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TINDER für Immobilieninvestoren und Banken | Interview mit Andre Bodzian

In dieser Folge trifft Johannes in Monaco auf Andre Bodzian, der seit 2016 im Immobilienbereich aktiv ist und heute zusätzlich ein Startup aufbaut. Im Interview sprechen die beiden über Andres erstes Immobilieninvestment in Dortmund, die schmerzhaftesten Lektionen als Vermieter und ein Startup-Projekt, das die Finanzierungssuche für Immobilieninvestoren grundlegend vereinfachen soll: eine Matching-Plattform zwischen Investoren und Banken, die wie Tinder funktioniert.

Der Einstieg ins Immobilieninvestment: Wie Andre 2016 sein erstes Objekt kaufte

Andre Bodzian kommt ursprünglich aus Dortmund und ist seit 2016 im Immobilienbereich aktiv. Der Auslöser war denkbar simpel: Ein ehemaliger Azubi-Kollege rief ihn an und erzählte, dass er gerade ein Mehrfamilienhaus gekauft hatte. Andres erste Reaktion war, das sofort selbst auch zu wollen.

Was folgte, war der Kauf eines 17-Parteien-Hauses in Dortmund mit knapp 800 Quadratmetern Wohnfläche. Ein Objekt, das er bis heute als schmerzhaft, aber gleichzeitig als eine seiner besten Entscheidungen bezeichnet. Warum schmerzhaft? Andre bringt es direkt auf den Punkt: Sie haben in diesem Haus schon so ziemlich alles erlebt, was ein Vermieter erleben kann.

  • Mietprellung durch Mieter, die einfach nicht zahlten
  • Türen aufbrechen bei Räumungen
  • Einsatz eines Sondereinsatzkommandos in der Wohneinheit

Das Objekt liegt in keiner Toplage, aber genau das ist laut Andre der Grund, warum es sich so gut vermietet. Günstige Mieten in einer einfachen Lage bedeuten konstante Nachfrage. Und finanziell hat sich das Investment mehr als gelohnt.

Rendite, Nachbeleihung und Kapitalrecycling: Was aus dem ersten Kauf wurde

Das Dortmunder Mehrfamilienhaus ist ein gutes Beispiel dafür, wie man aus einem einzigen Objekt über die Jahre hinweg erheblich Kapital generieren kann. Andre erklärt, dass sie das Objekt zweimal nachbeleiht und einmal umgeschuldet haben. Durch diese Strategie konnte er immer wieder frisches Eigenkapital aus dem Objekt ziehen und für weitere Investitionen nutzen.

Heute liegt das Objekt nach Sanierung bei einem Faktor von rund 11 und erzielt eine Bruttomietrendite von 9 bis 10 Prozent. Das sind Zahlen, die in der aktuellen Marktphase kaum noch zu finden sind, wenn man neu kauft. Wer jedoch früh investiert und konsequent saniert hat, sitzt heute auf einem soliden Portfolio.

Besonders interessant ist dabei das Thema Anschlussfinanzierung: Andre hat nach eigener Aussage keine Probleme, seine bestehenden Objekte weiter zu refinanzieren. Das spricht für eine saubere Portfoliostruktur und eine gesunde Bonität, die er über Jahre aufgebaut hat.

Was Andre heute anders machen würde und was er trotzdem wieder so tun würde

Eine Frage, die im Interview immer wieder spannend ist: Was würdest du rückblickend nie wieder machen? Andres Antwort überrascht: eigentlich nichts. Er sieht jede schwierige Erfahrung als notwendigen Schritt dahin, wo er heute steht.

Trotzdem gibt er eine klare Empfehlung für alle, die am Anfang stehen:

  • Vertragliche Prüfung von Anfang an ernstnehmen und nicht nachlässig behandeln
  • Objektprüfung gründlich durchführen, bevor man kauft oder handelt
  • Abnahmen selbst begleiten und nicht blind darauf vertrauen, dass alles passt

Gerade beim Thema Handel, also dem Kauf und Weiterverkauf von Immobilien, hat Andre in der Frühphase einige dieser Punkte vernachlässigt. Das hat ihm vermeidbare Fehler eingebracht. Mit mehr Erfahrung und konsequenter Prüfung lassen sich viele klassische Anfängerfehler umgehen.

Der aktuelle Investmentfokus: Bestand in NRW und gesunde Risikoscheu

Immobilien sind für Andre heute nicht mehr das Kerngeschäft, auch wenn er nach wie vor investiert. Sein Portfolio besteht aus reinen Wohnimmobilien im Bestand sowie einigen Garagen. In den letzten Jahren hat er die eigene Investitionstätigkeit etwas zurückgefahren, weil der Fokus sich verlagert hat.

Er beschreibt das selbst als eine gesunde Risikoscheu: Lieber weniger, aber dafür solide Deals, als auf Biegen und Brechen zu wachsen. Und er betont, dass die Objekte in seinem Portfolio nach wie vor sehr gut performen. Jetzt, mit dem aktuellen Marktumfeld, sieht er aber wieder gute Einstiegschancen und will seine Investitionstätigkeit in Kürze wieder hochfahren.

