Mehr Gewinn durch meine Papp-Küche? | Immobilien verkaufen mit Home-Staging
Home-Staging ist eine der günstigsten Methoden, um beim Immobilienverkauf mehr herauszuholen. In dieser Folge zeigt Johannes, wie er eine Wohnung mit wenigen, gezielt platzierten Möbeln für Besichtigungen vorbereitet, und erklärt, warum seine berühmte Küche aus Pappe für rund 350 Euro inzwischen einen kleinen Kultstatus hat. Wer Fix and Flip macht, kommt an diesem Thema kaum vorbei.
Was ist Home-Staging und warum lohnt es sich beim Immobilienverkauf?
Beim Fix-and-Flip-Ansatz geht es darum, eine Immobilie günstig zu kaufen, zu renovieren und mit möglichst gutem Gewinn zu verkaufen. Was viele unterschätzen: Der erste Eindruck entscheidet. Leere Räume wirken kalt, klein und uninspiriert. Potenzielle Käufer können sich oft nicht vorstellen, wie sie dort leben würden. Genau hier setzt Home-Staging an.
Die Idee ist simpel: Du stellst gezielt wenige Möbelstücke auf, um einem Raum Charakter zu geben und Emotionen zu wecken. Das Ziel ist nicht, die Wohnung vollständig einzurichten, sondern dem Käufer zu helfen, sich mental als neuen Bewohner zu sehen. Johannes arbeitet dabei mit einem überschaubaren Set an Staging-Möbeln, das er von Objekt zu Objekt mitnimmt.
Wichtig: Die Möbel werden nicht mitverkauft. Wer sich das Video anschaut, sieht eine möbliert wirkende Wohnung, kauft aber am Ende eine leere Immobilie. Das ist vollkommen transparent und legal. Die Staging-Möbel bleiben im Besitz des Investors und wandern nach dem Verkauf weiter zum nächsten Objekt.
Wie viel kostet ein komplettes Staging-Set?
Johannes hat für sein gesamtes Staging-Inventar insgesamt rund 2.500 Euro ausgegeben. Das klingt im ersten Moment nach viel, relativiert sich aber schnell, wenn man bedenkt, dass dasselbe Set bei mehreren Objekten eingesetzt werden kann. Konkret setzt sich das Budget ungefähr so zusammen:
- Papp-Couch und Papp-Küche: ca. 500 bis 850 Euro zusammen
- Ikea-Einkauf für weiteres Zubehör: rund 900 Euro
- Verschiedene Kleinteile: Kissen, Vorhänge in verschiedenen Farben, Lampen, Teppiche, Deko-Elemente
Die Möbel stammen größtenteils aus zwei Quellen: Günstige, leichte Pappkarton-Möbel von einem niederländischen Anbieter namens Cubix sowie ergänzende Stücke von Ikea. Das Besondere an den Cubix-Produkten: Sie sind ultraleicht, lassen sich in wenige Einzelteile zerlegen und passen komplett in eine handliche Kiste oder einen Transporter.
Die legendäre Papp-Küche: ein 350-Euro-Investment mit Gesprächswert
Das bekannteste Stück in Johannes' Staging-Arsenal ist die Küche aus Pappe. Rund 350 Euro hat sie gekostet, und sie ist inzwischen schon mehrfach auf- und wieder abgebaut worden. Das Ergebnis nach dem Aufbau: Wer nicht genau hinschaut, erkennt auf den ersten Blick keine Attrappe. Die Küche hat Fronten, eine Herdplatte, ein Waschbecken-Imitat. Alles aus Pappe, aber überzeugend gestaltet.
Johannes berichtet, dass bei einer Besichtigung Interessenten tatsächlich gefragt haben, ob die Küche im Kaufpreis enthalten sei. Sein Rat an die Käufer: nochmal genauer hinschauen. Beschwerden oder Verärgerung gab es deswegen nie. Im Gegenteil: Die Küche ist ein natürlicher Gesprächsstarter bei jeder Besichtigung. Käufer fassen sie an, schauen sie sich von allen Seiten an, und das Gespräch kommt von selbst in Gang.
Der Aufbau dauert laut Johannes etwa zehn Minuten, wenn man den Ablauf einmal kennt. Beim ersten Mal hat er einen kleinen Fehler gemacht und die Innenteile falsch zusammengesteckt, was zu etwas mehr Zeitaufwand geführt hat. Mit etwas Übung ist die Küche aber in kürzester Zeit fertig aufgestellt.
Was die Haltbarkeit betrifft, widerlegt Johannes Bedenken, die er auf Social Media gelesen hat. Manche behaupteten, die Kartons würden nach zwei Einsätzen reißen. Seine Küche steht inzwischen zum dritten Mal, wurde also mindestens drei Mal auf- und abgebaut, und sieht noch gut aus. Kleine Fältchen an den unteren Kanten bilden sich mit der Zeit, lassen sich aber mit transparentem Paketklebeband als Schutz leicht verhindern.
