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Vom Albtraum zur Traumwohnung | VORHER NACHHER! Folge #139

In dieser Folge zeigt Johannes gemeinsam mit Met das Ergebnis einer vollständigen Kernsanierung in Stuttgart: Eine echte Bruchbude wurde von Grund auf neu aufgebaut und ist kaum wiederzuerkennen. Was dahinter steckt, welche Fehler passiert sind und ob sich die Rechnung am Ende wirklich aufgeht, erfährst du hier.

Das Projekt: Einkaufen, renovieren, verkaufen in Stuttgart

Das Prinzip ist simpel: Im April wurde die Wohnung angekauft, ab Mitte Juni begann die Renovierung. Was dabei folgte, war keine halbe Sache. Met hat die Wohnung im wahrsten Sinne des Wortes kernsaniert. Alles raus, alles neu. Johannes begleitete das Projekt im Hintergrund, gab regelmäßig Feedback zu Materialien, Grundriss und Design, aber den Großteil der Koordination und Entscheidungen hat Met eigenständig getroffen.

Das Ergebnis nach rund vier effektiven Monaten Bauzeit ist beeindruckend. Von der alten Substanz ist praktisch nichts mehr übrig. Wer das Vorher-Video kennt, weiß: Dort war quietschender Holzboden, ein alter Ofen, aufgebrochene Fliesen im Bad und ein Grundriss, der sich anfühlte wie ein Irrgarten. Heute sieht die Wohnung aus wie eine Anwaltskanzlei, wie Johannes selbst sagt.

Grundrissveränderungen: Warum Wände rausreißen mehr als Mut kostet

Einer der ersten und wichtigsten Eingriffe war die Veränderung des Eingangsbereichs. Wo früher eine vollständige Wand stand und eine kleine, seitlich versetzt angebrachte Tür den Durchgang blockierte, gibt es jetzt eine großzügige, breite Öffnung. Das Problem dabei: Die alte Tür war so klein, dass sie sich nicht einfach vergrößern ließ. Es musste statisch eingegriffen werden.

Fähige Handwerker haben den Einbalken entnommen, einen Querbalken gesetzt und diesen links und rechts ans Mauerwerk angesetzt. Damit wurde der Sturz für die neue, deutlich breitere Tür ermöglicht. Ein klassisches Beispiel dafür, dass Grundrissveränderungen beim Fix-and-Flip immer mit dem Thema Statik verknüpft sind.

Wichtig: Wände einfach rausreißen ist keine Option. Auch dünne Wände können tragende Funktionen übernehmen oder als Versteifung der Hauptwand dienen. Im Bad zum Beispiel wäre ohne Rücksprache mit einem Fachmann ein ernstes Problem entstanden, weil hinter einer scheinbar unwichtigen Trennwand drei versteckte Tragbalken verbaut waren.

Fenster, Dämmung und Energieklasse: Was wirklich zählt

An der Wohnung wurde nicht nur optisch gearbeitet. Die Energieklasse wurde von C auf B angehoben, was beim Verkauf ein echtes Argument ist. Die Maßnahmen dafür:

  • Dreifachverglaste Fenster mit Wärmeschutz: Die Wohnung liegt direkt an einer Hauptstraße. Nach dem Schließen der neuen Fenster ist draußen quasi nichts mehr zu hören.
  • Neue Heizkörper komplett erneuert.
  • Bodendämmung: Der alte Bodenaufbau bestand aus Querbalken mit Schutt, alten Bierflaschen und Fliesenstücken dazwischen. Das wurde vollständig entfernt und durch eine Schüttdämmung der Marke Isomur ersetzt, bevor der neue Boden aufgebaut wurde.

Das Haus selbst ist bereits gedämmt, das Dach ebenfalls. Die Verwaltung, nach Aussage von Met eine Einmann-Verwaltung, hält das Gebäude konsequent in Schuss. Die Außenfassade soll zeitnah gestrichen werden.

Boden, Parkett und Materialkosten: Unter 40 Euro pro Quadratmeter

Der Landhausdielenboden wurde bewusst weiß geölt gewählt. Nicht der typische braune Parkettton, sondern eine sehr helle, fast weiße Oberfläche, die zusammen mit den hellen Wänden und den Spots für ein extrem helles Raumgefühl sorgt. Das Paket wurde beim Baustoffhändler über eine Ausstellung zu einem sehr günstigen Preis beschafft.

