst plus Kosten für die Wiedervermietbarkeit. Beides gehört in die Kalkulation und in die Preisverhandlung.
Lohnt sich der Kauf eines Objekts mit hohem Leerstand?
Er kann sich lohnen, wenn Du die Ursache kennst und die Sanierungskosten belastbar kalkuliert hast. Leerstand schreckt viele Käufer ab und senkt dadurch den Preis. Entscheidend sind ein ausreichender Liquiditätspuffer für die Zeit bis zur Neuvermietung und eine realistische Einschätzung der Nachfrage vor Ort.
Was ist der Unterschied zwischen Fluktuationsleerstand und strukturellem Leerstand?
Fluktuationsleerstand entsteht zwischen Auszug und Einzug und ist in jedem Bestand normal, weil Renovierung und Neuvermietung Zeit brauchen. Struktureller Leerstand bedeutet, dass sich eine Einheit dauerhaft nicht vermieten lässt, etwa wegen Zuschnitt, Zustand oder fehlender Nachfrage. Nur der zweite Fall ist ein echtes Problem.


