Elektrik: Du brauchst 3 Adern!
Bei der Besichtigung einer Immobilie gibt es einen einfachen, aber wichtigen Check, den du nicht vergessen solltest: Wie viele Adern hat das Elektrokabel? Ob zwei oder drei Adern vorhanden sind, entscheidet darüber, ob du die gesamte Elektrik sanieren musst. Besonders wenn du gewerblich im Fix-and-Flip tätig bist, kann dieser Punkt schnell teuer werden.
Zwei Adern oder drei Adern: Was bedeutet das konkret?
In vielen älteren Wohnungen und Häusern in Deutschland wirst du bei der Besichtigung auf zweiädrige Elektrokabel stoßen. Das klingt zunächst unspektakulär, hat aber weitreichende Konsequenzen für deine Kalkulation. Ein modernes, normgerechtes Elektrokabel besteht aus drei Adern:
- Phase (Außenleiter, meist schwarz oder braun)
- Neutralleiter (blau)
- Schutzleiter (grün-gelb)
Der entscheidende Unterschied ist der Schutzleiter, also die grün-gelbe Ader. Dieser Sicherheitsleiter schützt im Fehlerfall vor gefährlichen Körperströmen und ist heute in jeder normgerechten Elektroinstallation vorgeschrieben. Ohne ihn fehlt ein zentrales Sicherheitselement der Elektroanlage.
Wann wurde der Schutzleiter Pflicht?
Das ist der historische Hintergrund, den du kennen musst: Bis etwa 1970, manchmal sogar bis Mitte der 1970er oder vereinzelt bis in die frühen 1980er Jahre, wurden in Deutschland Wohnungen häufig noch mit zweiädriger Elektrik ausgestattet. Ein Schutzleiter war damals noch keine Standardanforderung. Das bedeutet: Jede Immobilie aus dieser Baualtersklasse kann dieses Problem haben. Wenn du also eine Wohnung oder ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er oder frühen 1970er Jahren kaufst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du dort zweiädrige Kabel vorfindest.
Mit dem heutigen Stand der Technik und den geltenden Vorschriften ist eine zweiädrige Installation nicht mehr zeitgemäß. Für eine Vermietung oder einen Weiterverkauf musst du die Anlage auf den aktuellen Stand bringen, also auf dreiädrige Kabel mit Schutzleiter umrüsten.
Warum ist das besonders relevant, wenn du gewerblich tätig bist?
Wenn du im Bereich Fix and Flip gewerblich arbeitest, also Immobilien kaufst, sanierst und wieder verkaufst, gibt es keine Grauzone. Du kannst eine Wohnung mit veralteter Elektrik nicht einfach so weiterverkaufen, ohne sie auf den aktuellen Stand gebracht zu haben. Das gilt sowohl aus haftungsrechtlichen Gründen als auch mit Blick auf die Erwartungen von Käufern, Banken und Gutachtern.
Selbst wenn du als Privatperson kaufst und die Wohnung anschließend wieder verkaufen möchtest, solltest du diesen Punkt in deine Kalkulation einpreisen. Eine komplette Elektrosanierung ist kein Schnäppchen. Je nach Wohnungsgröße und Zustand der bestehenden Installation können hier schnell mehrere tausend Euro anfallen. Wer das bei der Ankaufsprüfung übersieht, erlebt später eine böse Überraschung.
So erkennst du zweiädrige Elektrik bei der Besichtigung
Du musst kein Elektriker sein, um das bei der Besichtigung zu prüfen. Es gibt einen einfachen Trick, den du direkt vor Ort anwenden kannst:
- Schau an die Decke. Dort, wo eine Lampe oder eine Baulampe hängt, ist das Kabel oft offen sichtbar.
- Zähle die Adern im Kabel. Zwei Adern bedeuten: keine Schutzerde, veraltete Installation.
- Drei Adern, davon eine grün-gelbe, bedeuten: Schutzleiter vorhanden, moderne Installation.
Dieser Check dauert keine 30 Sekunden und liefert dir sofort eine wichtige Information für deine Kalkulation. Gerade an Deckenauslässen ist das Kabel oft unverkleidet und gut einsehbar, weil dort Baulampen provisorisch angeschlossen sind oder die Abdeckung fehlt. Nutze das.
Natürlich ersetzt das keine vollständige Elektroprüfung durch einen Fachbetrieb. Wenn du ernsthaft an einer Immobilie interessiert bist, solltest du im nächsten Schritt immer einen Elektriker zur Begehung mitbringen oder zumindest ein Angebot für die Sanierung einholen. Aber der erste Schnellcheck bei der Besichtigung hilft dir, direkt zu entscheiden, ob du tiefer in das Objekt einsteigen willst oder ob der Sanierungsaufwand das Preisniveau des Angebots rechtfertigt.
Was kostet eine Elektrosanierung?
Das lässt sich pauschal schwer sagen, weil es stark von der Wohnungsgröße, dem Grundriss und dem Zustand der bestehenden Leitungen abhängt. Grundsätzlich gilt: Je mehr Wände aufgestemmt und neue Leitungen verlegt werden müssen, desto teurer wird es. Für eine normale Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung kann eine vollständige Elektrosanierung je nach Region und Betrieb zwischen 5.000 und 15.000 Euro kosten. Bei größeren Einheiten oder Mehrfamilienhäusern entsprechend mehr.
Diesen Kostenpunkt musst du beim Ankauf berücksichtigen. Eine Immobilie, die auf den ersten Blick günstig wirkt, kann durch eine notwendige Elektrosanierung deutlich an Attraktivität verlieren, wenn du die Kosten nicht im Kaufpreis einkalkuliert hast. Das ist einer der Punkte, bei denen erfahrene Investoren den Unterschied machen: Sie wissen, worauf sie bei der Besichtigung achten müssen, bevor sie ein Angebot abgeben.
Fazit: Elektrik ist kein Randthema bei der Besichtigung
Die Anzahl der Adern im Elektrokabel ist ein einfacher, aber aussagekräftiger Indikator für den Sanierungsbedarf einer Immobilie. Zweiädrige Kabel ohne Schutzleiter sind ein klares Zeichen für eine veraltete Installation, die du vor Vermietung oder Weiterverkauf auf den aktuellen Stand bringen musst. Der Schutzleiter, also die grün-gelbe Ader, fehlt in Gebäuden, die vor etwa 1970 bis 1975 errichtet oder zuletzt elektrotechnisch erneuert wurden.
Mach dir diesen Check zur Routine: Decke anschauen, Kabel zählen, Ergebnis in deine Kalkulation einbauen. So vermeidest du teure Überraschungen nach dem Kauf und kannst sauber kalkulieren, ob ein Objekt für dich als Fix-and-Flip oder Kapitalanlage wirklich funktioniert.
