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Was wir beim Reihenhaus-Flip falsch gemacht haben (und was es gekostet hat)

In dieser Folge bekommt Johannes Besuch von Max, Generalunternehmer der Renovierhelden aus dem Grossraum München. Max stellt die Fragen, die sich viele Zuschauer trauen zu stellen: Was lief bei diesem Reihenhaus-Flip wirklich schief, was hat es tatsaechlich gekostet und was wuerde Johannes beim naechsten Mal anders machen? Ein ehrlicher Rundgang durch ein vollsaniertes Reihenhaus aus den 1970ern, das 15 Jahre leer stand.

Das Objekt: Reihenhaus aus den 70ern, 15 Jahre Leerstand

Das Reihenhaus stammt aus den 1970er Jahren und stand vor dem Kauf rund 15 Jahre leer. Das bedeutet: alles musste angefasst werden. Hellblaues Badezimmer, sieben Schichten Tapete, Teppichboeden in allen Raeumen, eine alte Holzheizung und Rohre, die seit Jahren nicht genutzt wurden. Johannes und sein Bruder haben sich von Anfang an entschieden, wenn sie es anfassen, dann richtig. Das Ergebnis: eine Vollsanierung auf Energieklasse A, mit Waermepumpe, Fussbodenheizung, PV-Anlage und Foerderung ueber die BAFA fuer Einzelmassnahmen wie Fassade, Daemmung und oberste Geschossdecke.

Das Haus liegt in einer Reihe von fuenf Reihenhaeusern, Gaerten, Kinder, Fahrraeder. Die Zielgruppe war von Anfang an klar: eine junge Familie. Diese Ausrichtung hat alle Entscheidungen beim Flip beeinflusst, vom Fussbodenbelag bis zur Badgestaltung.

Energetische Sanierung und Foerderung: Was hat funktioniert

Die energetische Sanierung war umfassend. Verbaut wurden:

  • Eine Waermepumpe in Kombination mit einer Photovoltaikanlage
  • Fussbodenheizung im gesamten Erdgeschoss
  • 24 cm Daemmung auf der obersten Geschossdecke mit OSB-Platten als Abschluss
  • Neue Fenster, dreifach verglast, teils als Schiebeelement
  • Daemmung der Fassade, inklusive Schliessen eines alten Fensterelementes im Erdgeschoss

Die Holzheizung, die vorher im Haus war, wurde komplett entfernt. Wer will schon bei Kaelte einen Holzscheit in einen Brenner legen? Fuer die Familie, die einziehen soll, macht das keinen Sinn. Mit der Vollsanierung wurde Energieklasse A erreicht, was die Vermarktung deutlich vereinfacht.

Beim Thema Foerderung hat Johannes einen Energieberater eingeschaltet, dessen Leistung selbst zur Haelfte gefoerdert wurde. Dieser hat alle Antraege bei BAFA und KfW uebernommen, die Materialplaene erstellt und den Prozess komplett koordiniert. Johannes musste selbst nichts einreichen. Fazit: Fuer Foerderantraege immer einen Fachmann holen, der das taeglich macht. Die eigene Zeit ist zu schade fuer Formulare, und Fehler koennen teuer werden.

Wohnflaeche schaffen: Von 120 auf 145 Quadratmeter

Einer der groessten Hebel beim Flip war die Erweiterung der Wohnflaeche. Urspruenglich hatte das Haus 120 Quadratmeter. Durch das Schliessen zweier kleiner Balkone im Obergeschoss, die in den Kinderzimmern und Schlafzimmern lagen, wurden rund 22 Quadratmeter dazugewonnen. Das Haus hat jetzt 145 Quadratmeter Wohnflaeche.

Die Balkone lagen in Raeumen, in denen kaum jemand auf einem 4-Quadratmeter-Balkon sitzt. Die Familie hat Garten und Terrasse. Also hat Johannes entschieden: lieber Wohnflaeche schaffen als toten Aussenraum erhalten. Die neuen Raeume wurden mit dreifach verglasten Elementen abgeschlossen. Der Unterschied im Verkaufspreis zwischen 120 und 145 Quadratmetern ist erheblich, sowohl fuer die Kalkulation als auch fuer die Familie, die einziehen will.

Der Fussbodenbelag: 180 Euro pro Quadratmeter, war es das wert?

Im Wohn- und Essbereich wurde ein Fischgraetparkett fuer rund 180 Euro pro Quadratmeter verlegt. Wirtschaftlich die beste Entscheidung? Laut Johannes selbst: wahrscheinlich nicht. Man haette einen normalen Belag fuer 40 Euro nehmen koennen.