Wichtiger Hinweis aus der Praxis: Unter 40 Euro pro Quadratmeter für hochwertiges Parkett ist möglich, wenn man die richtigen Zugangswege hat. Restpostenplattformen, Baustoffhändler mit Ausstellungsware oder direkte Kontakte können den Materialpreis deutlich drücken. Wer auf Marktpreise von 50 Euro und mehr kalkuliert, lässt Marge liegen.

Türen als Designentscheidung: Maßanfertigung, Soft-Close und Kosten

Die Innentüren sind eines der auffälligsten Details dieser Renovierung. Es handelt sich um sogenannte Bündigstür-Konstruktionen, also Türen, die bündig in die Wand eingebaut werden und von außen nahezu unsichtbar sind. Kein sichtbares Schlüsselloch, nur ein schlanker Griff, minimalistisches Design.

Was das bedeutet, erklärt Met im Video sehr anschaulich: Die Zargen müssen vor dem Verputzen in der Wand eingeputzt werden. Der Türrahmen steht dann bereits, bevor der Boden fertig ist. Erst nach Fertigstellung des Bodens werden die Türblätter nach Maß gefertigt und eingebaut. Wand, Boden und Decke werden im Grunde um die Tür herumgebaut, nicht umgekehrt.

Das ist aufwendig, teuer und erfordert saubere Koordination aller Gewerke. Eine solche Tür kostet inklusive Einbau im Marktpreis bis zu 3.000 Euro. In diesem Projekt war es günstiger möglich, weil langjährige Handwerkerbeziehungen genutzt wurden. Für die normale Kalkulation eines Fix-and-Flip-Projekts ist das kein Standardansatz.

Alle Türen haben außerdem eine Soft-Close-Funktion: Man kann sie schlicht nicht knallen. Das ist ein Komfortdetail, das in der Vermarktung funktioniert, aber in der Kalkulation realistisch eingepreist werden muss.

Das Fuckup-Thema: Was beim Fensterbauer schiefgelaufen ist

Eines der größten Learnings dieses Projekts war eine fehlerhafte Aufmaßkommunikation. Der Fensterbauer, der für Fenster und Türen gleichzeitig zuständig war, hat eine Außentür falsch aufgemessen. Statt 160 Zentimeter lieferte er 130, oder andersrum. Das Ergebnis: Die Tür passte nicht, zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Großteil der Arbeiten in diesem Bereich erledigt.

Das Learning daraus ist klar formuliert:

  • Maße immer schriftlich festhalten.
  • Bestätigungen einholen, nicht auf mündliche Absprachen verlassen.
  • Einmal besprochen ist keinmal besprochen.

Kommunikation ist im Handwerksprojekt einer der häufigsten Kostentreiber. Nicht weil Handwerker schlechte Arbeit machen, sondern weil Informationen auf dem Weg verloren gehen. Wer mehr kommuniziert als nötig, spart am Ende Geld und Nerven.

Das Badezimmer: Herzstück der Wohnung

Ursprünglich gab es ein beengtes WC mit Rundbogeneingang und ein separates, winziges Bad. Beides wurde zusammengelegt zu einem großzügigen Badezimmer. Das war baulich keine einfache Entscheidung, weil auch hier eine Wand als Versteifung der Hauptwand diente und nicht einfach herausgerissen werden durfte.

Das Ergebnis nach dem Umbau:

  • 120 x 120 Zentimeter Fliesen an Wand und Boden. Bewusst übergroß gewählt, weil es knallt und den Raum größer wirken lässt.
  • Eine Glasdusche mit schwarzem Rahmen, passend zum Design der Türen und Armaturen, die konsequent durch die gesamte Wohnung gezogen werden.
  • Eine freistehende schwarze Waschbeckenarmatur von Boch, qualitativ hochwertig, schlank und minimalistisch.
  • Ein beleuchteter Spiegel, 1,20 Meter breit, der den Raum nochmals optisch vergrößert. Kostenpunkt: rund 800 Euro, ein Impulskauf aus der Ausstellung, der aber passt.
  • Fugenfarbe passend zur Fliesenfarbe, bewusst kein kontrastierendes Grau. Das sorgt für ein ruhigeres, saubereres Gesamtbild.
  • Gedimmtes Licht, weil ein Badezimmer morgens keine Halogenbeleuchtung braucht.

