Von Brötchen belegen zu 30 Millionen Euro Umsatz: Ein ehrliches Interview mit Maximilian Wolf | Teil 1
In dieser Folge von Flipper Immo ist Johannes nach Augsburg in ein riesiges Studio gefahren, um sich mit Maximilian Wolf zu unterhalten. Max ist Immobilienunternehmer, Geschäftsführer einer Immobiliengruppe mit 16 Standorten in Deutschland und Kopf hinter einem Coaching-Programm mit über 600 aktiven Teilnehmern. Im ersten Teil des Interviews sprechen die beiden offen über seinen Werdegang: vom Catering-Unternehmer mit 106 Mitarbeitern bis hin zu einem der bekanntesten Gesichter im deutschen Immobilienmarkt.
Wer ist Maximilian Wolf?
Max Wolf, 44 Jahre alt, ist Geschäftsführer einer Immobiliengruppe, die sich um drei Kernbereiche dreht: Immobilienentwicklung, Maklergeschäft und Unternehmenscoaching. Wer ihn noch nicht kennt, hat ihn sehr wahrscheinlich trotzdem schon gesehen, nämlich in Online-Werbungen, auf Bühnen als Speaker oder in diversen Formaten rund um Immobilien und Unternehmertum. Sein Name taucht mittlerweile überall dort auf, wo es um professionelles Investieren und den Aufbau von Immobilienunternehmen geht.
Seinen Ursprung hat er nicht im klassischen Immobilienstudium oder einer Bankausbildung, sondern in der harten Schule des Unternehmertums. Das macht seinen Weg besonders interessant, weil er zeigt, wie unterschiedlich die Wege in die Immobilienbranche sein können und wie viel Erfahrung aus anderen Branchen tatsächlich übertragbar ist.
Erste unternehmerische Schritte: Computer und Catering
Schon mit 16 Jahren zeigte Max, dass das Unternehmergen in ihm steckt. Er bestellte Computer im Großhandel und inserierte sie über die Augsburger Allgemeine Zeitung, damals noch ohne Internet, ohne Online-Marktplätze. Pro verkauftem Gerät machte er rund 300 DM Gewinn, was für einen 16-Jährigen eine ganze Menge war. Auch wenn das heutige YouTube-Publikum darüber schmunzeln mag, war es für damalige Verhältnisse echter Unternehmensaufbau mit Gewerbeschein.
Mit 18 Jahren, nach der Schule und der Bundeswehr, entschied er sich bewusst gegen eine Ausbildung oder ein Studium und stieg direkt in die Selbstständigkeit ein, sehr zum Missfallen seiner Familie. Er baute ein Catering-Unternehmen auf, das Betriebsgastronomien, Fußballstadien und Kioske bei großen Firmen wie BMW, Audi und Flughäfen belieferte. Belegte Brötchen waren das Kernprodukt, aber das Unternehmen dahinter war alles andere als simpel.
Auf dem Höhepunkt führte er 106 Mitarbeiter, arbeitete nachts und am Wochenende und baute über Jahre hinweg operative Erfahrung auf, die sich später als unschätzbar wertvoll herausstellen sollte. Mit 27 Jahren, kurz nachdem er zum ersten Mal Vater wurde, zog er die Reißleine. Er wollte nicht mehr nachts arbeiten, hörte auf und machte erst einmal ein Jahr gar nichts.
Der Einstieg in die Immobilienwelt: Zufällig und mit Mut
Den ersten Kontakt mit Immobilien hatte Max 2007, und er verlief alles andere als geplant. Ein Bekannter bot ihm eine Zweizimmerwohnung mit 80 Quadratmetern für 180.000 Euro an. Max wusste, dass er sie sich eigentlich nicht leisten konnte, schaute sie sich trotzdem an und gab am nächsten Tag ein Angebot über 140.000 Euro inklusive Tiefgaragenstellplatz ab. Sein Bankberater war skeptisch, die Wohnung hatte eigentlich 240.000 Euro gekostet.
Einen Tag später wurde das Angebot angenommen, der Verkäufer wollte das Projekt abschließen. Max und seine Frau setzten ihre Lebensversicherungen ein, bekamen die Finanzierung und kauften. Der erste unternehmerische Instinkt setzte sich direkt um: Sie entfernten die Küche aus dem zweiten Zimmer, integrierten sie ins Wohnzimmer und schufen so faktisch eine Dreiraumwohnung. Eine frühe Form von Wertoptimierung, auch wenn damals noch kein klassischer Flip dahintersteckte.
Diese Wohnung sollte sich später als wichtiger Hebel erweisen, über die aufgebauten Grundschulden konnte Max weiteres Kapital mobilisieren. Den Gedanken dahinter hatte er damals noch nicht bewusst, es war klassische Altersvorsorge-Mentalität, wie sie vielen Deutschen eingepflanzt wird.
Vom Catering zur Immobilienbranche: Der Weg über die Angestelltenphase
Nach dem Jahr Pause stieg Max 2015 als Vertriebsleiter bei einem Hausbauunternehmen im Raum Augsburg ein. Das war für ihn als langjährigen Unternehmer ein bewusster Schritt auf die andere Seite, und er war dankbar dafür. Zwei Jahre lang durfte er verstehen, wie Mitarbeiterführung aus der Perspektive des Angestellten funktioniert. Fehler, die ihm seine eigenen Mitarbeiter früher vorgeworfen hatten, erkannte er nun an sich selbst.