Trotzdem wuerde er es genau so wieder machen. Der Grund ist nicht rein strategisch. Johannes und sein Bruder, gelernter Schreinermeister, wollen Sachen bauen, bei denen abends der Spiegel stimmt. 5.000 Euro mehr oder weniger in der eigenen Tasche spielen eine Nebenrolle, wenn das Gesamtergebnis hochwertig und stimmig ist. Und praktisch gesehen: Wer als erstes den Boden sieht, wenn er reinkommt, und dieser Boden zeigt Fischgraetparkett in Premium-Qualitaet, der weiss sofort, dass hier kein Schnellflip gemacht wurde. Das erzeugt eine emotionale Bindung, die im Verkauf helfen kann.

Die gesamten Bodenbelaege im Haus, inklusive Fliesen, haben rund 18.000 Euro gekostet. Im Eingangsbereich wurde ein bündiger Teppich eingelassen, um den hochwertigen Parkettboden vor dem ersten Dreck zu schuetzen.

Der Estrich: Unerwartete Mehrkosten waehrend der Bauphase

Unter den mehrfachen Teppichlagen hat sich herausgestellt, dass der Estrich unterschiedliche Hoehen hatte, teilweise zu niedrig fuer das nachtraegliche Einfraesen der Fussbodenheizungsrohre. Eine Kombination aus altem und neuem Estrich haette verschiedene Rohrdurchmesser erfordert, haette also ein Flickwerk ergeben.

Die Entscheidung fiel schnell: kompletter Neubau des Estrichs. Ein Tag Arbeit, dann war alles raus und neu aufgebaut. Kostenpunkt: rund 6.000 Euro. War das geplant? Nein. Hat es das Budget gesprengt? Auch nicht, weil Johannes immer einen ordentlichen Puffer einkalkuliert. Seine Philosophie: In der Kalkulation auf der konservativen Seite bleiben, damit solche Sachen abgepuffert werden koennen. Und: Wer keine Lust auf Loesungen hat, wenn ein Problem auftaucht, sollte Fix and Flip nicht machen. Alle fuenf Tage gibt es ein Thema, das vorher nicht auf dem Schirm war.

Das Bad: Was Johannes anders machen wuerde

Ehrlich und direkt: Das Bad wuerde Johannes beim naechsten Mal anders planen. Konkret haette er die Wand um eine Duschbreite nach innen versetzt, um oben sowohl Badewanne als auch eine separate Dusche unterzubringen. So wie es jetzt ist, ist die Dusche unten im Erdgeschoss, was fuer eine Familie mit Kindern funktioniert, aber oben fehlt der Komfort einer zweiten Dusche.

Ein weiterer Punkt: Die abgehaengte Decke im Bad wurde nicht korrekt ausgefuehrt. Die Vorgabe war, links und rechts einen Streifen freizulassen fuer indirekte Beleuchtung. Der Vorarbeiter hat das nicht umgesetzt, Sprachbarriere inklusive. Das Ergebnis: Decke komplett geschlossen, keine indirekte Beleuchtung wie geplant. Diese Handwerksgruppe wurde waehrend der Bauphase ausgetauscht.

Was gut gelungen ist: Der raumhohe Spiegel, den Johannes im Urlaub als Idee aufgeschnappt hat. Sein Bruder hat ihn in Massarbeit gebaut und indirekt beleuchtet. Dadurch wirkt das Bad deutlich groesser. Die Glastur zum Bad sorgt fuer mehr Tageslicht im innen liegenden Raum. Unterputzarmaturen und ein modernes Waschbecken setzen weitere optische Akzente.

Handwerker wechseln mitten im Projekt: Kein Einzelfall

Mitten im Projekt hat Johannes die ausfuehrende Handwerksgruppe ausgetauscht. Der Ausloser: Die Jungs kamen mit einer einzigen Spachtel fuer vier Mann, liessen sich Werkzeug leihen und beschaedigten dabei Geraete. Sie waren schlicht nicht fuer die Aufgabe ausgestattet.

Das ist kein Einzelfall bei groesseren Sanierungen, und es zeigt, wie wichtig die richtige Auswahl und Koordination der Gewerke ist. Johannes koordinierte alles selbst, was bedeutet: Wenn der Elektriker zwei Wochen nicht kommt, wartet der naechste. Genau das ist der Unterschied zu einem Generalunternehmer, der alle Gewerke intern abstimmt. Fuer das naechste Projekt wuerde Johannes genau das anders machen.

