Flipper News (28.10.2026) - Gebäudetyp E, Baufirmen-Insolvenzen, Kaufpreise und Genehmigungen
Gebäudetyp E, Baufirmen-Insolvenzen und stagnierende Kaufpreise – was deine Woche prägt
| EURIBOR 12M | 3,23 % ↗ | Flip-Zins ~4,7–5,2 % |
| EZB Leitzins | 2,65 % → | seit 16.09.2026 |
| Inflation DE | 3,3 % ↗ | September 2026, Destatis |
| Baupreise | +5,5 % ↗ | Aug. 2026 / Jahresrate |
| ETW Ø DE /m² | 3.288 €/m² ↗ | Q3 2026 Bestand DE |
Renovierung & Bau
Gebäudetyp E: Der Entwurf ist da — und hat einen Haken
Lange geredet, jetzt auf dem Tisch. Die Bundesregierung will beim Wohnungsbau teure Extras streichen und Bauherren mehr Spielraum geben. Justizministerin Stefanie Hubig und Bauministerin Verena Hubertz treiben den Gebäudetyp E voran. Künftig sollen Bauherren und Auftragnehmer rechtssicher vereinbaren können, dass sie auf bestimmte Komfortstandards verzichten.
Klingt gut. Aber: Was nach dem neuen Baurecht zulässig ist, könnte nach dem Mietrecht weiterhin als Mangel gelten. Mieter könnten eine einfachere Ausstattung beanstanden, obwohl sie beim Bau ausdrücklich vereinbart wurde.
GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser verweist auf mögliche Einsparungen von 1.000 bis 1.500 Euro je Quadratmeter durch einfachere Standards. Damit diese Vorteile auch im Mietwohnungsbau ankommen, fordert der Verband einen rechtlich abgesicherten Basisstandard, der auch für Mietverhältnisse gilt.
Mit anderen Worten: Günstiger bauen ja, aber das Mietrecht muss mitziehen. Sonst kauft man sich mit der eingesparten Dämmung den nächsten Rechtsstreit ein.
Quelle: immowelt Impuls / haufe.de
Baufirmen-Insolvenzen: 2026 und 2027 auf Rekordhoch
Allianz Trade erwartet für Deutschland sowohl 2026 als auch 2027 jeweils 25.900 Unternehmensinsolvenzen. Das wäre ein Niveau, das zuletzt 2013 erreicht wurde. Zu den besonders betroffenen Wirtschaftszweigen zählt der Kreditversicherer ausdrücklich das Baugewerbe.
Als Belastungen nennt er die schwache Konjunktur, fehlende Fachkräfte und hohe Betriebskosten. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Statistischem Bundesamt 12.812 Firmeninsolvenzen gezählt — 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Was das für Flipper bedeutet: Wenn der Handwerker deines Vertrauens plötzlich weg ist, wird Ersatz teurer und langsamer zu finden. Gute Handwerker-Beziehungen sind gerade Gold wert.
Quelle: immowelt Impuls
Finanzen, Recht & Steuern
Dobrindt baut Schutzmauer gegen Enteignungen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will Vergesellschaftungen großer privater Wohnungsbestände nur unter engen Bedingungen zulassen. Nach seinen Vorstellungen müsste ein Bundesland zunächst nachweisen, dass sämtliche anderen Möglichkeiten zur Förderung und zum Bau von Wohnungen ausgeschöpft sind.
Zudem soll eine Entschädigung unmittelbar in Geld und zum vollen, gutachterlich bestimmten Verkehrswert erfolgen.
Das ist eine direkte Antwort auf die Berliner Vergesellschaftungspläne. Für Investoren mit Bestand in der Hauptstadt oder anderen regulierungsfreudigen Bundesländern ist das ein klares Signal: Enteignen wird deutlich schwerer und teurer. Die Immobilienwirtschaft begrüßt das Ziel größerer Rechtssicherheit.
Quelle: immowelt Impuls, 27.10.2026
Markt & Preise
IW-Wohnindex Q3: Kaufen stagniert, in den Top-7 sinkt's sogar
Die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland stagnieren, während die Mieten weiter kräftig steigen. Nach dem aktuellen Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verteuerten sich Eigentumswohnungen im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,3 Prozent, Ein- und Zweifamilienhäuser um 0,4 Prozent.
In den sieben größten Metropolen gingen die Kaufpreise sogar zurück. Besonders deutlich verbilligten sich Immobilien in:
- Stuttgart: −3,9 %
- Berlin: −2,0 %
- Köln: −1,3 %
Auf der anderen Seite stiegen die Angebotsmieten bundesweit um 4,5 Prozent. Die Schere zwischen Kauf und Miete öffnet sich weiter. Für Fix-and-Flip in Metropollagen heißt das: Die Käufer sitzen hintendrüber — Verhandlungsspielraum beim Einkauf ist da, aber der Exit braucht Geduld.
Quelle: Recht & Politik / IW-Wohnindex, 23.10.2026
Wohnungsbaugenehmigungen ziehen an — aber nicht genug
In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden deutschlandweit 12,1 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Überdurchschnittlich legten Mehrfamilienhäuser zu.
Das klingt nach Aufbruchsstimmung. Die Kehrseite kennen wir: Genehmigt heißt nicht gebaut. In den Auftragsbüchern ist eine Belebung weiterhin nicht zu erkennen. Der Anteil der Unternehmen, die über einen Auftragsmangel klagen, blieb unverändert bei 41,3 Prozent. Gleichzeitig wurden wieder etwas mehr Projekte storniert: 14,1 Prozent der Unternehmen berichteten von abgesagten Aufträgen.
Neubau bleibt also mager. Das stützt langfristig die Bestandspreise — und gibt Sanierer-Projekten weiter ihren Rückenwind.
Quelle: Immobilien Zeitung, 16.10.2026 / WirtschaftsWoche, 16.10.2026
Fazit
Der Markt zeigt gerade zwei Gesichter: Auf der Einkaufsseite gibt es Spielraum — Kaufpreise stagnieren, in Metropolen sinken sie sogar. Das ist eine Chance für jeden, der liquide ist und schnell entscheiden kann. Auf der Kostenseite bleibt der Druck hoch: Bauzinsen über vier Prozent, Baupreise auf dem August-Niveau von plus 5,5 Prozent, und jetzt noch mehr Baufirmen-Insolvenzen in Sicht. Das Gebäudetyp-E-Gesetz kommt frühestens Mitte 2027 und hat eine Lücke im Mietrecht. Wer heute kalkuliert, rechnet lieber noch mit den alten Handwerkerpreisen. Der Exit läuft am besten dort, wo Nachfrage hoch und Angebot knapp bleibt — also raus aus den klassischen Metropolen-Lagen, rein in die B-Städte und Speckgürtel, die noch nicht so überhitzt verhandelt werden.