Dieses Learning war laut Max ein entscheidender Baustein für alles, was danach kam. Am 1. Juli 2017 gründete er die OPM Beteiligungsgesellschaft, weil er wieder selbstständig sein wollte. Zu diesem Zeitpunkt war das primäre Geschäftsmodell noch die Grundstücksparzellierung:
- Grundstücke kaufen und wie eine Pizza aufteilen
- Einzelparzellen mit einer Hausbaufirma kombinieren
- Den Grundstücksanteil verkaufen, während die Hausbaufirma das Haus baut
- Als Grundstückseigentümer schnell wieder raus und Liquidität freisetzen
Das Modell funktionierte, aber Makler bremsten immer wieder mit Argumenten, warum Objekte sich nicht vermarkten ließen. Mit seinem tiefen Vertriebshintergrund und zwei Jahren Praxiserfahrung als Vertriebsleiter entschied Max, das selbst in die Hand zu nehmen. Daraus entstand Bricks and Water Immobilien, der heutige Maklerarm seiner Gruppe.
Wie der Name Bricks and Water entstand
Die Namensgeschichte des Unternehmens ist tatsächlich so kurios, wie sie klingt. Bei der Firmengründung suchten Max und seine Mitgründer eine freie Domain. Alle naheliegenden Namen wie Wolf Immobilien waren vergeben. Nach zwei Flaschen Amarone, einem schweren Rotwein vom Gardasee, kam der Einfall: Bricks and Water, auf Deutsch Stein und Wasser, eine Anlehnung an das englische Immobilienbusiness. Die Domain war frei, der Name wurde registriert.
Was danach folgte, war ein kleiner rechtlicher Umweg: Im englischsprachigen Raum bezeichnet Bricks and Mortar den stationären Handel im Gegensatz zum Online-Handel, und damit war der Begriff als allgemeiner Begriff grundsätzlich schwer zu schützen. Mit anwaltlicher Hilfe und dem Argument, dass in Deutschland keine Verwechslungsgefahr besteht, wurde der Name letztlich erfolgreich eingetragen.
Das Beteiligungsmodell: Kein Franchise, sondern echte Partnerschaft
Was Bricks and Water von klassischen Franchise-Systemen unterscheidet, ist die Struktur. Max erklärt das klar:
- Die OPM Beteiligungsgesellschaft hält mittlerweile über 30 GmbH-Beteiligungen
- Immer fifty-fifty: Max auf der einen Seite, der Standortpartner auf der anderen
- Der Partner kümmert sich um das operative Geschäft vor Ort: Akquise, Verkauf, Mitarbeiterführung
- Die Zentrale in Augsburg übernimmt: Marketing, IT, Finanzen und strategische Beratung
Im ersten vollen Geschäftsjahr erzielte die Gruppe eine Beurkundungssumme von knapp 100 Millionen Euro, eine Zahl, die selbst Max überrascht hat. Aktuell zählt das Netzwerk 16 Standorte in Deutschland mit fast 100 festangestellten Mitarbeitern, Tendenz stark wachsend.
Das Vertriebssystem: Fließband statt Einzelkämpfer
Ein zentraler Unterschied zum klassischen Maklerunternehmen liegt im internen Prozessdenken. Die meisten Makler lassen einen einzigen Mitarbeiter alle Aufgaben erledigen: Akquise, Terminierung, Exposé-Erstellung und Abschluss. Bei Bricks and Water ist das in vier klar getrennte Rollen aufgespalten:
- Aktivieren: Leads generieren und Sichtbarkeit erzeugen
- Terminieren: Besichtigungen und Gespräche koordinieren
- Akquirieren: Objekte und Mandate sichern
- Verkaufen: Abschlüsse erzielen
Jede Stufe wird von einer eigenen Person oder Rolle besetzt. Über Kennzahlen lässt sich genau messen, wo in der Kette es hakt, und dort gezielt nachsteuern. Das Ergebnis: mehr Termine, mehr Schlagzahl, mehr Umsatz. Max vergleicht das Prinzip selbst mit Henry Ford und dem Fließband, konsequent auf das Maklergeschäft übertragen.
Coaching und Sichtbarkeit als strategisches Werkzeug
2019 stieg Max ins Online-Coaching ein, ursprünglich um Wissen innerhalb seiner eigenen Standortpartner zu transferieren. Daraus wurde ein eigenständiges Geschäftsmodell mit heute über 600 Teilnehmern, von Einsteigern bis hin zu bekannten Namen des deutschen Immobilienmarktes. Parallel dazu erkannte Max früh, dass digitale Reichweite eine echte unternehmerische Währung ist.
Die Strategie war bewusst aufgebaut: Erst über das Coaching seinen Namen und seine Expertise sichtbar machen, dann ab 2022 schrittweise das Maklerunternehmen Bricks and Water öffentlich damit verknüpfen. Wer sofort Umsatz aus Social Media und Online-Reichweite erwartet, macht laut Max einen klassischen Fehler. Reichweite braucht Zeit und Konsequenz, bevor sie sich in Geschäft umwandelt.
Was Maximilian Wolf Immobilieninvestoren mitgeben will
Am Ende des ersten Teils hat Max eine klare Botschaft, und die klingt nicht nach Hype, sondern nach Überzeugung aus 17 Jahren Immobilienerfahrung:
Fangt mit Immobilien an. Der Immobilienmarkt in Deutschland wird seinen Stellenwert behalten. Menschen wollen wohnen, sie wollen warm wohnen, und das wird sich nicht ändern. Die Medien verkaufen Angst, weil Angst Reichweite erzeugt. Hohe Zinsen und negative Schlagzeilen sind kein Grund, tatenlos zu bleiben. Wer heute anfängt, wird irgendwann dankbar sein, dass er es getan hat.
Im zweiten Teil des Interviews geht es unter anderem um den Immobilienkongress, den eigenen Bestand und darum, was 2023 auf dem Immobilienmarkt wirklich passiert. Wer Teil 2 nicht verpassen will, sollte den Kanal abonnieren.