Von Brötchen belegen zu 30 Millionen Euro Umsatz: Ein ehrliches Interview mit Maximilian Wolf | Teil 1
In dieser Folge von Flipper Immo ist Johannes nach Augsburg gefahren, um Maximilian Wolf zu interviewen: Immobilienunternehmer, Geschäftsführer einer wachsenden Immobiliengruppe und mittlerweile bekanntes Gesicht in der deutschsprachigen Immobilienszene. Das Gespräch ist ehrlich, direkt und zeigt, wie ein klassischer Unternehmerweg mit Brötchenbelegen im Catering über Umwege in ein Immobilienimperium mit mehreren Standorten, einer eigenen Maklerkette und einem Coaching-Business münden kann. Teil 2 folgt in der nächsten Folge.
Wer ist Maximilian Wolf?
Maximilian Wolf, 44 Jahre alt, ist Geschäftsführer einer Immobiliengruppe, die sich um drei Kernbereiche dreht: Immobilienentwicklung, den Aufbau eines eigenen Maklerunternehmens namens Bricks and Water Immobilien mit mittlerweile 16 Standorten in Deutschland sowie ein Unternehmenscoaching für Immobilienprofis. Über 600 Teilnehmer werden aktuell in diesem Coaching betreut, darunter nach eigener Aussage einige der bekanntesten Namen der deutschen Immobilienbranche. Dass das alles mal mit dem Verkauf von zwei Computern über die Augsburger Allgemeine begann, macht die Geschichte umso lesenswerter.
Unternehmergeist von Anfang an: Computer verkaufen mit 16
Schon in der Schule zeigte Max Wolf, dass er nicht auf den klassischen Berufsweg warten wollte. Mit 16 Jahren kaufte er Computer im Großhandel und inserierte sie in der lokalen Zeitung. Damals gab es kein Internet, kein eBay, kein soziales Netzwerk. Stattdessen: Annoncen in der Tageszeitung und ein Gewinn von rund 300 Mark pro Gerät. Genug, um das Unternehmergefühl zu befeuern. Das klingt bescheiden, war für einen Teenager in den frühen 1990er Jahren aber echtes Unternehmen mit Gewerbe und allem, was dazugehört.
Dieser frühe Hunger nach Eigenständigkeit zieht sich durch seinen gesamten Werdegang. Eine Ausbildung oder ein Studium kam für ihn nie in Frage, auch wenn Eltern und Großeltern das anders sahen. Heute sagt er selbst, er würde es nicht mehr unbedingt so empfehlen, aber er ist auch überzeugt, dass genau dieser Weg ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist.
Das Catering-Business: 106 Mitarbeiter, Nachtschichten und ein radikaler Schnitt
Nach der Bundeswehr gründete Max Wolf mit 18 Jahren ein Catering-Unternehmen. Das klingt klein, war es aber nicht. Das Geschäftsmodell: Betriebsgastronomie und Kiosk-Versorgung für große Firmen wie BMW, Audi und Flughäfen. Belegte Brötchen, Kioske in Werkhallen, Fußballstadien, Betriebsrestaurants. Auf dem Höhepunkt führte er 106 Mitarbeiter.
Bis 2013 lief das Unternehmen. Dann kam der Schnitt. Mit 27 Jahren wurde er Vater und wollte nicht mehr nachts arbeiten. Also hörte er auf. Einfach so. Keiner hat es verstanden. Er selbst aber wusste: Das war die richtige Entscheidung. Ein Jahr lang machte er nichts. Kein neues Projekt, keine Hektik. Dann kam der nächste Schritt.
Was er aus dieser Zeit mitnimmt, ist wertvoller als jeder MBA: Er hat gelernt, wie man eine Firma nicht aufbaut. Und er hat durch Mitarbeitererfahrung, Seminare, Bücher und Lebenserfahrung sein Handwerk als Führungskraft von Grund auf verstanden.