Elektrik, Smart Home und Kreuzschalter

Das Thema Elektrik zieht sich durch die gesamte Wohnung. In jedem Raum wurden Kreuzschalter verbaut, das bedeutet, das Licht lässt sich von mehreren Punkten aus schalten. Wer abends ins Bett geht, muss nicht mehr aufstehen, um das Licht zu löschen.

Zusätzlich wurden elektrische Rollos in allen Räumen verbaut. Die Steuerung per Taster, möglicherweise später auch per Smart-Home-Anbindung, ist vorbereitet. Für WLAN und Multimedia gibt es einen eigenen Installationskanal, damit Kabel und Router nicht offen herumliegend das Bild stören.

Die Spots im Wohnzimmer sind dimmbar, was durch eine einfache, aber gut sichtbare Schaltlösung umgesetzt wurde. Im Schlafzimmer dagegen wurde bewusst auf viele Spots verzichtet. Ein Hauptlicht, kombiniert mit einer Nachtlampe nach Wahl, reicht aus und vermeidet das Problem, nachts aus Versehen die falsche Taste zu drücken.

Heizung und Gas: Das unterschätzte Risiko beim Flip

Ein klares Warnsignal aus dem Video: Das Thema Heizung und Gas kann einen ganzen Flip versorgen. Die Gasetagenheizung war in diesem Projekt einer der kritischsten Punkte. Wer eine Immobilie mit Gasheizung kauft, sollte vor dem Kauf unbedingt beim Schornsteinfeger nachfragen. Was der Schornsteinfeger sagt, gilt, egal was Verkäufer oder Makler erzählen.

Kalkulation und Gewinn: Was am Ende übrig bleibt

Ganz offen legt Met die Zahlen nicht auf den Tisch, was verständlich ist. Was verraten wird: Der Gewinn liegt irgendwo zwischen 40.000 und 100.000 Euro. Das entspricht in etwa einem Jahresgehalt, verbunden mit erheblichem Aufwand, einer Projektlaufzeit von rund vier Monaten und viel persönlichem Einsatz.

Wichtig dabei: Die hochwertige Ausstattung, insbesondere die Maßtüren und die hochwertigen Armaturen, hat nur deshalb funktioniert, weil Met über langjährige Handwerkerbeziehungen verfügt. Partner, denen man in der Vergangenheit viel gegeben hat, geben das zurück. Für die Excel-Kalkulation eines Erstprojekts sind diese Sonderkonditionen kein belastbarer Ansatz.

Zeitplan und was den Ablauf verlangsamt hat

Gekauft im April, gestartet im Juni, fertig kurz vor Dezember. Das klingt nach mehr als vier Monaten, und das stimmt. Der entscheidende Faktor war der August. Handwerker gingen in Urlaub, Betriebsferien unterbrachen die Gewerkeabfolge, und dadurch verschob sich der Zeitplan um fast einen Monat. Das ist kein Einzelfall, das ist strukturell so im deutschen Handwerk.

Wer ein Flipprojekt plant, sollte den August als faktischen Stillstandmonat einkalkulieren. Wer davon weiß und darum herum plant, spart sich Frustration und Kapitalbindungskosten.

Fazit: Was dieses Projekt lehrt

Diese Folge zeigt, was möglich ist, wenn jemand wirklich alles gibt und dabei die richtigen Partner im Rücken hat. Die Wohnung ist ein Paradestück handwerklicher und gestalterischer Qualität. Gleichzeitig ist sie ein realistisches Beispiel dafür, dass übertriebene Ausstattung nur dann funktioniert, wenn die Einkaufspreise für Material und Handwerk weit unter Marktpreis liegen.

Die wichtigsten Learnings auf einen Blick:

  • Maße immer schriftlich fixieren und bestätigen lassen.
  • Statik niemals auf eigene Faust beurteilen, auch dünne Wände können tragend sein.
  • Gas und Heizung vor dem Kauf klären, Schornsteinfeger hat das letzte Wort.
  • Handwerkerbeziehungen sind in diesem Business Kapital, das sich auszahlt.
  • August ist Stillstandmonat, das gehört in jede Zeitplanung.
  • Hochwertige Ausstattung braucht günstige Einkaufspreise, sonst geht die Rechnung nicht auf.