Der Immobilienmarkt in Deutschland, insbesondere in NRW, bietet gerade in schwächeren Lagen immer noch attraktive Kaufpreisfaktoren für erfahrene Investoren. Wer jetzt mit kühlem Kopf und solider Finanzierungsstruktur kauft, kann sich langfristig starke Renditeobjekte sichern.

Das Startup-Projekt: Eine Dating-Plattform für Immobilieninvestoren und Banken

Der spannendste Teil des Interviews dreht sich um Andres Startup. Er und sein Team bauen gerade eine Plattform auf, die er selbst als "Tinder für Immobilieninvestoren und Banken" beschreibt. Der Name des Projekts lautet Finest Tab.

Die Idee dahinter entstand aus einem konkreten Problem, das viele aktive Immobilieninvestoren kennen: Sobald du in einer neuen Region kaufst oder bei einer Bank ein bestimmtes Kreditvolumen überschreitest, brauchst du eine neue Bankverbindung. Die klassische Lösung ist der Gang zum Finanzvermittler, der dich dann bei dutzenden Banken anonym oder offen vorstellt. Das Problem dabei: Du machst dich komplett "nackig", legst alle Unterlagen vor und wartest dann wochenlang auf Feedback von Banken, die am Ende vielleicht ablehnen.

Finest Tab dreht dieses Prinzip um:

  • Der Investor schreibt sein Objekt auf der Plattform aus
  • Die Bank sieht das Objekt und die Bonität des Investors anonym
  • Erst wenn die Bank Interesse hat und aktiv "matcht", kommt es zum persönlichen Gespräch
  • Beide Seiten wissen dann bereits: Das passt grundsätzlich zusammen

Das ist der entscheidende Unterschied zum klassischen Prozess: Kein wochenlanger Prüfungsmarathon, kein Offenlegen aller Daten an Banken, die am Ende absagen. Stattdessen kommt es nur dann zu einem Gespräch, wenn beide Seiten bereits vorab gefiltert wurden und echtes Interesse besteht. Klassisch Tinder, wie Johannes und Andre es im Gespräch auf den Punkt bringen.

Für wen ist Finest Tab gedacht?

Die Plattform richtet sich nicht nur an professionelle Immobilieninvestoren oder Unternehmen. Auch Privatpersonen können Finest Tab nutzen. Konkret bedeutet das:

  • Du kannst als Privatperson ein Objekt ausschreiben, zum Beispiel eine Eigentumswohnung in Hamburg
  • Du kannst als GmbH oder Holding mit entsprechender Firmenstruktur auftreten
  • Du hinterlegst deine Selbstauskunft digital einmalig auf der Plattform
  • Du kannst diese Selbstauskunft jederzeit als PDF exportieren und anderweitig nutzen
  • Alle laufenden Finanzierungen inklusive aktueller Restschulden sind an einem Ort gebündelt

Das schafft ein zentrales Finanzmanagement für Immobilieninvestoren, das bisher so nicht existiert. Wer mehrere Objekte bei verschiedenen Banken finanziert hat, kennt das Problem: Neue BWA fertig, neues Geschäftsjahr, neue Unterlagen, und die müssen dann an jede Bank einzeln. Mit Finest Tab soll das in Zukunft deutlich einfacher werden.

KI im Onboarding: Dokumente automatisch einlesen und aufbereiten

Andre erwähnt im Gespräch, dass sein Team einen KI-Experten an Bord hat. Das Ziel ist, den größten Reibungspunkt der Plattform zu lösen: das initiale Onboarding der eigenen Finanzdaten. Wer ein umfangreiches Portfolio hat, sammelt eine Menge Dokumente an. Bilanzen, BWA, Grundbuchauszüge, Mietaufstellungen und vieles mehr.

In Zukunft soll es reichen, diese Dokumente einfach in einen Ordner zu werfen. Die KI liest sie aus, beschriftet sie automatisch korrekt und bereitet sie bankgerecht auf. Damit entfällt der manuelle Aufwand, der aktuell noch ein echter Zeitfresser ist. Auch die Anbindung an Steuerberater oder das automatische Abrufen öffentlich verfügbarer Bilanzdaten ist perspektivisch denkbar.

Wann kommt Finest Tab auf den Markt?

Im Video ist der Launch für Q1 2025 geplant. Wer sich schon vorab informieren will, kann dem Projekt auf Instagram folgen. Johannes kündigt außerdem an, die Plattform selbst zu testen, indem er ein konkretes Objekt einpflegt und den Prozess aus Nutzerperspektive dokumentiert. Das wird voraussichtlich in einer weiteren Folge gezeigt.

Für Immobilieninvestoren, die regelmäßig Finanzierungen suchen oder ihr Portfolio weiter ausbauen wollen, ist das ein Projekt, das es sich lohnt, im Auge zu behalten. Die Idee, Bankgespräche erst dann zu führen, wenn beide Seiten bereits gefiltert und qualifiziert sind, löst ein echtes Problem in der Praxis.