Zinsbindung: Laufzeit richtig wählen und Zinsrisiko begrenzen
Zinsbindung: Wie lange Dein Zins fest steht
Die Zinsbindung ist der Zeitraum, für den die Bank Dir den Sollzins Deines Darlehens vertraglich garantiert. Innerhalb dieser Frist ändert sich Deine Rate nicht, unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt. Sie wird auch Sollzinsbindung oder Zinsfestschreibung genannt. Läuft sie aus, bleibt in der Regel eine Restschuld, die Du über eine Anschlussfinanzierung zum dann gültigen Zins weiterführen musst.
Übliche Laufzeiten
Banken bieten Bindungen meist in Fünfjahresschritten an. Je länger die Bindung, desto höher in der Regel der Zinssatz, weil die Bank das Risiko länger trägt.
| Variabel | Zins passt sich laufend an, Kündigung mit drei Monaten Frist |
| 5 Jahre | Niedrigster Festzins, hohe Restschuld am Ende |
| 10 Jahre | Der Standard, danach greift das Sonderkündigungsrecht |
| 15 bis 20 Jahre | Maximale Planbarkeit, spürbarer Zinsaufschlag |
| Volltilger | Bindung bis zur vollständigen Rückzahlung, keine Restschuld |
Das Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren
Nach Paragraf 489 Absatz 1 Nummer 2 BGB kannst Du jedes Darlehen mit festem Zins zehn Jahre nach vollständigem Empfang mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das gilt auch für eine Bindung von 15 oder 20 Jahren. Eine lange Bindung ist deshalb keine Falle: Du bist maximal zehn Jahre und sechs Monate gebunden, profitierst aber die ganze Zeit von der Zinsgarantie. Willst Du früher raus, brauchst Du ein berechtigtes Interesse nach Paragraf 490 Absatz 2 BGB und zahlst eine Vorfälligkeitsentschädigung.
Rechenbeispiel mit Beispielzahlen
Die Zinssätze sind frei gewählte Beispielwerte und keine Aussage über das aktuelle Zinsniveau. Darlehen 300.000 Euro, anfängliche Tilgung 2 Prozent.
| Zinsbindung | 10 Jahre | 20 Jahre |
| Beispiel-Sollzins | 3,50 Prozent | 3,90 Prozent |
| Monatsrate | 1.375 Euro | 1.475 Euro |
| Restschuld nach 10 Jahren | rund 229.000 Euro | rund 225.000 Euro |
Die längere Bindung kostet Dich im Beispiel 100 Euro mehr im Monat, also 12.000 Euro über zehn Jahre. Dafür steht Dein Zins auch im elften bis zwanzigsten Jahr fest. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob der Zins in zehn Jahren über oder unter 3,90 Prozent liegt. Steigt er auf 6 Prozent, ist die lange Bindung klar im Vorteil, fällt er auf 2,5 Prozent, hast Du drauf gezahlt.
Wie Du die passende Bindung wählst
Kurze Bindung von fünf Jahren oder variabel, wenn Du innerhalb weniger Jahre verkaufen oder umschulden willst.
Zehn Jahre, wenn Du normal hältst, eine solide Tilgung fährst und Flexibilität behalten willst.
15 bis 20 Jahre, wenn die Rate knapp kalkuliert ist und eine Zinserhöhung Dich in Schwierigkeiten brächte.
Volltilgerdarlehen, wenn Du Restschuld und Anschlussfinanzierung komplett vermeiden willst.
Entscheidend ist nicht nur die Laufzeit, sondern auch die Tilgung. Eine hohe Tilgung senkt die Restschuld am Ende der Bindung und damit Dein Zinsänderungsrisiko deutlich stärker als jeder Zehntelprozentpunkt beim Sollzins.
Zinsänderungsrisiko konkret
Das Risiko trifft Dich nicht während der Bindung, sondern am Tag danach. Rechne deshalb vor Abschluss durch, was passiert, wenn die Anschlussfinanzierung zwei oder drei Prozentpunkte teurer wird. Bei 229.000 Euro Restschuld sind drei Prozentpunkte rund 570 Euro mehr Zins im Monat. Trägt Deine Miete oder Dein Einkommen das nicht, ist die Bindung zu kurz oder die Tilgung zu niedrig gewählt.