Der erste Immobilienkauf: Eine Zweizimmerwohnung für 140.000 Euro
Den ersten Kontakt mit Immobilien hatte Max Wolf bereits 2007. Ein Freund vermittelte ihm eine Neubauwohnung, eigentlich für 240.000 Euro ausgepreist. Wolf gab am nächsten Tag ein Angebot über 140.000 Euro inklusive Tiefgaragenstellplatz ab. Niemand glaubte, dass daraus etwas wird. Einen Tag später rief der Makler zurück: Der Bauträger wollte das Projekt abschließen. Deal.
Die Finanzierung war knapp. Eine kleine Lebensversicherung von ihm, eine von seiner Frau. Das war das Eigenkapital. Aber der Clou lag woanders: Die Wohnung hatte 80 Quadratmeter als Zweizimmerwohnung, was damals keiner wollte. Wolf baute die Küche um, integrierte sie ins Wohnzimmer und schuf so eine Dreizimmerwohnung. Aus heutiger Sicht ein klassischer Fix-Gedanke, der auf Wertsteigerung ausgerichtet war, auch wenn er damals noch nicht verkaufte.
Über die Grundschulden dieser Wohnung konnte er später Kapital hebeln. Der Wertzuwachs war enorm. Der erste Schritt in Richtung Immobilien als ernsthafte Kapitalanlage war getan, ohne dass er das damals so geplant hatte. Es war ein klassischer Altersvorsorge-Gedanke, wie er sagt: "Den jeder Deutsche irgendwann mal eingepflanzt kriegt."
Festanstellung als Lernphase: Vertriebsleiter bei einem Hausbauunternehmen
Nach dem Jahr ohne Tätigkeit wechselte Max Wolf 2015 auf die Angestelltenseite. Er wurde Vertriebsleiter bei einem Hausbauunternehmen in der Region Augsburg und Landsberg. Das war bewusst eine Lernphase. Er wollte verstehen, wie die Immobilienbranche von innen funktioniert. Und er wollte das tun, was er als Unternehmer nie konnte: die Perspektive des Mitarbeiters einnehmen.
Zweieinhalb Jahre blieb er. In dieser Zeit erkannte er eigene Führungsfehler aus der Catering-Zeit, die er nie verstanden hatte, solange er auf der anderen Seite stand. Das war ein großes Lernfeld. Und er entwickelte ein tiefes Verständnis für strukturierten Vertrieb, das er später für Bricks and Water nutzen sollte.
Bricks and Water Immobilien: Wie ein Firmenname über Amarone entstand
Am 1. Juli 2017 gründete Max Wolf die OPM Beteiligungsgesellschaft, den Grundstein für alles, was folgte. Der Einstieg ins Maklergeschäft war ursprünglich gar nicht geplant. Er wollte Grundstücke kaufen, parzellieren, mit einer Hausbaufirma bebauen lassen und die Grundstücksanteile verkaufen. Das Modell: schnell raus als Grundstückseigentümer, Liquidität hebeln, Fremdkapital über Investoren nutzen.
Doch die Makler, mit denen er zusammenarbeitete, lieferten nicht. Sie erklärten ihm, warum seine Objekte schwer zu vermarkten seien. Wolf, der sich seit über 20 Jahren mit Vertrieb beschäftigt, sagte sich: Das mache ich selbst. Und so entstand Bricks and Water Immobilien fast aus der Not heraus. Für die Liquidität, die das Investmentgeschäft nicht immer pünktlich liefern konnte, war ein Maklerunternehmen mit schnellem Umsatz die ideale Ergänzung.
Der Name selbst ist eine nüchterne Anekdote: Bei der Firmengründung, angeblich mit zwei Flaschen Amarone auf dem Tisch, suchten sie nach einer verfügbaren Domain. Wolf Immobilien, primo-immobilien.de, alles vergeben. Dann kam die Idee: Bricks and Water, englisch für Stein und Mörtel. Die Domain war frei. Gekauft. Fertig. Dass "bricks and mortar" im Englischen eigentlich stationären Handel bedeutet und die Eintragung zunächst Probleme machte, klärte ein Anwalt mit dem Hinweis, dass eine Verwechslungsgefahr in Deutschland schlicht nicht besteht. Eingetragen, offiziell am Start.