Welche Möbel und Deko-Elemente macht beim Staging den Unterschied?
Johannes setzt nicht auf eine vollständige Einrichtung. Es geht darum, Räume zu aktivieren, nicht zu überladen. Was er typischerweise einsetzt:
- Papp-Couch: Leicht, schnell aufgebaut, vermittelt sofort Wohnzimmergefühl
- Esstisch: Das größte echte Möbelstück in seinem Set, trotzdem noch gut transportierbar
- Sekretär für den Flur: Ultraleicht, besteht aus fünf Einzelteilen, passt komplett in eine Kiste
- Kissen: Zehn bis fünfzehn Stück in verschiedenen Farben und Größen
- Vorhänge: Drei bis fünf verschiedene Varianten, um auf unterschiedliche Raumstile eingehen zu können
- Lampen: Werden je nach Raumsituation installiert, vor allem in Räumen mit wenig Tageslicht
- Teppiche: Wärmen Räume optisch auf und gliedern Flächen
- Pflanzen und Grün: Kleine grüne Pflanzen oder Deko-Grünpflanzen, die bei Besichtigungen Leben in den Raum bringen
- Handtuchleiter im Bad: Ein einfaches, günstiges Teil (ca. 30 Euro) das das Badezimmer sofort strukturiert und wohnlicher wirken lässt
Besonders die Handtuchleiter hebt Johannes als versteckten Geheimtipp hervor. Mit zwei gefalteten Handtüchern und einer simplen Leiter wirkt selbst ein kleines Badezimmer wie aus einem Lifestyle-Magazin. Dazu kommt noch ein Badteppich und eine Pflanze, und der Raum ist fertig gestaged.
Der Duft-Trick kurz vor der Besichtigung
Ein Detail, das Johannes beiläufig erwähnt, aber nicht unterschätzen sollte: kurz vor jeder Besichtigung versprüht er ein Raumspray im Eingangsbereich. Das Ziel ist ein angenehmer, frischer Geruch, der an einen Spa-Bereich in einem Hotel erinnert. Der erste Sinneseindruck beim Betreten einer Wohnung ist nicht visuell, sondern olfaktorisch. Ein guter Geruch schafft sofort eine positive Grundstimmung, noch bevor der Käufer einen einzigen Raum gesehen hat.
Solche kleinen Maßnahmen kosten kaum etwas, machen aber einen messbaren Unterschied im Wohlbefinden bei der Besichtigung. Käufer entscheiden emotional, nicht rational, zumindest im ersten Moment.
Für wen lohnt sich Home-Staging besonders?
Johannes macht das klare Statement: Wer drei bis vier Flips pro Jahr macht, sollte nicht einmal lange nachdenken und sich direkt ein Staging-Set zusammenstellen. Die Investition von rund 2.500 Euro amortisiert sich bereits beim ersten oder zweiten Objekt, wenn Besichtigungen lebendiger werden und Käufer schneller und zu besseren Preisen kaufen.
Auch wer nur ein oder zwei Objekte im Jahr verkauft, sollte zumindest die günstigsten Hebel nutzen. Ein paar Kissen, eine Pflanze, eine Handtuchleiter, ein Raumspray. Diese Dinge kosten zusammen kaum mehr als 100 Euro und verändern die Wahrnehmung eines Raumes erheblich.
Wichtig ist, das Staging nicht als Täuschung zu verstehen. Es geht darum, das Potenzial einer Immobilie sichtbar zu machen. Eine renovierte Wohnung, die leer steht, wirkt oft schlechter als sie ist. Mit Staging zeigt sie ihr tatsächliches Potenzial. Käufer können sich vorstellen, wie das Leben dort aussieht, und das ist der entscheidende Punkt beim Verkauf.
Fazit: Staging ist günstiger als du denkst und wirkungsvoller als du erwartest
Home-Staging ist kein Luxus für große Makler oder professionelle Immobilienentwickler. Es ist ein pragmatisches Werkzeug für jeden, der Immobilien mit Gewinn verkaufen will. Johannes' Beispiel zeigt, dass man nicht Tausende von Euro in Designermöbel investieren muss. Eine Papp-Küche für 350 Euro, ein paar Ikea-Teile und smarte Kleinigkeiten reichen aus, um Besichtigungen von leeren Besichtigungen in echte Kauferlebnisse zu verwandeln.
Wer beim nächsten Flip noch zögert, ob sich Staging lohnt, sollte sich eine einfache Frage stellen: Was ist ein einziger zusätzlich erzielter Tausender beim Verkaufspreis im Vergleich zu einer Investition von 2.500 Euro, die man über zehn, zwanzig oder dreißig Projekte nutzen kann? Die Rechnung ist eindeutig.