Kurze Bindung beim Fix und Flip
Beim Flip hältst Du das Objekt zwölf bis 24 Monate. Eine zehnjährige Bindung passt dazu nicht, weil Du mitten in der Bindung ablöst und eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlst, die Deine Marge spürbar drückt. Sinnvoll sind stattdessen eine variable Finanzierung, eine Bindung von fünf Jahren mit großzügigem Sondertilgungsrecht oder ein Zwischenfinanzierungsdarlehen.
Wir legen die Bindung bei unseren Flips immer an der geplanten Haltedauer plus Puffer aus und lassen uns schriftlich geben, was eine vorzeitige Ablösung kostet. Wenn das Objekt wider Erwarten in den Bestand wandert, ist eine kurze Bindung leichter zu verlängern als eine lange aufzulösen.
Häufige Fehler
Die Bindung nach dem niedrigsten Zins wählen, ohne die Restschuld am Ende anzusehen.
Beim Flip eine Zehnjahresbindung nehmen, weil sie beim Berater als Standard auf dem Tisch liegt.
Die Tilgung niedrig halten, um die Rate zu drücken, und damit das Zinsänderungsrisiko vergrößern.
Sondertilgungsrecht und Tilgungssatzwechsel nicht verhandeln. Beides kostet bei vielen Banken nichts.
Das Ende der Bindung nicht terminieren und die Anschlussfinanzierung erst drei Monate vorher angehen.
Vergessen, dass das Sonderkündigungsrecht erst zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung greift, nicht ab Unterschrift.
So gehst Du vor
Lass Dir zu jedem Angebot die Restschuld am Ende der Bindung ausweisen, nicht nur Zins und Rate. Vergleiche dann zwei Varianten mit gleicher Rate: einmal kurze Bindung mit hoher Tilgung, einmal lange Bindung mit niedrigerer Tilgung. Die Variante mit der kleineren Restschuld und der Bindung, die zu Deiner Haltedauer passt, ist meist die richtige.
Häufige Fragen
Wie lange sollte die Zinsbindung sein?
Das hängt an Deiner Haltedauer und Deinem Risikopuffer. Wer verkauft oder umschuldet, fährt mit fünf Jahren oder variabel besser. Wer hält und eine knappe Rate kalkuliert, sichert sich mit 15 oder 20 Jahren ab. Zehn Jahre sind der Kompromiss, weil danach das Sonderkündigungsrecht greift.
Was passiert nach Ablauf der Zinsbindung?
Die Restschuld wird fällig. In der Regel schlägt Dir Deine Bank eine Prolongation zum aktuellen Zins vor, Du kannst aber auch zu einer anderen Bank umschulden oder vollständig tilgen. Kläre das rund zwölf Monate vorher und hol mehrere Angebote ein, statt das erste anzunehmen.
Kann ich während der Zinsbindung kündigen?
Nur mit berechtigtem Interesse nach Paragraf 490 Absatz 2 BGB, etwa beim Verkauf der Immobilie, und dann gegen Vorfälligkeitsentschädigung. Unabhängig davon kannst Du nach Paragraf 489 BGB zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung mit sechs Monaten Frist entschädigungsfrei kündigen, auch bei einer längeren Bindung.
Lohnt sich eine kurze Zinsbindung beim Fix und Flip?
Ja, in den meisten Fällen. Bei einer Haltedauer von ein bis zwei Jahren löst Du jedes lang gebundene Darlehen vorzeitig ab und zahlst dafür. Eine variable Finanzierung, eine Fünfjahresbindung mit hohem Sondertilgungsrecht oder eine Zwischenfinanzierung passen besser zur Exit-Strategie.
Ist eine lange Zinsbindung teurer?
In der Regel ja, weil die Bank das Zinsrisiko länger trägt und sich das über einen Aufschlag bezahlen lässt. Ob der Aufschlag sinnvoll investiert ist, entscheidet sich erst beim Ablauf der kürzeren Alternative. Er ist der Preis für Planbarkeit, nicht automatisch ein Nachteil.