Das Beteiligungs-Modell: Kein Franchise, sondern GmbH-Anteile fifty-fifty
Was Bricks and Water von anderen Maklernetzwerken unterscheidet, ist das Gesellschaftsmodell. Es ist kein Franchise. Stattdessen hält die OPM Beteiligungsgesellschaft mittlerweile über 30 Beteiligungen an Unternehmen, immer auf Basis von 50-50-Beteiligungen.
Das funktioniert so: Der lokale Partner kümmert sich am Standort um das operative Geschäft, also Akquise, Verkauf und Mitarbeiterführung. Die Zentrale in Augsburg übernimmt, was sich zentralisieren lässt:
- Marketing
- IT
- Finanzen
- Beratung und Coaching über das In-House-Consulting
Das Ergebnis: Im ersten vollen Geschäftsjahr lag die Beurkundungssumme bei knapp 100 Millionen Euro. Zahlen, die selbst Max Wolf überrascht haben, wie er sagt. Heute sind es fast 100 festangestellte Mitarbeiter an 16 Standorten, Tendenz wachsend.
Fließband-Denken im Makler-Business: Rollen statt Personen
Ein zentrales Element des Erfolgs ist ein Vertriebssystem, das Wolf selbst mit dem Fließbandprinzip nach Henry Ford vergleicht. Die meisten Makler machen einen Fehler: Sie lassen eine Person alles machen. Akquise, Terminvereinbarung, Besichtigung, Exposé, Abschluss. Das ist ineffizient und kaum steuerbar.
Bei Bricks and Water gibt es stattdessen vier klar getrennte Stufen, die jeweils von eigenen Personen übernommen werden:
- Aktivieren: Leads generieren, Aufmerksamkeit erzeugen
- Terminieren: Interessenten qualifizieren und Termine vereinbaren
- Akquirieren: Objekte gewinnen
- Verkaufen: Abschluss mit dem Käufer
Durch die Trennung in Rollen und die Messung über Kennzahlen lässt sich jederzeit erkennen, wo die Kette bricht. Das ermöglicht schnelles Nachjustieren. Das Ergebnis: mehr Termine, mehr Abschlüsse, mehr Umsatz als bei Wettbewerbern, die nach dem Allrounder-Prinzip arbeiten.
Sichtbarkeit als Währung: Online-Business und Coaching
Bereits vor dem Corona-Boom erkannte Max Wolf, was Reichweite im Internet wert ist. 2019 stieg er ins Online-Business ein. Das Coaching, das ursprünglich intern für die Primo-Standortpartner gedacht war, wurde zu einem eigenständigen Geschäftsmodell mit heute über 600 aktiven Teilnehmern.
Die Strategie war dabei bewusst sequenziell: Erst über das Coaching Sichtbarkeit aufbauen und sich als Experte positionieren. Erst danach, konkret ab Januar 2022, wurde der eigene Name öffentlich mit der Marke Bricks and Water verbunden. Wer sofort Umsatz aus Social Media erwartet, macht einen typischen Fehler, sagt Wolf. Reichweite braucht Zeit. Wer das versteht und trotzdem früh anfängt, hat einen enormen Vorsprung.
Sein Fazit zum Immobilienmarkt 2023
Am Ende des Gesprächs bekommt Max Wolf das letzte Wort. Und das klingt so:
Fangt mit Immobilien an. Als 44-Jähriger ist er überzeugt, dass die Immobilie ihren Stellenwert in Deutschland behalten wird. Menschen wollen wohnen, warm wohnen, und dieser Bedarf ist seit Corona sogar gestiegen. Auch wenn die Zinsen aktuell hoch sind und die Presse Negativschlagzeilen produziert: Medien brauchen Dramatik für Reichweite, nicht unbedingt Wahrheit. Immobilien als Kapitalanlage und Altersvorsorge sind langfristig weiterhin relevant. Wer jetzt anfängt, wird rückblickend froh sein, dass er es getan hat.
In Teil 2 des Interviews geht es um den eigenen Immobilienbestand von Max Wolf, den Immobilienkongress und was er für den Markt 2023 erwartet. Den Link zur nächsten Folge findest du direkt auf flipperimmo.com.