Das umgefallene Riesenfenster: 600 Kilo in der Nacht

Eines der spektakulaersten Missgeschicke: Das grosse Schiebefenster im Wohn- und Essbereich, rund 600 Kilogramm schwer, wurde vom Fensterbauer mit zwei Keilen abgestuetzt in den Rohbau gestellt. In der Nacht ist es umgefallen. Die innere Scheibe des dreifach verglasten Elements ist dabei kaputt gegangen.

Was macht Johannes? Er bekommt das Video von seinem Bruder morgens, denkt kurz nach und weiss: das wird jemand fixen. Das Fenster wurde trotzdem eingebaut, damit das Haus verschlossen werden konnte und der Estrich bei laufender Heizung trocknen konnte. Es war Dezember. Die kaputte Scheibe wurde spaeter auf Kosten des Fensterbauers und seiner Haftpflichtversicherung ausgetauscht. Rahmen und Rest: kein Schaden.

Weitere Fuckups im Ueberblick

  • Geruest-Ankerung einverputzt: Die Anker fuer das Geruest wurden beim Verputzen der Fassade nicht entfernt und einfach mit einverputzt. Muss nachtraeglich wieder rausgesaegt und geschlossen werden.
  • Wasseranschluesse Aufputz statt Unterputz: In der Waschkueche haette man alle Leitungen Unterputz verlegen koennen, da sowieso alles neu gemacht wurde. Das wurde zu spaet erkannt, jetzt sind die Leitungen Aufputz verlegt.
  • Industrie-Trennwand mit Verzoegerung: Ein Industrieelement als Raumtrenner zwischen Kueche und Wohnbereich wurde auf Mass bestellt. Fuenf Tage vor Liefertermin kam die Ansage: Lieferung verschiebt sich um vier Monate. Johannes hat mit KI ein Visualisierungsbild erstellt, damit Kaufinteressenten sich das Ergebnis vorstellen koennen, und wird das Element nach dem Verkauf noch einbauen.
  • Delle im Boden: Ein Handwerker hat einen Hammer fallen lassen. Kleine Delle im Holzboden, mit Wachs ausgebessert. Wer es nicht weiss, sieht es nicht.

Wohnflaeche im Untergeschoss: Homeoffice oder Abstellraum?

Was frueher ein Holzlager fuer die Heizung war, ist jetzt ein kleiner Raum im Untergeschoss, der als Homeoffice gestylt wurde. Er hat eine separate elektrische Fussbodenheizung, ist also optional zuschaltbar. Das gibt dem kuenftigen Kaeufer die Wahl: warmes Homeoffice oder ungeheizter Kellerraum fuer Ski, Snowboard und Vorratsregal. Flexible Nutzung ist hier ein echtes Verkaufsargument.

Wand durchbrechen: Statiker vor Bauchgefuehl

Zwischen Kueche und Wohnzimmer wurde eine tragende Wand geoeffnet. Ein Statiker hat das Gutachten erstellt und den genauen Einbauplan fuer den Stahltraeger geliefert, inklusive der noetigen Aufbetonierung. Kosten fuer einen solchen Durchbruch liegen je nach Groesse, Aufwand und Vergabe zwischen 1.000 und 4.000 Euro. Der Stahltraeger ist mit Brandschutzverkleidung ausgefuehrt. Johannes' Ansatz: Sobald er nicht weiss, ob etwas traegt oder nicht, kommt ein Fachmann. Das gilt fuer Statik genauso wie fuer Foerderantraege oder Heizungsplanung.

Was bleibt nach diesem Flip

Die Renovierungskosten lagen bei knapp 200.000 Euro. Dafuer gibt es jetzt ein Haus auf Energieklasse A, mit 145 Quadratmetern Wohnflaeche, hochwertigem Fischgraetparkett, Fussbodenheizung ueberall, Waermepumpe, PV, neuer Kueche, neu gestaltetem Bad und einem Wohn- und Essbereich mit grossem Schiebefenster zum Garten. Das Homestaging hat eine externe Spezialistin uebernommen, die zum Stil des Hauses passende Moebel und Deko geliefert hat.

Was nimmt Johannes mit? Fix and Flip bedeutet nicht, dass alles glatt laeuft. Es bedeutet, dass man mit jedem Problem, das auftaucht, einen kuehlen Kopf behaelt und eine Loesung findet. Wer bei einem umgefallenen 600-Kilo-Fenster oder einem falsch ausgefuehrten Bad ausrastet, ist im falschen Geschaeft. Wer reagiert, Entscheidungen trifft und weitermacht, lernt bei jedem Projekt mehr als bei zehn reibungslosen Durchlaeufen.